Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann.
Die Verdienstmöglichkeiten in sogenannten Frauenberufen sind in allen Teilen des Landes relativ ähnlich. In wirtschaftlich schwachen Regionen gehören Frauen dann zu den besser Verdienenden. Bildrechte: Colourbox.de

Lohnlücke Im Osten verdienen Frauen oft besser als Männer

Es gibt eine Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Neudeutsch heißt sie Gender-Pay-Gap und meist wird damit beschrieben, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Außer im Osten: Da ist es eher umgekehrt. Nach einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gibt es dafür auch Gründe.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann.
Die Verdienstmöglichkeiten in sogenannten Frauenberufen sind in allen Teilen des Landes relativ ähnlich. In wirtschaftlich schwachen Regionen gehören Frauen dann zu den besser Verdienenden. Bildrechte: Colourbox.de

Überall da, wo es zwar noch öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen gibt, aber kaum Industrie und wenig starke Wirtschaftsunternehmen, da verdienen Frauen mehr als Männer. Im Osten ist diese Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern in Cottbus mit 17 Prozent besonders groß, erklärt Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Halle: "Cottbus steht für einige Regionen in Ostdeutschland." Wenn man sich Dessau-Roßlau anschaue, Schwerin oder Frankfurt/Oder, sehe es da so ähnlich aus wie in Cottbus. Auch da verdienten die Frauen deutlich mehr als die Männer.

Pendler verfälschen den Eindruck

Allerdings haben die Wissenschaftler des Instituts lediglich die Vollzeitbeschäftigungen in den Blick genommen – und die sind bei Frauen in Ostdeutschland weiter verbreitet als im Westen.

Auch die Pendler spielen kaum eine Rolle. Dass also in Mitteldeutschland Ingenieure in den Westen pendeln, um bei den großen Unternehmen Geld zu verdienen, wohingegen die Ehefrau in der heimischen Verwaltung arbeitet. Berechnet haben die Statistiker den Lohn am Ort. Und da stehen Frauen dann am Ende auch im Osten gar nicht überall besser da als die Männer, erklärt Michaela Fuchs.

"In Leipzig verdienen die Männer ungefähr fünf Prozent mehr als die Frauen. Das gilt ungefähr auch so für Chemnitz oder für Dresden." Auffällig sei es auch für den Süden von Thüringen. "Thüringen ist ja auch recht industrialisiert, da verdienen die Männer auch mehr als die Frauen."

Wirtschaftsschwache Regionen schlecht für Männer?

Und auch dies legt den Schluss nahe: Klafft die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern zugunsten der Frauen auseinander, bedeutet dies, die Wirtschaft ist schwach, der öffentliche Sektor hingegen nicht.

Männer haben womöglich also unter der Wirtschaftsschwäche einer Region zu leiden. Arbeiten sie hingegen beispielsweise in Ingolstadt, Wolfsburg oder Stuttgart, dann können sie richtig viel Geld verdienen.

Frauen schließen langsam auf

Für Frauen in ihren Berufen sind die Verdienstmöglichkeiten dagegen im ganzen Land ähnlich und liegen eher im unteren bis mittleren Bereich. Man denke nur an die traditionellen Frauenberufe in Verkauf, Kindererziehung und Pflege.

Allerdings kommt da etwas in Bewegung, sagt Michaela Fuchs: "Wenn man sich die Entgeltentwicklung in Altenpflegeberufen gerade in Sachsen-Anhalt und Thüringen anschaut, sieht man schon, dass da Lohnsteigerungen da sind." Dies sei vor dem Hintergrund des demografischen Wandels aber auch notwendig.

In ganz Deutschland zusammengerechnet beträgt die Lohnlücke übrigens bei Vollzeitbeschäftigung zwischen den Geschlechtern immer noch 14,2 Prozent zugunsten der Männer.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2018 | 13:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2018, 19:29 Uhr

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