Ein Kunstrasenplatz aus der Vogelperspektive, aufgenommen im winterlichen Lillehammer in Norwegen
Bildrechte: imago images / Eibner Europa

Droht Kunstrasenplätzen das Aus?

22.07.2019 | 15:19 Uhr

Für Fußballvereine sind sie perfekt: Auf Kunstrasenplätzen kann man das ganze Jahr über spielen und aufwändige Rasenpflege braucht es nicht. Doch mit dem EU-Verbot von Mikroplastik droht den Allwetterplätzen das Aus.

Ein Kunstrasenplatz aus der Vogelperspektive, aufgenommen im winterlichen Lillehammer in Norwegen
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Die EU hat ein Verbot von Mikroplastik ab 2022 geplant. Das könnte nicht nur Kosmetik betreffen, sondern auch Fußballplätze mit Kunstrasen. Laut DFB gibt es in Deutschland gut 5.000 solcher Plätze. Sie sollen laut Fraunhofer-Institut eine der größten Quellen für Mikroplastik in der Umwelt sein; gut 11.000 Tonnen.

Problematisch ist vor allem das Granulat, dass die Plastikhalme auffüllt und für ein besseres Ballgefühl sorgen soll. Das wird aus alten Autoreifen hergestellt. Durch Wind, Regen, Schuhe und Kleidung gelangen Kunststoffteile in die Natur, wo sie eigentlich nicht hingehören.

Teure Nachrüstung

Bundesinnenminister Horst Seehofer, der auch für Sport zuständig ist, befürchtet, dass viele tausend Sportplätze dicht machen müssen, wenn das Verbot kommt. Er will eine Übergangsfrist für die Sportplätze erwirken. So sollen Sportvereine genug Zeit bekommen, die Sportplätze umzurüsten.

Trotzdem könnte ein Verbot manchen Vereinen das Genick brechen. Die Kosten einer Nachrüstung werden auf zwischen 100.000 bis zu einer halben Million geschätzt. Die großen Bundesliga-Vereine setzen allerdings nach wie vor auf Naturrasen. In den Statuten der Deutschen Fußballliga steht sogar ausdrücklich, dass die Ligaspiele nur auf Naturrasen stattfinden dürfen. Kunstrasenplätze werden lediglich zum Training genutzt.

Fehlende Fußballplätze

Für den Fußball ist das drohende Verbot problematisch, weil Fußballplätze fehlen. Vielerorts gibt es Fußballvereine mit langen Wartelisten, auf denen Kinder stehen, für die es keine Kapazitäten in den Vereinen gebe. Im Februar forderte der damalige DFB-Vorsitzende Reinhard Grindel deshalb, dass die Städte mehr Kunstrasenplätze anlegen sollen. Sollten die Kunstrasenplätze tatsächlich ohne Ersatz geschlossen werden müssen, könnte das dramatische Folgen haben.

Alternativen zum Kunstrasen aus Plastik gibt es durchaus: Kork-Rasen oder Hybrid-Rasen zum Beispiel. Beide haben aber auch Nachteile. Kork ist sehr anfällig für Schimmelpilze, Hybrid-Rasen ist dagegen auch nicht sonderlich umweltfreundlich. Inzwischen wird das Gummigranulat aber auch oft durch Sand ersetzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 22. Juli 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 15:19 Uhr

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