Ratgeber: Wenn der Partner eine Macke hat

Liebenswerter Tick oder nervige Marotte - in den meisten Liebesbeziehungen zeigen sich irgendwann Seiten des Partners, von denen man zunächst nichts geahnt hat. Was du dann tun kannst, haben wir eine Paarexpertin aus Leipzig gefragt.

Ein Paar streitet sich
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Er lässt seine Socken überall herumliegen, sie telefoniert stundenlang mit ihrer besten Freundin - die kleinen und größeren Macken des Partners können den Beziehungsalltag trüben. Am Anfang einer Partnerschaft können wir noch recht gut über die Fehler des oder der Liebsten hinwegsehen, später aber nerven die Macken. Das ist ganz normal, erklärt die Leipziger Familien- und Paarberaterin Martina Friedel im MDR JUMP-Gespräch:

Ich bin mir sicher, dass wir solche Macken von Anfang an nicht liebenswert finden, aber wir können im Zuge der Verliebtheit wesentlich besser darüber hinwegsehen. Das funktioniert nur eine gewisse Zeit. Je mehr wir uns kennenlernen und je mehr Zeit wir miteinander verbringen, umso mehr Möglichkeiten gibt es, dass wir immer wieder mit der Realität konfrontiert werden und dann wird aus dem Prinzen oder der Prinzessin eben doch der ganz normale Mensch. Und da gibt es dann halt auch so Sachen, die uns dann anfangen zu stören.

Ansprechen oder schweigend hinnehmen?

Es ist wichtig, die Schwierigkeiten anzusprechen und zwar rechtzeitig, bevor man völlig frustriert ist. Paarberaterin Friedel rät aber auch zu schauen, woher die Unzufriedenheit kommt. Also frage dich ruhig vor dem Gespräch mit deinem Partner: Warum stört mich die offene Zahnpastatube oder der Klodeckel so sehr? Vielleicht fühlst du dich nicht respektiert? Vielleicht legst du sehr viel Wert auf Ordnung?

Den richtigen Ton finden

Wichtig ist es, die Sache, die dich stört so anzusprechen, dass es nicht als Vorwurf bei deinem Partner ankommt. Mach deinem Gegenüber klar, dass dir die Sache wichtig ist. Im besten Fall kannst du eine Änderung bewirken, rechne aber auch damit, dass deine Botschaft nicht so ankommt, wie du sie meinst. Das funktioniert leider nicht immer, so die Expertin:

Natürlich habe ich, auch wenn ich mir große Mühe gebe, nicht die volle Kontrolle darüber, wie es bei dem anderen ankommt. Bei dem anderen kann es trotz aller Aufmerksamkeit für das, was ich sage, immer so ankommen, als würde ich kritisieren und dann fühlt sich der andere auf den Schlips getreten. Aber da kann ich auch ein Stück weit die Verantwortung bei dem anderen lassen. Ich bin nicht 100-prozentig dafür verantwortlich, wie eine Botschaft, beim anderen ankommt.

Konflikt als Chance

Auch wenn es im ersten Moment vielleicht schwerfällt - versuche auch das Positive in der Situation zu sehen. Die Paarberaterin sieht in Konflikten und Problemen, die es in Beziehungen immer wieder gibt, Chancen, zu wachsen, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Wir haben ja ganz oft die Vorstellung, dass Probleme irgendetwas Schlechtes sind, aber man kann es auch so sehen, dass jeder Konflikt eine Chance birgt, mehr über mich und meinen Partner und über unsere Beziehung zu erfahren.

Auch wenn du bei dir selbst forscht, warum dich diese oder jene Macke so auf die Palme bringt, kannst du etwas über dich lernen, meint die Beziehungsexpertin. Interessant ist es auf jeden Fall, den Blick vom anderen weg, auf sich selbst zu richten und zu fragen, warum man da ein Thema hat. Und ganz wichtig: nicht gleich die ganze Beziehung infrage zu stellen.

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