Liebe wird aus Freundschaft gemacht

Vergesst mal schnell das mit der Liebe auf den ersten Blick! Denn das passiert viel seltener als man glaubt. Das haben Forscher jetzt herausgefunden. Viel öfter werden Freunde zu Liebhabern.

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Parship und ElitePartner, Tinder, Bumble, Lovoo und OkCupid – wer einen Partner sucht, tut das heutzutage normalerweise im Netz. Und das Angebot ist groß. Doch vielleicht ist das gar keine so gute Strategie. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die kanadische Forscher um die Psychologin Danu Anthony Stinson von der Universität von Victoria gerade im Fachmagazin „Social Psychological and Personality Science“ veröffentlicht haben.

Sie hatten knapp 2.000 Paare näher unter die Lupe genommen und dabei festgestellt: Rund zwei Drittel der Paare waren zunächst nur befreundet gewesen – und erst später wurde mehr daraus. Und zwar ohne, dass es die Partner vorher darauf angelegt haben. Jedenfalls berichteten sie das so, man kann den Leuten natürlich nicht in den Kopf schauen. Jedenfalls habe es ein bis zwei Jahre gedauert, bis aus der Freundschaft eine Liebesbeziehung wurde.

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Die Realität hat mit Hollywood wenig zu tun

Will sagen: Wer auf Partnersuche ist, sollte vielleicht in Zukunft eher erwägen, seine Freunde zu daten. Denn mit der Liebe auf den ersten Blick scheint es in der Realität – im Gegensatz zu romantischen Hollywood-Komödien – in echt gar nicht so weit her zu sein. Die aktuellen Ergebnisse legten nahe, so die Forscher, dass die Grenze zwischen Freundschaft und Romantik verschwommen sei. Es gelte die eigenen Annahmen darüber zu überdenken, was eine gute Freundschaft ausmacht – und was eine gute romantische Beziehung.

Es gibt eine Menge Leute, die sich sehr sicher fühlen würden, wenn sie sagen, wir wüssten, warum und wie Menschen Partner wählen und ein Paar werden und sich verlieben. Aber unsere Forschung legt nahe, dass das nicht der Fall ist.

Wir haben vielleicht ein gutes Verständnis davon, wie sich Fremde zueinander hingezogen fühlen und anfangen, sich zu verabreden, aber das ist einfach nicht die Art und Weise, wie die meisten Beziehungen beginnen.

Das Interessante: Die Forscher fanden heraus, dass es kaum Unterschiede zwischen Geschlechtern, Bildungsniveaus oder ethnischen Gruppen gab. Besonders hoch war die Rate von Erst-Freundschaft-dann-Liebe-Paaren übrigens bei 20- bis 30-Jährigen und unter LGBTQ+ Menschen. Hier lag der Wert jeweils bei etwa 85 Prozent. Die Forscher verweisen aber auch darauf, dass insbesondere diese Zahl aber im Detail mit Vorsicht zu interpretieren ist, weil es sich nur um vergleichsweise kleine Untergruppen handelt.

In einer früheren Studie hatten Philipp Hergovich von der Universität in Wien und Josue Ortega von der Queen's University in Belfast herausgefunden, dass gut 24 Prozent aller stabilen Beziehungen inzwischen online zustande kommen. Am Arbeitsplatz oder in der Schule fanden sich 17 Prozent der Paare. Die meisten aber (33 Prozent) lernten sich über Freunde kennen – vielleicht, und das ist die mögliche Verbindung, sind sie ja auch selbst schon welche gewesen.

Wochenserie "Liebe und Triebe"
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Denn: Liebe wird, wie Nena das damals sang, offenbar nicht nur aus Mut gemacht - sondern vor allem aus Freundschaft.

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