Umweltschutz Schweden verbietet Mikroplastik

18.02.2018 | 10:00

In vielen Cremes, Peelings und Shampoos sind kleinste Plastikteilchen enthalten – sogenanntes Mikroplastik. Obwohl es so gut wie unsichtbar ist, könnte es eine Gefahr darstellen. Schweden hat nun reagiert und verbietet Produkte, in denen Mikroplastik enthalten ist.

Eine Frau zeigt 2016 einen Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik enthält.
Kleinste Plastikteilchen sind in vielen Pflegeprodukten enthalten. Bildrechte: dpa

Duschgel, Shampoo, Lippenstift: Wer hätte gedacht, dass hier nicht nur die Verpackung aus Plastik besteht? Tatsächlich sind in vielen Pflegeprodukten kleinste Plastikpartikel enthalten – so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Und doch stehen sie im Verdacht, der Umwelt auf lange Sicht einen großen Schaden zuzufügen.

Deshalb hat Schweden beschlossen, Produkte, in denen das sogenannte Mikroplastik enthalten ist, in Zukunft zu verbieten. Ein Verkaufsverbot soll ab dem 1. Juli in Kraft treten. Endgültig aus den Regalen der Supermärkte und Drogerien verschwindet das Mikroplastik dann ab 2019.

Mikroplastik - Was ist das? Mikroplastik sind Kunststoffteile, die kleiner als fünf Milimeter sind. Sie sind fest und nicht löslich. Unterscheiden kann man zwei Arten: Mikroplastik, das bewusst hergestellt wurde (z.B. als Schleifpartikel in Peelings), und zufällig entstandenes Mikroplastik (Zerfall von Kunststoffprodukten).

Mikroplastik in Lebensmitteln nachgewiesen

Schwedens Umweltministerin Karolina Skog sagte zu dem Vorhaben, das Verbot sei ein notwendiger Schritt, um Mikroplastik im Wasser zu verringern. Wie die Regierung mitteilte, sei künftig mehr Kunststoff als Fisch in den Ozeanen, wenn sich nichts ändere. 

Finger mit Mikroplastikpartikeln
Mikroplastik ist so klein, dass es mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen ist. Bildrechte: Stephan Glinka / BUND

Bereits im Januar hatten Forscher vom Oldenburger Institut für Chemie und Biologiedes Meeres Mikroplastik im sogenannten "Fleur de Sel" nachgewiesen – einem handgeschöpften Salz. Laut Barbara Scholz-Böttcher vom Oldenburger Institut sei die Konzentration zwar gering, dennoch findet sie das Ergebnis beunruhigend: "Dass wir Mikroplastik in dem Naturprodukt Meersalz finden, zeigt, dass ein gesellschaftliches Umdenken zwingend notwendig ist." In der Vergangenheit hatten Forscher auch winzige Plastikteilchen in Fischen, Krebsen und in Speisesalz gefunden.

Noch fehlen seriöse Studien zu Langzeitfolgen

Matthias Gehling vom Bundesinstitut für Risikobewertung sagte zum Ergebnis der Studie: "Eine Risikobewertung ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Bei dem Thema Mikroplastik in Lebensmitteln gibt es noch viele Datenlücken. Da ist noch ein sehr großer Forschungsbedarf."

Um die Lücke zu schließen, beschäftigen sich Wissenschaftler unter anderem mit der Frage, welche Auswirkung die winzigen Partikel auf Menschen haben: Lagert sich das Plastik im Körper ab oder wird es ausgeschieden? Hinweise dazu erhoffen sich die Forscher durch eine neue Studie – Ergebnisse dazu sollen aber erst Ende des Jahres vorliegen.   

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 18. Februar 2018 | 16:45 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP