ADAC Fahrsicherheitstraining für Motorradfahrer. Ein Mann in schwarzer Schutzkleidung fährt auf einem silbernen Motorrad durch orangefarbene Pylonen.
Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Verpflichtendes Sicherheitstraining für Motorradfahrer?

02.08.2019 | 14:39 Uhr

Hohe Geschwindigkeiten, enge Kurven - Motorradfahren bedeutet für viele Freiheit. Aber auch Leichtsinn. Die Zahl der getöteten Motorradfahrer steigt und oft sind die Fahrer selbst für den Unfall verantwortlich. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) spricht sich für ein verpflichtendes Fahrsicherheitstraining für Motorradfahrer aus.

ADAC Fahrsicherheitstraining für Motorradfahrer. Ein Mann in schwarzer Schutzkleidung fährt auf einem silbernen Motorrad durch orangefarbene Pylonen.
Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Der Verkehr wird statistisch gesehen immer sicherer. Außer für Motorradfahrer. Die haben nach wie vor ein 21 mal höheres Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken, die Zahl der getöteten Motorradfahrer stieg im vergangenen Jahr auf 619. Müssen Motorräder im Verkehr besser geschützt werden? Nein, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Die Zahlen zeigen relativ klar, dass das Märchen davon, dass in aller Regel irgendein Autofahrer zu blöd war und dem Motorradfahrer in den Weg gefahren ist, in vielen Fällen gar nicht stimmt.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, steht zwischen zwei Dummies in hellgrauen Anzügen. Im Hintergrund ist verschwommen eine Halle zu erkennen. Brockmann trägt ein hellblaues Hemd und einen dunkelblauen Pullover und blickt in die Kamera.
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Bildrechte: Unfallforschung der Versicherer (UDV) im GDV

Ganz im Gegenteil: Das größte Problem beim Motorradfahren ist der Fahrer selber, sagt Brockmann, der selbst seit Jahrzehnten Motorrad fährt. In rund der Hälfte der Unfälle verunglückt der Fahrer alleine, bei zwei Unfallbeteiligten trägt der Fahrer des Kraftrads in 70 Prozent der Fälle die Hauptschuld.

Damit hätten die Fahrer ihre Sicherheit häufig aber auch selbst in der Hand.

Übung macht den Meister - Trainings als Pflicht?

Im Vergleich zu Autofahrern, sind Biker im Schnitt nur zwischen 2000 und 3000 Kilometer pro Jahr auf den Straßen unterwegs. Gerade dann ist es besonders wichtig, im Fall der Fälle richtig reagieren zu können. Brockmann empfiehlt deshalb verpflichtende Sicherheitstrainings.

Was es ja schon häufig gibt, sind Trainings auf dem Platz. Da wird dann Perfektion geübt, Maschinenbeherrschung, mal durch Pylonengassen fahren, auch mal eine Notbremsung und so weiter.

Gefahren rechtzeitig zu erkennen, um im Ernstfall richtig zu reagieren, das können Fahrer auch außerhalb des Platzes üben. Beim Training auf der Straße wird die Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern geprobt, per Video aufgezeichnet und mit einem erfahrenen Instruktor ausgewertet. Das Problem bei solchen Trainings generell: Das machten meistens die Fahrer, die eh schon vergleichsweise sicher führen.

Viele andere - Heizer, Besonders-schnell-Fahrer, besonders leichtsinnige Fahrer - die gehen nicht hin und gerade die müssen wir ja erreichen.

Schutzkleidung - weniger Schutz als gedacht

Motorradfahrer auf einer Landstraße im Grünen
Auf Landstraßen sind Motorradfahrer oft schneller unterwegs, als sie ihre Schutzkleid vor tödlichen Verletzungen bewahren kann. Bildrechte: IMAGO

Was viele Fahrer auch überschätzen: ihre Schutzkleidung. Während die Fahrer bei Motorradrennen auch schlimme Stürze oft überleben, fehlt auf der Straße meistens die notwendige Schutzzone. Prallt der Biker nach einem Unfall gegen ein Hindernis, hilft Standardschutzkleidung nur bis etwa 25 Kilometer pro Stunde. Selbst dicke Airbags helfen beim Aufprall auf einen Baum oder die Leitplanke nur bis Geschwindigkeiten von maximal 70 Kilometer pro Stunde. Ist der Fahrer schneller unterwegs, hat er keine Überlebenschance.

Und das ist ja noch ein ganzes Stück von den Landstraßengeschwindigkeiten entfernt, die tatsächlich gefahren werden.

Für die Studie hatte Brockmann über 2000 schwere Zweirad-Unfälle ausgewertet. Tödliche Verletzungen betreffen in über 90 Prozent der Fälle den Brustkorb oder den Kopf. Ein weiteres Unfallrisiko: Gruppenfahrten. 15 Prozent der schweren Unfälle würde in Gruppen stattfinden. Was hilft? Abstand halten - am besten so, dass eigentlich von einer Gruppe keine Rede mehr sein kann, so Brockmann.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 04. August 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 14:40 Uhr

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