Nach dem Kohleausstieg: Geht der Lausitz bald das Wasser aus?

Drei Sommer schon leidet die Lausitz stark unter der Trockenheit. Bald kommen noch weitere Probleme bei der Wasserversorgung dazu. Nach dem Kohleausstieg wird kein Wasser mehr aus den Tagebauen in die Spree gepumpt.

Im Spreewald: Paddler fahren mit ihren Booten über einen Seitenarm der Spree
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In den letzten drei Sommern war die Lausitz immer mal wieder in den Schlagzeilen: Die Trockenheit traf die Region in Sachsen und Brandenburg mit ihren sandigen Böden und den Tagebaulandschaften hart. Die Spree führte mehrmals dramatisch wenig Wasser, die Schwarze Elster trocknete im letzten Sommer stellenweise aus. Der Pegel in vielen Seen und Talsperren sank drastisch. Immer wieder wurden die Menschen in der Region aufgerufen, sparsam mit Wasser umzugehen. Das Ende des Kohlebergbaus könnte die angespannte Wassersituation in der Lausitz noch weiter verschärfen.

Kohleausstieg + Klimawandel + Auffüllen der Tagebaue = Eine Herausforderung

Mehr als 100 Jahre lang wurde beim Kohlebergbau in der Lausitz Wasser in die Spree gepumpt. Die Tagebau-Betreiber mussten das Grundwasser absenken, sonst wären ihnen die Gruben vollgelaufen. Laut der Landestalsperrenverwaltung für den Bereich Spree/Neiße gelangten so allein im letzten Sommer zehn bis zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde in das nördliche Einzugsgebiet der Spree, eingeleitet vom Energieunternehmen LEAG. Das half im vergleichsweise trockenen Sommer 2020 unter anderem, die Wasserversorgung für den Spreewald und die Metropole Berlin sicherzustellen.

Doch 2038 ist auch in der Lausitz endgültig Schluss mit dem Braunkohlebergbau. Spätestens dann fällt auch die Wassereinleitung durch den Bergbau weg. Der habe viele Jahre schon massive Folgen für das gesamte Ökosystem in der Lausitz gehabt und damit müsse man jetzt umgehen, sagte Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) am Freitag:

Wolfram Günther
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Das Ganze kommt zusammen mit den Klimawandelfolgen, die wir jetzt erleben. Also Wasserextreme und zunehmende Dürre. Wir brauchen aber stabile Wasserverhältnisse, weil wir sonst auch keine stabilen Bodenverhältnisse haben. Wir können sonst in dieser gesamten Strukturwandelregion nicht investieren.

Das Wasser der Spree wird nicht nur gebraucht, um Menschen, Wirtschaft und Natur mit Wasser zur versorgen. Auch die Bergbaufolgeseen sollen mit Wasser gefüllt werden. Darauf weist der Ingenieur Ingolf Arnold vom Verein Wasser Cluster Lausitz e.V. hin. Er sagte am Freitag im Interview mit radio eins (RBB):

Nach der Kohle wird die Spree sich wieder ihr natürliches Kleid anziehen. Und das ist ein ganzes Stück dünner als heute. Und deshalb muss man rechtzeitig beginnen, entsprechende Konzepte zu entwickeln.

Noch sei die Flusslandschaft der Spree stabil, aber man müsse rechtzeitig vorsorgen. Seit 1990 wurden schon sechs Milliarden Kubikmeter Wasser genutzt, um Tagebaue nach der Grundwasserabsenkung wieder aufzufüllen und Bergbaufolgeseen zu fluten. Weitere 5,5 Milliarden Kubikmeter Wasser werden nach den bisherigen Plänen unter anderem für das Fluten der weiteren Restlöcher benötigt, so das Umweltministerium Sachsen.

Wird der Kanal zur Elbe jemals gebaut?

Die möglichen Strategien für die Wasserversorgung in der Lausitz nach dem Kohleausstieg wurden am Freitag auf der ersten "Wasserkonferenz Lausitz Bergbau - Wasser – Klima" diskutiert. Dafür hatten die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg ( BTU ) und der Verein Wasser Cluster Lausitz e.V. 450 Fachleute und Politiker eingeladen. Darunter waren auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel, Berlins Umweltsenatorin Regine Günther und Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (alle Grüne).

Der Tagebau Welzow-Süd ist ein Braunkohletagebau in der südlichen Niederlausitz im Landkreis Spree-Neiße und wird von der Lausitz Energie Bergbau AG betrieben.
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Die Konferenz fand digital über einen Livestream und zum Teil in der Universität statt. Auf der Konferenz wurde auch über eine alte Idee diskutiert: Könnte man für die Wasserversorgung in der Lausitz nicht über Kanäle die Elbe anzapfen? Bereits jetzt wird aus Oder und Neiße Wasser für die Lausitz genutzt. Die Elbe-Kanal-Idee ist schon mehr als 90 Jahre alt. Mit der gebe es aber auch ein Problem, sagte Ingolf Arnold:

Ja, das ist ein interessanter Gedanke und den haben schon viele gehabt. Aber der Klimawandel, der Rückgang von Niederschlägen und die Erhöhung der Verdunstung macht auch vor den Flussgebieten von Elbe und Oder nicht halt.

Auch deshalb müsse man möglichst mit den eigenen Wasserressourcen auskommen. Dafür sollte das Wasser stärker als jetzt angestaut werden, sagte RBB-Reporter Florian Ludwig. Er war bei der Konferenz in Cottbus am Freitag dabei:

In der Lausitz in Sachsen und in Brandenburg müssten die Speicherkapazitäten verdoppelt werden. Etwa mit mehr Talsperren. Aber auch zukünftige Tagebauseen sollen als Speicher genutzt werden.

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther sieht hier auch die Kohleunternehmen und den Bund in der Pflicht. Das Wassermanagement in der Lausitz sei eine "Mammutaufgabe". Über Jahrzehnte müssten etliche Milliarden Euro eingesetzt werden, um die bergbaubedingten Eingriffe im Bereich von Oberflächen- und Grundwasser zu heilen. Das könnten die Länder allein gar nicht stemmen.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 12. März 2021 | 19:40 Uhr

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