Max Giesinger über Mobbing und die Scheidung seiner Eltern

Mein Videochat mit Max Giesinger beginnt eigentlich ganz lustig: Er zeigt mir seine Inneneinrichtung, spielt Klavier und macht ein paar Yoga-Übungen vor. Als wir aber auf seine neuen Songtexte zu sprechen kommen, wird er allerdings ungewohnt ernst. Es geht um die Scheidung seiner Eltern, um früheres Mobbing und das allgemeine Gefühl, nicht glücklich zu sein. „Das fühlt sich an wie ein Therapiegespräch“ stellt Max schmunzelnd fest…

Max Giesinger singt in seiner neuen Single „Irgendwann ist jetzt“ davon, sein Leben besser zu gestalten. Und das war im echten Leben wohl bitter nötig für Max.

Was da in so einem Künstlerleben passiert, ist glaube ich, nicht unbedingt natürlich für die Psyche… dass ganze viele Leute was von dir wollen… dass du immer im Mittelpunkt stehst.

verrät er mir im Interview.

Dann habe ich aber so irgendwann 2017 gemerkt: ,Irgendwie bist du jetzt aber auch nicht so richtig happy die ganze Zeit.'

Beziehungen fand er problematisch

Die Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie habe dem 32-Jährigen nun endlich Ruhe und neue Rituale gebracht.

Ich mach tatsächlich ne kleine Meditation morgens und mach danach Yoga.

Aber auch über seine inneren Konflikte habe er viel nachgedacht, wie zum Beispiel die Trennung seiner Eltern.

Ich glaube, wenn du als Kind die Erfahrung machst, dass sich deine Eltern trennen, dann siehst du eher, dass Beziehungen oftmals problematisch sind.

erklärt Max. Lange Zeit seien Beziehungen für ihn eher negativ besetzt gewesen.

Da hab ich persönlich eher Stress mit verbunden oder dass Beziehungen zu Bruch gehen.

Aber auch ohne Romantik konnten Beziehungen für ihn Stress bedeuten.

Wenn ich merke, dass einer schlecht drauf ist, habe ich immer das Gefühl, ich muss dem jetzt ne gute Zeit bescheren. Und das ist okay, wenn ich auf der Bühne stehe und für 5000 Leute ein Konzert runterreiße

stellt Max fest. Er habe aber auch viel zu oft im Privaten versucht, es allen recht zu machen.

Und wenn man da ein Problem hat, Leute zu enttäuschen, dann kann es sein, dass du über dein gesundes Energielevel drüber gehst und auf einmal merkst: ,Mit der Einstellung, die ich hab, wird das ganz schön anstrengend. Da halte ich das keine zehn Jahre durch.‘

Früher wurde Max gemobbt

Als Schüler sei Max Giesinger regelmäßig gemobbt worden. Auch deshalb habe er heute das Gefühl, stets alle unterhalten zu müssen – vor allem natürlich auf der Bühne.

Ich konnte es mir nicht verzeihen, wenn ich mal keinen guten Tag hatte und dann hoch musste.

verrät Max. Er habe sich regelmäßig zu Höchstleistungen angetrieben,

weil dann vielleicht wirklich die Angst da mitschwebt. Wenn man es nicht geil macht, wird man vielleicht wieder gemobbt. Was natürlich Quatsch ist.

Im letzten Jahr habe Max Giesinger sein Leben nun endlich umgekrempelt. Er habe sich von Social Media-Plattformen etwas distanziert, verbringe mehr Zeit mit der Natur und vor allem mit sich und seinen Gedanken. Herausgekommen sei viel neue Musik. Die neue Lebensfreude drückt Max Giesinger nun tanzend im Musikvideo zur Single „Irgendwann ist jetzt“ aus.

Tanzen wie Helene Fischer

Für die gekonnten Bewegungen hat er sich professionelle Hilfe geholt.

Ich habe vor dreieinhalb Jahren bei der Helene Fischer Show die Choreografin von Helene Fischer kennengelernt.

verrät Max. Die habe er nun für sein Video kontaktiert.

Und dann habe ich da zwei Tage Training gehabt – den ersten Tag vier Stunden und den zweiten acht. Und ich war so was von mega am Arsch. Dass ich überhaupt noch zum Videodreh ein Bein hochbekommen hab, war ein Weltwunder.

Schließlich konnte er sich doch noch genug bewegen, auch wenn er anfangs sehr skeptisch gegenüber seiner Leistung war.

Es hat sich total hampelmannmäßig angefühlt. Ich dachte: ,Das wird so affig!‘ Und dann habe ich mir das Video angeguckt und dachte: ,Krass! Das ist ja ganz geil!‘

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 01. März 2021 | 18:00 Uhr

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