Pottsuse
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Mitteldeutsche Gerichte mit Geschichte

22.01.2019 | 11:30 Uhr

Pottsuse, Dägl'Broad, Geschmink: Die Namen klassischer Gerichte aus Mitteldeutschland machen neugierig: Was steckt eigentlich drin und welche Geschichte dahinter?

Pottsuse
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Pottsuse

Pottsuse
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Die Pottsuse ist eigentlich gar kein eigenständiges Gericht, sondern eher eine Art deftiger Brotaufstrich. Der zum Beispiel lecker auf einem Stück Roggenbrot schmeckt. 

Da kommt es her
Pottsuse kommt aus Sachsen-Anhalt, genauer gesagt aus dem Harz und der Magdeburger Börde.

So wird’s gemacht
Die Basis für dieses Gericht ist im Grunde Schweinefleisch, am besten aus der Schulter oder dem Schweinenacken. Schön durchwachsen sollte es sein. Man braucht außerdem Schmalz und Speck für den Geschmack. Dazu Lorbeer, Majoran, Thymian, Zwiebeln – alles was so für eine deftige Wurst wichtig ist. Das Fleisch wird lange gegart, bis es fast zerfällt. Daraus wird eine Art Masse aus gekochter Wurst hergestellt, die man dann in Gläser abfüllt. Im Grunde sieht es dann aus wie eine Fleischmarmelade.

Die Geschichte dahinter
Pottsuse besteht aus zwei Teilen. Der Pott, das Gefäß in das das Fleisch abgefüllt wird. Außerdem spielt der Garprozess eine große Rolle, weil man das Schweinefleisch vor sich hin „susen“ lässt. Daher kommt der Name aus Pott und Suse.

Leipziger Lerche

Leipziger Lerche
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Leipziger Lerche ist ein süßes Gebäck, wie eine Art Törtchen. Lerchen sind gefüllt mit einer Marzipanmasse aus Mandeln und anderen Nüssen. Obendrauf liegt ein Kreuzmuster aus Teig.  

Da kommt es her
Leipziger Lerche kommt aus Leipzig. Und der Begriff ist sogar auch ein geschützter Begriff.

So wird’s gemacht
Mehl, Butter, Zucker und Eier mischt man zusammen, außerdem braucht man noch Puderzucker und Mandeln. Als Füllung nimmt man auch gerne Marmeladen. Und obendrauf auf dieses kleine Törtchen wird der gleiche Teig in Form von Kreuzen gespritzt. Man rollt den Teig erstmal aus, tut ihn in das Förmchen, dann kommt die Füllung rein. Obendrauf macht ihr aus dieser gleichen Teigmasse noch Kreuze. Dann kommt die Lerche in den Ofen und wird goldbraun backen.

Die Geschichte dahinter
Es war ja früher so, dass man Singvögel jagen durfte -  und nicht nur jagen, sondern auch essen und lecker zubereiten. Aber 1876 wurde in Leipzig ein Verbot erlassen, die Leute durften keine Singvögel mehr fangen. Dann kam die große Stunde der Bäcker: Sie haben ein süßes Gebäck kreiert, die Leipziger Lerchen.

Geschmink

Geschmink
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Das Geschmink ist eine deftige Kartoffelmahlzeit mit Hammelfleisch.

Da kommt es her
Dieses Gericht stammt aus dem Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen, genauer gesagt aus Niederdorla, einem Ortsteil der Gemeinde Vogtei.

So wird’s gemacht
Hammelfleisch, Kartoffeln, Wasser, Salz und Kümmel sind die wichtigsten Zutaten. Das Hammelfleisch wird vorgekocht und mit der dazugehörigen Brühe in einer Pfanne aufgegossen. Hinzu kommen klein geschnittene Kartoffeln, Salz und Kümmel, sowie nach Belieben Zwiebeln und Knoblauch in Scheiben. Die Pfanne kommt dann einfach in den Ofen und man wartet bis die Kartoffeln goldbraun sind, die Zwiebeln kommen darauf. Wer will kann gern noch eine Birnenhälfte darüber geben.

Die Geschichte dahinter
Das Geschmink war früher ein Essen der armen Leute. Mit dem, was es damals in der Region gab. Da früher nicht jeder einen eigenen Ofen hatte, hat man das Geschmink in eigenen Töpfen und Pfannen vorbereitet und brachte es zum Ortsbäcker. Dort garte es bei einer recht schwachen Temperatur um die 80 Grad. Wenn die Leute mit ihrer Arbeit fertig waren, holten sie es sich dort durchgegart wieder ab.

Dägl´Broad

Tiegelbraten
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Dägl’Broad ist eine Art Fleischeintopf, ähnlich wie eine Gulaschsuppe. Oben kommen ein paar ein paar Zwiebelringe drauf und dazu gibt es meistens ganz rustikal ein Roggenbrot.

Da kommt es her
Dägl’Broad klingt fast ein wenig Bayerisch. Aber es kommt aus der Altmark, aus dem Norden von Sachsen-Anhalt. Dort wird es oft zu Feierlichkeiten gegessen, aber natürlich auch ganzjährig.

So wird’s gemacht
Als Basis dienen Rindfleisch, Lamm, Zwiebeln und Gewürze. Das Fleisch würfeln und sanft garen, dass es richtig schön weich wird. Dann wird es nochmal im Ofen gebacken. Es kommen noch Zwiebeln dazu, die dann goldbraun gebacken werden.

Die Geschichte dahinter
Dägl’Broad ist im Grunde ein Tiegelbraten. Traditionell ist der Tiegel ein Topf, entweder aus Ton oder Eisen, mit drei Beinen. Diesen Tiegel hat man früher traditionell auf den Tisch gestellt – und daraus konnte sich dann jeder nehmen.

Meißner Fummel

Meißner Fummel
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Meißener Fummel ist ein feines, dünn ausgerolltes Gebäck.

Da kommt es her
Der Fummel kommt, wie es der Name schon sagt, aus Meißen. Die sächsische Stadt, die berühmt für ihr Porzellan ist. 

So wird’s gemacht
Die wichtigsten Zutaten sind Mehl, Butter, Zucker und Salz. Der Fummel wird so ähnlich wie ein Nudelteig gemacht. Der muss hauchdünn ausgerollt werden und man klebt zwei dünne Teigschichten übereinander. Fertig gebacken ist der Fummel dann wie ein luftballonartiges, fluffiges Gebäck.

Die Geschichte dahinter
1747 wurde der Meißner Fummel das erste Mal erwähnt. Damals hieß es noch Fommel. Kuriere mussten früher Meißner Porzellan aus der Manufaktur an den Königshof nach Dresden liefern. Das Problem war allerdings, dass sie oft sehr durstig waren - um ihren Durst zu löschen, haben sie gerne Alkohol getrunken. Deshalb war dann das Meißner Porzellan oft zerbrochen. Statt eines Alkoholtests hat August der Starke damals bestimmt, dass die Kuriere dieses Gebäck heil zum Königshof transportieren müssen. So konnte man überprüfen, dass die Kuriere bei ihrer Fahrt nicht betrunken waren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 21. Januar 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 11:30 Uhr

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