Mückenreicher Sommer: Breitet sich jetzt das West-Nil-Virus aus?

Ein regnerischer Frühling und ein warmer Sommer: Für Stechmücken ist dieses Jahr ideal. Mit der Zahl der Plagegeister wächst aber auch die Angst vor neuen Krankheiten in unseren Breiten.

Asiatische Tigermücke
Bildrechte: imago images/Blickwinkel

Auf der Terrasse, im Park oder - ganz schlimm - im Schlafzimmer: Mücken schwirren momentan überall auf der Suche nach Opfern herum. Der Mückenforscher Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut befürchtet in den kommenden Wochen gar eine regelrechte Plage: "Im Moment sieht es für die Mücken sehr gut aus", sagte er. "Das Frühjahr war zwar sehr kalt, aber mit den warmen Temperaturen und hohen Niederschlägen seit Monatsbeginn scheint es jetzt loszugehen."

Seine Kollegin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung widerspricht dem allerdings:

Im Grunde haben wir jetzt wieder ein ganz normales Mückenjahr.

Mücken mögen es feucht und warm. Die extreme Trockenheit der letzten Sommer habe ihnen nicht gut getan, es seien vergleichsweise wenig Mücken unterwegs gewesen. Dieses Jahr fänden sie bessere Bedingungen vor, erklärt Werner. Vor allem für die Hausmücke sei die plötzliche und anhaltende Wärme besonders günstig für die Vermehrung.

Klimawandel bringt neue Mückenarten

Die globale Erwärmung bringt aber auch neue Mückenarten nach Deutschland, die sich hier wohl fühlen. Dazu gehören auch die asiatische Tigermücke und die asiatische Buschmücke. Beide seien zwar wärmere Gefilde gewohnt, könnten sich aber auch an kältere Temperaturen anpassen.

Gerade die asiatische Tigermücke gilt als besonders gefährlich, weil sie verschiedene Viren übertragen kann, etwa das West-Nil-Virus. In Deutschland könnte das zum Problem werden. Zwar ist das West-Nil-Virus generell eher ungefährlich, in 80 Prozent der Fälle verläuft eine Infektion laut Robert-Koch-Institut ohne Symptome, knapp ein Fünftel der Infizierten hat grippeähnliche Symptome, allerdings kann es in seltenen Fällen auch zu schweren Verläufen kommen, die schlimmstenfalls tödlich enden können.

Die Zahl der Fälle steigt: 2019 gab es in Sachsen den ersten West-Nil-Virus-Fall mit schwerem Verlauf. Im vergangenen Jahr waren es schon 20 solcher Erkrankungen, darunter ein Todesfall. Experten des Robert-Koch-Instituts gehen davon aus, dass sich das Virus weiter in Deutschland etablieren wird.

Mit Material von dpa, RKI

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 15. Juni 2021 | 11:27 Uhr

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