Modellversuch: Tempo 30 in Leipzig - Vorbild für Mitteldeutschland?

In Leipzig hat der Stadtrat beschlossen, die Folgen einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung im Stadtgebiet zu untersuchen. Die Idee ist umstritten und auch andere Städte haben bereits ähnliches versucht.

Tempo 30
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Die Stadt Leipzig will in einem Modellversuch erproben, was ein flächendeckendes Tempolimit auf 30 km/h im ganzen Stadtgebiet bringt. Das hat in dieser Woche der Leipziger Stadtrat mit einer Mehrheit von SPD, Linken und Grünen beschlossen.

Die Grünen führen für ihren Vorschlag an, dass sich mehr als zwei Drittel der Leipziger im Straßenverkehr nicht sicher fühlen. Die SPD verweist darauf, dass einmal aufgestellte Straßenverkehrsregeln oft veraltet sind und selten überprüft würden. Für die Linke geht es auch um Lärmschutz. An den Hauptstraßen würden eher einkommensschwache Menschen wohnen, die sich ruhigere Gegenden nicht leisten könnten. Sie sollen von weniger Verkehrslärm profitieren.

Allerdings gab es auch Gegenwind für den Vorschlag. Die AfD hält ihn für "autofeindlich". Die CDU befürchtet dagegen, dass durch Tempo 30 auf den Straßen auch der ÖPNV ausgebremst werden könnte. In Leipzig sind auch Busse und Trams auf den Straßen unterwegs. Außerdem befürchtet die CDU, dass Autofahrer ihre Wege durch Wohngebiete abkürzen, wenn überall Tempo 30 herrscht.

Göttingen und Freiburg ausgebremst

Ähnliche Modellversuche sollte es bereits in anderen Städten geben. In Göttingen wurde das vorhaben allerdings von der Landesregierung zusammengestutzt. Dort ist nur noch auf einer Hauptstraße das Tempolimit auf 30 herabgesetzt.

Ganz im Süden, in Freiburg im Breisgau hatte man sogar den ADAC davon überzeugen können, beim Modellversuch mitzuziehen. Dort machte allerdings das Bundesverkehrsministerium einen Strich durch die Rechnung: Flächendeckend Tempo 30 führe zu Schleichverkehr und wirke sich negativ auf den Verkehrsfluss aus. Stattdessen solle es mehr grüne Wellen geben und der Verkehr beschleunigt werden.

Untersuchungen bestätigen positiven Effekt

Den vorliegenden Begleituntersuchungen zufolge, gibt es in den meisten Fällen Gewinne bei Verkehrssicherheit, Lärm- und Luftschadstoffminderung und bei den Aufenthaltsqualitäten - gleichzeitig wird die Auto-Mobilität nicht übermäßig eingeschränkt.

Und die größte Angst, dass man langsamer sei, konnte die Untersuchung aushebeln: Eine langsamere Höchstgeschwindigkeit könne zur besseren Nutzung von grünen Wellen führen, somit sei man im Endeffekt fast genauso schnell am Ziel.

Eine langsamere aber dafür konstante Geschwindigkeit führe außerdem zu einer positiveren Qualitätswahrnehmung bei Autofahrenden, heißt es in der Untersuchung. Im Klartext: Tempo 30 und mehr grüne Wellen gefällt Autofahrern besser als Tempo 50 und Stop and Go.

Ob das auch in Leipzig der Fall sein wird, ist noch offen. Der Modellversuch muss erst vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden. Dafür muss die Stadtverwaltung einen Vorschlag erarbeiten, in welchem abgegrenzten Stadtgebiet die Höchstgeschwindigkeit auf 30 runtergesetzt werden soll. Das soll bis Ende des Jahres geschehen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 25. März 2021 | 20:00 Uhr

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