Nackte Männer wandern an einer Burg entlang.
Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Nacktwandern - was ist erlaubt?

06.08.2018

„Glamodden und Boddn aus, auf gehd’s nach Birne“, heißt es im Sommer 2018 in Sachsen. Gemeint ist die zehnte sächsische Nacktwanderwoche, die veranstaltet wird. Wir klären, darf man überall seine Hüllen fallen lassen?

Nackte Männer wandern an einer Burg entlang.
Bildrechte: MDR/Romy Heinrich

Ein Mütze, vielleicht noch feste Schuhe - mehr braucht es wohl nicht für die rund 40 Teilnehmer der zehnten Nacktwanderwoche in der Sächsischen Schweiz. Angesichts der aktuellen Temperaturen gibt es sicherlich schlechtere Plätze, um den Sommer zu verbringen. Da ist sich auch Organisator Martin Nitsche sicher:

Ja, wir wurden auch von einem britischen Fernseh-Team begleitet. Der Kameramann, der sowieso schon schwer bepackt war, musste beim Aufstieg auf den Papststein sein T-Shirt wechseln, weil es komplett nass geschwitzt war. Und am Mittwoch sollen es 37 Grad werden - da ist unsere Tour sicherlich die beste Option.

Regelmäßig sind auch bei Wippra Wanderer unterwegs, die unbekleidet durchs Grüne streifen. Im Jahr 2010 wurde dort der "Harzer Naturistenstieg" eröffnet, der erste Nacktwanderweg Deutschlands.

Nacktwandern auch im Harz

Bei gutem Wetter sind dort oft 50 und mehr Nackte unterwegs. Die Idee zur sächsischen Nacktwanderwoche geht übrigens auf einen MDR-Bericht zurück. Dort wurde von einem Nacktwanderer berichtet...

Das hat unseres ältestes Mitglied gesehen und beim MDR angerufen und nach der Telefonnummer gefragt. Die haben sich dann beide zusammengesetzt und festgestellt, ok, wir sind beide sehr gerne nackt und wollten das auch außerhalb von FKK-Plätzen, sich in die Natur, wo der Mensch ja auch herkommt, hin orierentieren.

Ärger und Konflikte mit anderen Wanderern gibt es offenbar nicht, berichten Teilnehmer. Auch wenn es gesetzliche Regelungen gibt, die in so einem Fall greifen könnten. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski aus Dresden im MDR-Interview:

Da gibt es wirklich einen Paragrafen dafür, oder dagegen: den Paragrafen 118 Ordnungswidrigkeitengesetz.

§ 118 OWiG Belästigung der Allgemeinheit

(1) Ordnungswidrig handelt, wer eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.

Entsprechend wurden im Jahr 2005 mal mehrere Nackt-Radfahrer verurteilt. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe meinte, "die Pläne würden der allgemein anerkannten Ordnung widersprechen", erzählt MDR-Rechtsexperte Thomas Kinschewski.

Nackedeis können Probleme bekommen

Und auch in der Schweiz gab es ein ähnliches Urteil: Mit "Ruhe und Erholung in ihrer ursprünglichsten Form" hat das Schweizer Kanton Appenzell-Außerrhoden geworben - doch wer sich dort in seiner ursprünglichsten Form erholen wollte, bekam Probleme. Hüllenloses Wandern in den Bergen verstößt nämlich grob gegen Sittlichkeit und Anstand, entschied das Obergericht des Kantons. 

Auf dem eigenen Balkon oder im eigenen Garten ist Nacktsein grundsätzlich erlaubt, weil mir niemand mein Hausrecht streitig machen kann.

MDR-Rechtsexperte Thomas Kinschewski

Allerdings kann der Mietvertrag Regeln enthalten, die beispielsweise nacktes Sonnenbaden auf dem Balkon verbieten. Da muss man sich dann dran halten. Ob es auf den Wandertouren von Martin Nitsche negative Überraschungen gab, hat er nicht erzählt. Wir drücken die Daumen, dass die Wanderer kein juristisches Nachspiel befürchten müssen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 06. August 2018 | 16:15 Uhr

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