Was spricht für oder gegen ein generelles Rauchverbot?

Zuletzt aktualisiert: 18.02.2020 | 16:02 Uhr

In Schleswig-Holstein wird Rauchen auf Kinderspielplätzen verboten, manche Nahverkehrsbetriebe denken darüber nach, das Rauchen an den Haltestellen zu verbieten. Ein Kieler Lungenarzt fordert jetzt ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit. Was spricht dafür? Und was dagegen?

Der Kinder-Lungenarzt Prof. Matthias Kopp vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat sich für ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit ausgesprochen.

Das Rauchen gehört aus meiner Sicht in allen Bereichen verboten, die öffentlich zugänglich sind.

Das sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dazu zählten nicht nur Spielplätze, sondern auch die Strände an Nord- und Ostsee und Seen. Der Mediziner ist auch für ein Rauchverbot im Auto, weil die Konzentration der Schadstoffe auf engem Raum noch höher ausfalle. Insbesondere für kleine Kinder ist Passivrauchen gefährlich.

Wir wissen, dass Kinder durch Passivrauchen häufiger unter immer wieder kehrender Bronchitis leiden und dass sie ein deutlich höheres Risiko haben, Asthma zu entwickeln.

Gesundheitliches Risiko für Kinder

Selbst wenn Raucher für die Zigarette auf den Balkon gingen, übertrügen sich Schadstoffe in Rauchrückständen über die Kleidung, sagte Kopp. "Wenn Kinder dem immer wieder ausgesetzt sind, führt dies zu höheren Risiken für unterschiedliche Erkrankungen." Vor allem die Lunge von Kindern sei sehr empfindlich. Beispielsweise könne Passivrauchen die Lungenentwicklung hemmen und damit die Lungenfunktion einschränken, sagte der Forscher.

Jemand, der bis 21 Jahren nicht sein maximales Lungenvolumen erreicht, wird im Alter sehr viel früher Probleme mit den Atemwegen bekommen.

Durchsetzung von Kinderrechten

Auch das Deutsche Kinderhilfswerk spricht sich für ein generelles Rauchverbot aus. Nina Ohlmeier sagte im MDR JUMP-Interview:

In der UN-Kinderrechtskonvention heißt es, dass Kinder das Recht auf das maximal erreichbare Höchstmaß an Gesundheit haben. Diese Rechte muss der Staat auch verwirklichen.

Im Bett spielen macht mehr Spaß als aufräumen....
Für die Entwicklung von Kindern ist eine rauchfreie Umgebung wichtig. Bildrechte: Imago

Außerdem sei eine rauchfreie Umgebung wichtig für die Entwicklung von Kindern. Besonders auf Spielplätzen und in Autos sei deshalb ein Rauchverbot wichtig. Im öffentlichen Raum hätten Erwachsene zudem eine Vorbildfunktion für die Kinder.

Hilfe statt Verbote

Ralf Derra ist Nichtrauchercoach aus Halle. Er ist gegen ein generelles Rauchverbot. Vor allem, weil er sich diese Fragen stellt:

Wie wird das durchgesetzt? Wer kontrolliert das und wie soll es denn sanktioniert werden?

Für wesentlich sinnvoller hält Derra ein generelles Werbeverbot für Tabak, schon allein weil das leichter zu kontrollieren sei, und Anreize und Angebote zum Aufhören viel wichtiger. Die würden den Raucher nicht mit seiner Sucht konfrontieren, sondern Hilfe bieten.

In Autos oder an öffentlichen Plätzen seien Rauchverbote aber durchaus sinnvoll.

Mit Material von dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 18. Februar 2020 | 19:40 Uhr

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