Ein Bräutigam streift bei der Trauung seiner Braut den Ehering über den Finger.
Bildrechte: dpa

Lohnt sich eine Hochzeit finanziell?

24.05.2019 | 12:56 Uhr

Nur die Liebe zählt, aber wenn es ums Heiraten geht, dann spielt Geld durchaus auch eine Rolle. Heiraten soll sich finanziell nämlich durchaus lohnen, aber stimmt das auch?

Ein Bräutigam streift bei der Trauung seiner Braut den Ehering über den Finger.
Bildrechte: dpa

Es ist (bei den meisten jedenfalls) der schönste Tag ihres Lebens: die Hochzeit. Ans Geld mag da keiner so recht denken. Weder beim Antrag, noch beim Ja-Wort selbst. Aber das lohnt sich durchaus, erklärt MDR JUMP Rechtsexperte Thomas Kinschewski. Er sagt, mit einer Hochzeit könne man bares Geld sparen.

Der Gesetzgeber bevorzugt - ganz konservativ - Ehen finanziell.

Zum einen tut er das durch das Ehegattensplitting. Das lohnt sich vor allem dann, wenn einer wesentlich mehr als sein Partner verdient. Das Einkommen wird dann rechnerisch so verteilt, dass der, der mehr verdient bestenfalls weniger Steuern zahlen muss. Für manche Beamten und Angestellte gibt es außerdem Verheiratetenzuschläge, erklärt Kinschewski weiter.

Da gibt es einfach mehr Geld dafür, dass man den Ring am Finger trägt.

All die finanziellen Vorteile einer Ehe können aber schnell vergessen sein, wenn es dann doch nicht funktioniert und die Scheidung ins Haus steht. Die kann ganz schön teuer werden, muss aber nicht. Die eigentliche Scheidung, also das was vor Gericht passiert, sei gar nicht so teuer, meint Kinschewski:

Gerichtskosten bemessen sich nach dem Streitwert. Bei einer Ehe wird der berechnet, indem man das dreifache Nettoeinkommen der Ehegatten zusammenrechnet, ein bisschen was für die Rente hinzuaddiert und für Kinder was abzieht. Das ergibt nicht so viel.

Teuer wird es vor allem dann, wenn Vermögen vorhanden ist, um das gestritten wird, also Immobilien, Autos oder ähnliches. Muss das "auseinandergesetzt" oder einer der Gatten ausbezahlt werden, dann steigen automatisch auch die Anwaltskosten, erzählt Thomas Kinschewski. Das bemesse sich dann nämlich am Wert der Immobilie oder des Autos.

In solchen Fällen lohnt sich dann vielleicht ein Ehevertrag:

Eheverträge sind unbedingt zu empfehlen, wenn es was zu verlieren gibt, im Falle einer Scheidung.

Bei normalen Doppelverdiener-Haushalten, in denen einer nicht wesentlich mehr als der andere verdient, lohnen sich solche Verträge nicht wirklich, meint Thomas Kinschewski. Wenn aber einer der Partner tatsächlich großes Vermögen mit in die Ehe bringt, oder währenddessen anhäuft und der (Ex-)Partner nicht daran teilhaben soll, dann gehe das nur über einen Ehevertrag. Vereinbart man nichts, gilt der sogenannte Zugewinnausgleich.

Die Formel dafür ist simpel: Die Hälfte der Vermögensdifferenz zwischen beiden Gatten ist von dem Reicheren an den Ärmeren in Geld auszuzahlen.

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Unser Experte Thomas Kinschewski ist Rechtsanwalt und stellt bei uns auch jede Woche die interessantesten Gerichtsurteile in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 24. Mai 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 13:32 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP