Unsterblichkeit schon 2045 möglich?

Ist das Altern nicht mehr als eine Krankheit, die geheilt werden kann? Manche Forscher glauben das. Stehen wir vor eine Ära des ewigen Lebens?

Glückliches Ehepaar, das Zeit in der Natur genießt
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Kennen Sie „Betteridges Schlagzeilengesetz“? Nein? Das macht nichts. Aber mit dieser Regel muss dieser Text wohl leider anfangen. Der Technikjournalist Ian Betteridge hat sie 2009 aufgestellt, obwohl das Phänomen eigentlich schon lange vorher bekannt war. Das Schlagzeilengesetz geht so: „Jede Überschrift, die mit einem Fragezeichen endet, kann mit dem Wort nein beantwortet werden.“

Wendet man dieses Gesetz nun auf diesen Text an, kannst du im Prinzip gleich aufhören zu lesen. Denn die Chancen sind tatsächlich nicht gerade klein, dass es Forscher bis zum Jahr 2045 nicht geschafft haben, irgendwen oder irgendwas unsterblich zu machen. Und trotzdem solltest du an dieser Stelle dranbleiben, glaube uns, denn der Wissenschaft sind in jüngster Vergangenheit durchaus interessante Durchbrüche gelungen, die das Ziel zumindest nicht völlig absurd erscheinen lassen.

Der erste Mensch, der 1000 Jahre alt wird, wurde bereits geboren“, erklärt zum Beispiel der britische Bioinformatiker und Alterungsforscher Aubrey de Grey. Und er sagt auch: „Man ist sich einig, dass wir Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer heilen müssen. Was ist der Unterschied zwischen Altern an sich und diesen Krankheiten? Es gibt keinen! Der Unterschied ist nicht biologisch, sondern rein sprachlich.“

Sieben Forschungsbereiche identifiziert

De Grey geht nach eigenem Bekunden davon aus, dass Behandlungen, die Altersschäden reparieren, in den nächsten 15 bis 20 Jahren einsatzbereit sind. „Sie werden uns nicht 1000 werden lassen, aber ein 20 oder 30 Jahre längeres Leben ermöglichen. Wir kaufen uns Zeit.“ 30 Jahre später würden die Behandelten dann zwar gealtert sein, weil sich bestimmte körperliche Schäden nicht aufhalten lassen. „Dann wird es neue Medikamente geben, mit denen wir uns wieder verjüngen können. Und so weiter – wir werden dem Problem immer einen Schritt voraus sein.“

De Grey will dem Problem des Alterns konkret in sieben Bereichen und Prozessen des menschlichen Körpers zu Leibe rücken. Dafür hat er zusammen mit Kollegen die Sens Research Foundation gegründet, die sich vor allem um Forschungsförderung in dem Bereich kümmern soll. Konkret im Blick hat er dabei unter anderem unerwünschte Mutationen im Erbgut, die zu Krebs führen können, Proteine, die von unseren Zellen nicht richtig „verdaut“ werden oder solche, die sich außerhalb der Zellen angesammelt haben, etwa im Gehirn von Alzheimer-Patienten.

Genetischer Schalter für die Alterung gefunden

Zumindest in Tieren haben Forscher tatsächlich eine Art genetischen Schalter für die Alterung gefunden, der sich gewissermaßen aus und einschalten lässt. Doch klar ist auch: Es gibt nicht diesen einen Eingriff, etwa ins Erbgut, der für ein langes Leben sorgt. Dafür sind Lebewesen und die unzähligen in ihnen ablaufenden Prozesse viel zu komplex.

Doch Tech-Größen wie der bisherige Amazon-Chef Jeff Bezos und der Investor Peter Thiel finanzieren beispielsweise das Start-up Unity Biotechnology. Das soll Medikamente entwickeln, die alternde Zellen bekämpfen. Im vergangenen Jahr gab es dabei zwar einen Rückschlag bei den Tests, doch die Firma gibt sich weiter kämpferisch. In Deutschland arbeitet unter anderem das Unternehmen Velabs Therapeutics an diesem Ziel.

Einen anderen Ansatz verfolgen Projekte wie die russische Initiative „2045“. Hier geht es nach Angaben des Milliardärs Dmitry Itskov darum, das Bewusstsein in eine elektronische Form zu überführen – und diese ewig weiterleben zu lassen. Viel scheint da in den vergangenen Jahren allerdings nicht passiert zu sein. Auch ein EU-gefördertes Milliardenvorhaben, das menschliche Gehirn in einem Computer zu simulieren, ist nach euphorischen Ankündigungen zum Start – vorsichtig ausgedrückt - noch weit, weit von einem Erfolg entfernt.

Wir haben ein längeres Leben auch selbst in der Hand

Niemand weiß, ob Visionäre wie Aubrey de Grey am Ende tatsächlich Erfolg haben werden. Und vielleicht ist es ja auch ganz gut so. Philosophen fänden mit Sicherheit nur schwierig Antworten auf die Frage, ob ein ewiges Leben auch ein gutes Leben sein kann.

Einstweilen haben wir es aber selbst in der Hand, unser Leben zu verlängern. Neben Glück ist vor allem der Lebensstil entscheidend dafür, wie alt wir werden können. Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit mehr als 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat folgendes ergeben: Wer auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, dazu nur wenig rotes Fleisch und Wurst isst und auf ein normales Gewicht achtet, lebt bis zu 17 Jahre länger. Ganz ohne Zukunftsmedizin und Gentechnik geht das schon heute.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 11. April 2021 | 17:40 Uhr

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