Gegen laute Autos und Motorräder – Können Lärm-Blitzer helfen?

In der Sächsischen Schweiz protestieren die Anwohner, in Leipzig die Biker – zum Thema Motorrad und Lärm gibt es bei uns in der Region ganz verschiedene Ansichten. In Frankreich wird nun neue Technik gegen schwarze Schafe getestet.

Im Müglitztal in der Sächsischen Schweiz kennen sie das Problem. Wenn der Sommer kommt, kommen auch die Biker. 300 Maschinen sei „so der Durchschnitt“ an einem normalen Wochenendtag während der Saison, klagt Anwohnerin Bärbel Lehmann aus Mühlbach. „An Feiertagen eskaliert es richtig.“ Da kämen über 800 Maschinen. Lärm im Minutentakt sei die Folge.

Regelmäßig kontrolliert die Sächsische Polizei vor Ort, ob die Maschinen zu laut sind. Bei einer Überprüfung im Juli konnten die Beamtinnen und Beamten immerhin elf Maschinen herausziehen – bei insgesamt 115 kontrollierten Motorrädern. Doch solche Kontrollen sind natürlich immer Stichproben, mehr lässt die knappe Personalausstattung der Polizei auch gar nicht zu.

Aus Frankreich kommt jetzt aber eine Idee, wie das Problem womöglich zu lösen wäre: Konkret geht es um Lärm-Blitzer für laute Autos und Motorräder. Die werden nämlich gerade in unserem Nachbarland getestet. Und setzt sich die Technik durch, dann werden schon bald Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer geblitzt, obwohl sie das Tempolimit eingehalten haben – und zwar, wenn sie zu laut sind. Das Ziel ist es, so die Lärmbelästigung von Anwohnern vielbefahrener Straßen zu senken.

Unangenehme Frequenzen

Laut Ercan Altinsoy vom Lehrstuhl für Akustik an der TU Dresden werden Motorradgeräusche vor allem deshalb als besonders belästigend wahrgenommen, weil sie unangenehme Frequenzen enthalten. Konkret ist wohl das typische Rattern und Knattern das Problem. Rennmaschinen, die oft hochfrequente Anteile haben, seien in der Nähe besonders belästigend.

Die Lärmblitzer in Frankreich tragen den Namen „Méduse“, also Qualle. Und das liegt daran, dass sie eben ein bisschen so aussehen wie die nervigen Meeresbewohner. Wobei sie ja gegen nervige Landbewohner helfen sollen, aber das nur nebenbei. Jedes der Geräte verfügt über vier Mikrofone, die in verschiedene Richtungen zeigen, um den Schall nicht nur wahrzunehmen, sondern auch die Geräuschquelle genau orten zu können. Mehrmals pro Sekunde messe der Radar den Umfang und die Richtung, aus der der Lärm komme, so die Direktorin des Lärmschutzverbands Bruitparif, Fanny Mietlicki. „Parallel dazu perfektionieren wir gerade einen Prototypen des Lärm-Radars, der das Bestrafen von Fahrern ermöglichen soll, die mit ihren Motoren zu viel Lärm machen.“

Auch in Ausflugsregionen im Einsatz

Getestet wird die Technik wohl ab November in Paris und sieben weiteren Städten. Dabei ist geplant, dass auch beliebte Ausflugsregionen überwacht werden können. Dazu gehört zum Beispiel die „Straße der 17 Kurven“ bei Saint-Forget, die rund 50 Kilometer von Paris entfernt und bei Motorradfahrern sehr beliebt ist. Auch am Schluchtpass in den Vogesen, einer ebenfalls populären Route, wurde ein Lärm-Radar installiert.

Neben „Méduse“ werden auch zwei weitere Lärm-Erkennungsgeräte ausprobiert. Die Politik muss für den Einsatz aber erst noch die juristischen Grundlagen schaffen, die Rede ist von einer zweijährigen Pilotphase. Mal sehen, ob und wann solche Geräte womöglich auch bei uns kommen.

Die Motorradverbände hier verwiesen ja immer wieder darauf, dass es durch verschärfte Grenzwerte ohnehin immer leisere Maschinen gibt. Strafen solle es nur für die kleine Minderheit der Biker geben, die sich nicht an die Regeln halte. „Wir wollen nicht, dass alle Motorradfahrer wegen einiger schwarzen Schafe über einen Kamm geschert werden“, sagte auch Sven Leune vom „Runden Tisch Leipzig und Region“, der im Juli eine große Demo mit rund zehntausend Teilnehmern organisiert hatte.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 29. August 2021 | 17:40 Uhr

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