"Light"-Produkte: Schaden künstliche Süßstoffe dem Darm?

Cola Zero, kalorienarme Kekse oder "leichte" Wurst. "Light"-Produkte sind beliebt. Doch es gibt eine lebhafte Diskussion, ob künstliche Zucker dem Darm schaden.

Soft Drinks in einem Getränkekühlschrank
Bildrechte: IMAGO / Hoch Zwei Stock/Angerer

Die Diskussion um künstliche Süßstoffe und wie sie sich auf die Darmflora auswirken, ist groß. So hat eine Studie ergeben, dass Sucralose und Stevia die Mikroflora im Darm möglicherweise verändern können. Außerdem zeigen erste Laborstudien im Reagenzglas, dass Aspartam und Saccharin einige Darmbakterien dazu bringen können, durch die Darmwand zu treten und bestimmte Organe zu befallen. Dies könnte laut den Forschenden zu einem Organversagen führen.

Marco Spielau
Marco Spielau studierte an der Universität Halle Ernährungswissenschaften. Bildrechte: Marco Spielau

Doch diese Studien sind erst mal kein Grund zur Sorge, erklärt Marco Spielau, Ernährungswissenschaftler aus Halle. Die Studien könnten oft nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. In besagten Studien seien die Süßstoffe so hoch dosiert worden, dass es der Realität in der Ernährung nicht entspreche. Spielau kommt zu dem Schluss, dass Süßstoffe grundlegend genutzt werden können, im Alltag jedoch nur in Maßen.

Das Problem mit "Light"-Produkten

Birgit Brendel
Birgit Brendel ist zuständig für Verbraucherinformation im Bereich Lebensmittel und Ernährung. Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen

"Light-Produkte sind in aller Regel hochverarbeitet, damit sie so aussehen und schmecken wie die Ursprungsprodukte", erklärt Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Dabei würden verschiedenste Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker oder Verdickungsmittel und Süßungsmittel eingesetzt werden. "Viele dieser Lebensmittel sättigen nicht anhaltend, sodass man ggf. mehr isst und die Übersicht über die tatsächliche aufgenommene Energiemenge verliert." Ungünstige Essgewohnheiten ändere man dadurch nicht unbedingt.

"Außerdem heben Süßstoffe die Süßschwelle im Mund an" ergänzt Spielau. Das bedeute, dass der Mensch sich an den süßen Geschmack gewöhne und daraufhin eine höhere Menge an Zucker oder Süßungsmitteln benötige, um den gleichen Süßgeschmack zu empfinden. Das soll jedoch vermieden werden. Die erhöhte Süßschwelle könne aber auch wieder rückgängig gemacht werden: Wird zehn bis 14 Tage auf Süße verzichtet, sei die Süßwahrnehmung wieder deutlich intensiver.

So kann man im Alltag trotzdem Kalorien sparen

Um Kalorien zu sparen, sollten im Alltag vor allem naturbelassene Lebensmittel gegessen werden. Hochverarbeitete Lebensmittel haben eine höhere Energiedichte, also auf 100 g mehr Kalorien als unverarbeitete Lebensmittel.

Wenn es um Süße geht, können Süßstoffe helfen, Kalorien zu sparen. Denn in einem fertigen Fruchtjoghurtbecher (250g) aus dem Supermarkt verstecken sich bereits bis zu 12 Stück Würfelzucker. Mache ich mir den Joghurt selber aus Naturjoghurt und Früchten, vermeide ich diese Zuckermenge. Da schaden dann bei Bedarf auch zwei Tropfen Süßstoff nicht.

Marco Spielau, Ernährungswissenschaftler aus Halle

Der Ernährungswissenschaftler rät außerdem, Zwischenmahlzeiten zu vermeiden und sich als erwachsener Mensch auf die drei Hauptmahlzeiten am Tag zu beschränken. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt: Selten und nur kleine Mengen naschen. Außerdem rät Brendel, zu energiefreien Getränken wie Wasser und ungesüßten Tees zu greifen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 13. Mai 2022 | 15:37 Uhr

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