Update: Gibt es im Fall Maddie eine Verbindung nach Mitteldeutschland?

Bis heute ist ihr Schicksal unklar: Vor 13 Jahren verschwand ein kleines britisches Mädchen in Portugal. Nun gibt es neue Hinweise, mit denen der Fall Madeleine McCann - kurz Maddie – vielleicht doch noch geklärt werden kann.

Blumen stehen 2007 vor einem Bild der verschwundenen Madeleine McCann.
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Die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord gibt am 08.05.2015 ein Foto der seit 02.05.2015 vermissten fünfjährigen Inga heraus.
Die seit Anfang Mai 2015 vermisste Inga. Bildrechte: Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord/dpa

Die „Magdeburger Volksstimme" berichtet nun, dass der Verdächtige im Fall Maddie schon im Fokus der Polizei stand, als es um das Verschwinden der kleinen Inga im Jahr 2015 ging. Denn der Verdächtige hat ein Grundstück in der Börde in Sachsen-Anhalt. Nicht sehr weit entfernt von dem Ort, wo die dreijährige Inga bei einem Familienausflug verschwand. Im Jahr 2016 wurde sogar das Grundstück des Verdächtigen durchsucht. Dort wurde Kinderpornografie gefunden, aber die Spur wurde von der Polizei nicht weiter verfolgt. Die Polizei stellte damals keinen Zusammenhang zum Verschwinden von Inga her. Außerdem hatte der Verdächtige einen Tag vor dem Verschwinden von Inga einen Parkplatzunfall auf einem Rastplatz nicht weit von dem Ort, wo Inga verschwunden ist.

Der Fall Maddie

Eigentlich ist es komisch. Da spricht man von jemand mit seinem Kosenamen, obwohl man diese Person gar nicht kennt - und obwohl dieser Name eigentlich nur der Familie oder engen Freunden vorbehalten sein sollte. Doch genau das tun wir alle bei Madeleine Beth McCann, die fast immer nur Maddie genannt wird. Das hat wohl damit zu tun, dass in den vergangenen 13 Jahren so viel über den Fall des verschwundenen britischen Mädchens berichtet wurde, dass uns die Kleine fast vertraut erscheint. Das ständige Auftauchen in den Medien schafft Nähe.

Menschen laufen 2017 an einem Appartmentkomplex in Praia da Luz vorbei
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Der Fall war und ist spektakulär: Da verschwindet am 3. Mai 2007 eine Dreijährige aus einer Ferienanlage in Portugal, da werden zwischenzeitlich gar die Eltern verdächtigt, da beißt sich die Polizei scheinbar die Zähne aus bei den jahrelangen Ermittlungen – und dann passiert lange nichts. Doch jetzt gibt es im Fall Maddie offenbar eine neue Entwicklung: Das Bundeskriminalamt ermittelt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-Jährigen Deutschen. Auch Fahnder in Großbritannien und Portugal sind beteiligt.

Dass ausgerechnet die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit den Ermittlungen befasst ist, hat damit zu tun, dass der Beschuldigte in dieser Region lebte, bevor er ins Ausland ging. Der Mann ist ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter. Er ist unter anderem auch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Im Moment sitzt er wegen eines anderen Deliktes in Haft.

Vieles deutet darauf hin, dass der Verdächtigte identisch ist mit dem Mann, der sich Ende 2019 wegen der Vergewaltigung einer Amerikanerin in Praia da Luz vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten musste.

Braunschweiger Zeitung

In Praia da Luz liegt auch die Appartementanlage, in der Maddie und ihre Eltern wohnten. Der Fall, in dem der Angeklagte zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, die noch nicht rechtskräftigt ist, ereignete sich vor dem Verschwinden des Kindes. Opfer war eine 72-Jährige Frau.

Das BKA schreibt, der Mann, gegen den nun im Fall Maddie ermittelt wird, habe zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt, „unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz”. In dieser Zeit habe er sein Geld mit Gelegenheitsjobs verdient, zum Beispiel in der Gastronomie. Außerdem sei er wohl in Hotelanlagen und Ferienwohnungen eingebrochen und habe mit Drogen gehandelt.

Um den Mann überführen zu können, hoffen die Ermittler auf die Hilfe der Öffentlichkeit. Sie haben eine Belohnung von 10.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgesetzt. Wichtige Fragen sind nämlich noch offen:

Caravan vom Typ VW T3 Westfalia
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  • Wo war der Verdächtige am Tatabend, also am 3. Mai 2007, zwischen 21:10 Uhr und 22:00? 
  • Was hat es mit dem dunkelfarbenen Jaguar XJR 6 und dem weiß-gelben VW-Bus vom Typ T3 Westfalia auf sich, die der Mann zur Tatzeit genutzt hat? Die Ermittler sagen, es gebe Hinweise vor, „wonach er eines dieser Fahrzeuge zur Begehung der Tat genutzt haben könnte“. Nach britischen Medienberichten lebte der Mann zur Tatzeit in dem VW-Bus, der Jaguar wiederum sei am Tag nach Maddies Verschwinden von seinem Namen auf jemand anders umgeschrieben worden.
  • Mit dem hat der Mann im fraglichen Tatzeitraum telefoniert? Die Ermittler wissen, dass es eine portugiesische Mobilfunknummer war (351 916 510 683). Ihnen ist aber nicht bekannt, wem die Nummer gehört, nur dass diese Person während des Telefonats nicht in der Gegend an der Algarve war, der Verdächtige aber sehr wohl. Das zeigen die Verbindungsdaten.

Einige Leute werden den Mann, den wir heute beschreiben, kennen... Sie kennen vielleicht einige der Dinge, die er getan hat. Es sind mehr als 13 Jahre vergangen, und Ihre Loyalitäten haben sich vielleicht geändert", so Cranwell. "Jetzt ist es an der Zeit, sich zu melden.

Mark Cranwell von der Metropolitan Police in Großbritannien in Richtung möglicher Zeugen

Vielleicht habe der Verdächtige gar jemandem das Verschwinden von Madeleine anvertraut.

Maddies Eltern Gerry und Kate McCann haben der Polizei jedenfalls schon einmal für ihre neuen Ermittlungen gedankt.

Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden.

Kate und Gerry McCann zeigen 2007 während einer Pressekonferenz ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine.
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Maddies Mutter arbeitet heute für Organisation, die Angehörigen von Vermissten hilft. Ihr Vater erforscht Herzkrankheiten an der Universität Leicester. Das Zimmer der vermissten Tochter im Haus der Eltern ist bis heute unangetastet. Die McCanns kaufen jedes Jahr Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke für Maddie.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 04. Juni 2020 | 14:00 Uhr

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