Ganz einfach mehr Bewegung in den Alltag integrieren

Eine Befragung hat ergeben, dass in Deutschland so viel gesessen wird wie noch nie. Für unsere Gesundheit ist das Gift. Zeit, dass sich was ändert.

Frau bei einer Fitness Übungen
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Die Ausreden mögen noch so gut sein, aber wir brauchen wir die guten Vorsätze! Denn Frauen und Männer in Deutschland sind so bewegungsfaul wie noch nie. Das haben die Deutsche Sporthochschule Köln und die Krankenkasse DKV im Herbst herausgefunden, als sie das Gesundheits- und Bewegungsverhalten in den verschiedenen Bundesländern analysieren ließen. Ein kleines Schmankerl für unsere Region gab es dabei immerhin: Beim Gesamtvergleich der Bundesländer war Sachsen Spitzenreiter beim gesunden Lebensstil, Sachsen-Anhalt lag bei der Verwendung gesunder Lebensmittel vorn.

Trotzdem: „Die vergangenen eineinhalb Jahre haben zahlreiche Veränderungen in den Lebenswelten der Menschen hervorgerufen. Neben der neuen Situation des Dauer-Homeoffices brachte auch für viele Berufstätige und Familien das Homeschooling eine große Umstellung im Alltag mit sich“, so Studienleiter Ingo Froböse. Sein Fazit: „Die Deutschen bleiben träge, sie werden immer träger.“

Dabei schadet uns das Sitzen – sehr. Das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Herzinfarkt steigt. Der Stoffwechsel schaltet auf Sparflamme, wir verbrennen kaum Kalorien. Die Blutfettwerte steigen, die Durchblutung vor allem in den Beinen wird eingeschränkt – und Thrombosen drohen. Dazu kommen Rückenbeschwerden und verspannte Schultern.

Junge Erwachsene sitzen besonders viel

Und noch nie wurde so viel gesessen wie 2021 – und zwar mit durchschnittlich 8,5 Stunden pro Tag eine ganze Stunde länger als noch 2018. Besonders besorgniserregend war dabei der Anstieg bei jungen Erwachsenen, die im Schnitt nicht weniger als 10,5 Stunden pro Werktag sitzen, zumeist während der Arbeit oder am Computer.

Wer zu Hause arbeitet, kennt den schlechten Einfluss vom Homeoffice auf die Bewegung: Wo man früher auf dem Weg zum Job womöglich einen längeren Fuß- oder Radweg zurücklegen musste, ist man nun schon nach ein paar Metern am Arbeitsplatz. Und in der Pause geht man auch nicht mal um den Block, sondern bestenfalls in die Küche. Was lässt sich dagegen tun? Am besten wäre es, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, dass sich erwachsene Menschen pro Woche etwa 2,5 Stunden bewegen, um ihre Ausdauer zu fördern. Dazu sollten nochmal zwei Mal pro Woche muskelstärkende Übungen oder Aktivitäten kommen. Doch das schaffen nur 21 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer in Deutschland. „Ein körperlich aktiver Lebensstil kann beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die häufigsten Todesursachen in Deutschland, senken“, so Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. „Auch zur Prävention vieler weiterer Erkrankungen ist regelmäßige Bewegung wichtig.“

Jeder Schritt zählt

„Bewegung ist die Medizin des 21. Jahrhunderts“, heißt es deswegen auch bei der Deutschen Herzstiftung. Nicht immer müsse es zwingend schweißtreibendes Sporttraining sein, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken: „Jeder Schritt zählt“. Und viele von uns haben ja mittlerweile eine Smartwatch, die man schön zum Zählen der eigenen Schritte einsetzen kann.

Und wenn man diese Zahl einmal im Blick hat, kann man sie steigern. Zum Supermarkt laufen, wo das geht, die Treppe statt des Aufzugs nehmen. Und so weiter. Genau so kann man versuchen, die Kids zu Fuß zur Schule oder zur Kita zu bringen, wo das möglich ist. Und wer immer noch ins Büro gehen darf oder muss, kann durchaus überlegen, Kollegen direkt aufzusuchen statt sie anzurufen – wichtig ist dabei natürlich, auf die Pandemieregeln zu achten, etwa beim Thema Abstand.

Manchmal ist auch Multitasking ok

Und in der Freizeit? Ja, sich mit Freunden draußen treffen, hängt vielen von uns in Corona-Zeiten ein bisschen zu Nase raus, aber was spricht eigentlich gegen eine gemeinsame kleine Wanderung? Und wer allein unterwegs ist, kann sich ein Hörbuch auf die Ohren holen – oder natürlich unser Radioprogramm hier bei MDR JUMP. Und dann laufen. Wer joggen kann, joggt – und wer „nur“ spazieren geht, geht eben spazieren.

So steigert ihr nach und nach die Zahl eurer Schritte. Oder der Tritte. Denn was spräche eigentlich dagegen, den abendlichen Krimi strampelnd auf dem Hometrainer zu schauen? (Wer keinen hat und gerne bastelt, findet im Netz übrigens Anleitungen zum Bau eines Rollentrainers.) Wem danach ist, der kann stattdessen auch ein bisschen Yoga vor der Glotze machen. Hauptsache, ihr bewegt euch. Multitasking mag nicht immer funktionieren, aber hier sollte es ok sein.

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