Passt zum Corona-Jahr: "Lost" zum "Jugendwort des Jahres 2020" gewählt

Das Wort erhielt bei einem Online-Voting fast die Hälfte der Stimmen. Auf den weiteren Plätzen landeten "cringe" und "wild/wyld".

Mädchen zeigt mit Körperhaltung an: "Keine Ahnung" (Symbolfoto)
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Über Monate Schule zu Hause, Millionen arbeiten im Homeoffice, andere können gar nicht arbeiten, Reisen ist oft ein Glücksspiel: 2020 hat sich für viele Menschen ganz viel geändert. Ein Ritual bleibt aber gleich: Der Münchner Langenscheidt-Verlag ruft erst auf, Vorschläge für das "Jugendwort des Jahres" einzureichen und lässt dann darüber abstimmen. Am Ende wundern sich vor allem viele Ältere, was denn genau dieses "Babo", "YOLO" oder "Swag" ist. Das waren in früheren Jahren die Jugendwort-Gewinner.

Ich. Bin. Lost.

Im Corona-Pandemie-Jahr 2020 wurde immerhin ein "Jugendwort des Jahres" gewählt, dass stellvertretend für das ganze Jahr stehen könnte: Lost. Das kommt aus dem Englischen (steht für: "verloren") und bezeichnet in der Jugendsprache jemanden, der ahnungslos, unsicher oder unentschlossen ist. In vielen Situationen in diesem Jahr passt "Lost" einfach perfekt. Etwa beim Chaos um die Beherbergungsverbote:

Können wir jetzt an die Ostsee fahren oder nicht? Bin lost.

"Digitales Lernen" von zu Hause in den Lockdown-Monaten nutzten einige Schüler, um komplett abzutauchen:

Der XY hat beim Homeschooling null gemacht. Der ist jetzt so lost.

Zu Hause tapfer für die Abschlussprüfungen lernen. Das machten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zehntausende Schüler und waren danach erstmal ratlos, wie es weitergeht:

Was mach ich, wenn die Schule vorbei ist? Praktikum, Auslandsjahr – geht alles nicht. Bin lost.

Also schlicht genauso hier:

Auch das ist 2020 anders als in den Jahren davor: In denen hatte der Verlag Langenscheidt eine Jury über das "Jugendwort des Jahres" entscheiden lassen. 2020 konnten erstmals Jugendliche das Wort nun selbst durch das neue Online-Voting bestimmen. Auf den weiteren Plätzen landeten dabei "Cringe" (beschreibt Peinliches oder Unangenehmes) und "wild/wyld". Das soll für etwas Krasses oder Heftiges genutzt werden.

Werbung für ein Buch

Der Münchner Verlag wirbt mit der Wahl für sein Lexikon "100 Prozent Jugendsprache". Die Ausgabe für 2020 wurde Anfang Oktober veröffentlicht. Unter den Jugendwörtern oder Vorschlägen der letzten Jahre waren beispielsweise "Babo", "Yolo", "hartzen" oder auch "Läuft bei dir". Die haben es zum Teil auch in die Alltagssprache geschafft. Laut Verlag soll die Abstimmung über das Jugendwort kein Hinweis darauf sein, dass Ältere junge Menschen gar nicht mehr verstehen. Stattdessen wolle man zeigen, mit wie viel Kreativität und Spaß junge Menschen mit Sprache umgehen. Bei vielen Vorschlägen aus anderen Jahren wie "lindnern" (etwas lieber gar nicht machen, statt es schlecht machen) oder "breiern" (brechen und weiterfeiern) muss man tatsächlich erstmal ein ganzes Stück um die Ecke denken, bevor man auf ihre wirkliche Bedeutung kommt.

Mit Material von KNA.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Oktober 2020 | 11:45 Uhr

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