Abstimmung: So entscheiden Mitteldeutsche Bundestagsabgeordnete zur Organspende

15.01.2020 | 17:01 Uhr

In Deutschland werden mehr Organe benötigt als es Spender gibt. Deshalb stimmt der Bundestag über ein neues Gesetz ab: Soll hier bald die Widerspruchslösung oder die Entscheidungslösung gelten? Wir haben mit drei Bundestags-Abgeordneten aus Mitteldeutschland gesprochen, die ohne Fraktionszwang entscheiden werden.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation
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Das Thema Organspende wird nicht nur im Netz kontrovers diskutiert. Da bei dieser Entscheidung im Bundestag kein Fraktionszwang besteht, entscheiden die Abgeordneten nach ihrer eigenen Meinung. Bundestagsabgeordnete aus Mitteldeutschland haben uns erklärt, wie sie abstimmen werden.

Bundestagsabgeordnete Petra Sitte von DIE LINKE aus dem Wahlkreis Halle:

Petra Sitte
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Ich werde dem Gesetzentwurf mit der Widerspruchslösung zustimmen. Ich habe in allen bioethischen Debatten ausdrücklich die Perspektive eingenommen, der Betroffenen, der Erkrankten, der Wartenden, ihrer Familien. Die zum Teil seit Jahren auf Organe warten. Ich möchte gerne, dass wir mit unserer Lösung die Bereitschaft der Bevölkerung, die ja unbestritten da ist, Organspende zu leisten durch die Widerspruchslösung mit einem größeren Grad aufzufangen.

Bundestagsabgeordneter Frank Pasemann von der AfD:

Frank Pasemann (AfD-Politiker)
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Ich wende mich gegen die Widerspruchslösung, weil ich davon ausgehe, dass es bessere Lösungen gibt. In dem man zum Beispiel gefragt wird. Und ich denke, dass die Menschen auch in letzter Instanz darüber entschieden müssen und sollen was mit ihren Organen passiert. Die Entscheidungslösung bietet da einen Ansatz. Das kann man sogar verbindlich machen. Das heißt, indem Krankenkassen oder wie auch immer geartete Organisationen diese Frage stellen und dann wird darauf geantwortet. Das wird dann dokumentiert. Und damit gibt es eine sichere Entscheidung für die Ärzte und für die Familien.

Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser von der SPD für Ost-Thüringen:

Ich stimme mit "Ja" zur doppelten Widerspruchslösung. Weil ich glaube, dass damit mehr Leben gerettet werden können, als es bisher der Fall ist. Dass 10.000 Menschen, die auf ein Organ warten auch geholfen werden kann und dass es effektiver ist, als wenn man aktiv zustimmen muss. Ich denke eben, dass man damit auch ein Recht auf Selbstbestimmung hat - ein gesellschaftliches. Und das man damit eben auch die Zustimmungslösung zum Prinzip der Organspende als gesellschaftliche Aufgabe macht. Und damit eben Menschenleben retten kann.

Entscheidungs- oder Widerspruchslösung stehen zur Debatte

Der Bundestag wird zwischen der Entscheidungs- oder Widerspruchslösung entscheiden. Bei beiden Lösungen muss man eine aktive Entscheidung dafür oder dagegen treffen, potentieller Organspender zu werden. Bei der Entscheidungslösung muss man sich ganz klar für "Ja" oder "Nein" entschieden. Diese Entscheidung wird in einem Register vermerkt. Bei dem Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der doppelten Widerspruchslösung, muss man der Organspende zu Lebzeiten widersprechen, sonst wird man nach dem Tod automatisch Organspender. Es sei denn Angehörige wissen, dass der Verstorbene dies wollte. Die getroffene Entscheidung soll jederzeit geändert werden können.

Ungefähr 9.000 Menschen warten in Deutschland auf lebensrettende Organe. Doch im Jahr 2019 erklärten sich nur 932 Spender bereit. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation sank die Zahl der gespendeten Organe auf 2995. Im Jahr 2018 waren es 3113 Organe.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 15. Januar 2020 | 19:20 Uhr

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