Hygienemaßnahmen: Viele Kinder holen Atemwegserkrankungen nach

Durch die Corona-Maßnahmen kamen Kinder weniger mit Krankheitserregern in Kontakt als sonst. Nun holen sie diese Infekte nach. Kinderärzte plädieren nun dafür, den Alltag der Kinder wieder so normal wie möglich zu gestalten.

Mädchen schnaubt sich die Nase.
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Normalerweise stecken sich besonders viele Kinder in den Wintermonaten mit Atemwegsinfekten an. Die Corona-Maßnahmen haben aber viele Infektionen verhindert, so hatten Viren und Bakterien schlechte Karten. Doch jetzt fallen Schritt für Schritt die Maßnahmen weg – und mit ihnen kehren nun auch Infektionskrankheiten zurück. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet aktuell von einem starken Anstieg der Atemwegserkrankungen, vor allem bei Kindern.

Infekte werden nun nachgeholt

Für diese Infektionen ist das Respiratorische Synzytial-Virus verantwortlich (RSV), das vor allem für Frühgeborene und vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr gefährlich werden kann. Der Infekt der oberen Atemwege führt aktuell auch immer häufiger zu Krankenhaus-Einweisungen, so das RKI. Im September wurden in den letzten Jahren rund 60 bis 70 Ein- bis Vierjährige pro Woche in Kliniken gebracht – aktuell seien es doppelt so viele.

Medizinerinnen und Mediziner haben nun die Sorge, viele schwerkranke Kinder im Herbst und Winter nicht versorgen zu können. Laut dem Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, sei es bereits jetzt schon mühsam, kleine Patienten stationär aufzunehmen.

In vielen Kliniken gibt es nicht genug Personal, deswegen müssen Betten geschlossen werden. Dadurch entsteht ein Engpass, das liegt aber nicht an der erhöhten Infektionslage.

Alltag der Kinder soll so normal wie möglich ablaufen

Das Robert-Koch-Institut warnte bereits im Sommer davor, dass es mehr RSV-Infektionen geben würde. Normalerweise würden Kinder dem Virus in jedem Jahr begegnen, daraufhin bilde sich dann ein gewisser Immunschutz. Durch die Hygienemaßnahmen sei das aber nicht möglich gewesen, wodurch auch die Abwehr der Kinder gelitten hätte. Im letzten Winter gab es daher fast keine RSV-Erkrankungen, die holen die Kinder nun nach. Laut Maske müssten Kinder mit leichten Symptomen, die kein Fieber haben und nicht abgeschlagen wirken, auch nicht unbedingt zuhause bleiben.

Kinder mit leichten Erkältungskrankheiten können gerne in die Kita oder in die Schule gehen.

Kinder- und Jugendärzte plädieren also dafür, den Alltag der Kinder so normal wie möglich zu gestalten. Laut Kinderarzt Thomas Buck sei jetzt vor allem kluge Risikoabwägung notwendig, damit Kinder konstant in den Kindergarten und die Schule gehen könnten. Auf der anderen Seite sei es aber auch wichtig, dass möglichst keine Corona-Infektionen übersehen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 04. Oktober 2021 | 19:40 Uhr

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