Opernsängerin Eleonore Marguerre: Bis zu zwei Drittel unseres Gehalts sind weggebrochen

Wo gesungen wird, soll man sich bekanntlich niederlassen. Schwierig in diesen Zeiten, gerade auch für berufliche Sängerinnen und Sänger. Ihr Leben hat sich durch Corona stark verändert. Trotzdem ist in dieser besonderen Zeit auch viel Gutes entstanden.

Opernsängerin Eleonore Marguerre
Bildrechte: MDR JUMP

Für Eleonore Marguerre aus Weimar ist die große Bühne so etwas wie die zweite Heimat. Sie ist ausgebildete Opernsängerin und präsentiert sich für gewöhnlich vor bis zu 2.000 Menschen im Publikum. Der letzte Auftritt dieser Art liegt bereits acht Monate zurück. Statt Reisen, Auftreten und die Massen begeistern heißt es nun: daheim bleiben und zusammenstehen.

Mein Mann und ich sind beide freiberufliche Sänger. Wir hatten einen gravierenden Gehaltseinbruch. Da sind mehr als die Hälfte bis zu zwei Drittel weggefallen. Wir haben zum Teil Arbeitslosengeld beantragt und davon kommen wir ganz gut über die Runden.

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Neben Homeschooling für ihre Kinder hat Eleonore Marguerre zwei komplette Stücke fertig einstudiert, die eventuell nie aufgeführt werden können, aufgrund des anhaltenden Stillstandes im Kulturbereich. Ihre Branche fängt gerade an, sich durch die neuen Gegebenheiten stark zu verändern. Neben der Chance auf Arbeitslosengeld gibt es aus Sicht der Sopranistin keine Unterstützung.

Eine spezielle Coronahilfe habe ich gar nicht bekommen, weil ich zwischen allen Stühlen sitze aufgrund der verschiedenen Beschäftigungsverhältnisse, die wir so haben. Ich fände es toll, wenn alle Solo-Selbständigen in Deutschland, die durch Corona betroffen sind, ohne Wenn und Aber einen Unternehmerlohn für diese Lockdownzeit bekommen. Da wäre vielen Leuten eine Sorge genommen, damit sie ihren Beruf nicht aufgeben müssen.

Opernsängerin Eleonore Marguerre
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Um sich der Lage anzupassen, hat Eleonore auch die Fühler in andere Berufsfelder innerhalb der Kunst- und Kulturlandschaft ausgestreckt. Eine Erkenntnis aus 2020 ist für sie: Stelle Dich breit auf!

Ich habe bereits ein Buch geschrieben, einen praktischen Ratgeber für Sängerinnen und Sänger. Solche praktischen Sachen möchte ich weiterhin fortführen. Ich werde auch erstmals Fortbildungen geben u.a. an der Hochschule in Würzburg. Dabei geht es um Überlebenstraining für angehende, junge Musiktalente.

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Eleonore glaubt fest an eine baldige Rückkehr zum Theater mit Publikum. Ihre Hoffnung liegt dabei sowohl auf dem lang ersehnten Impfstoff gegen Covid-19 als auch auf den Ergebnissen von bereits durchgeführten wissenschaftlichen Studien zu Veranstaltungen in Zeiten von Corona. Die Sängerin schöpft auch Zuversicht aus anderen Ländern, wie Spanien zum Beipiel:

Also in Madrid wiederum wird seit sechs Monaten durchweg Theater gespielt. Die testen extrem viel dort, die spielen auch nur mit halber Besetzung und haben dort keine Infektionsfälle im Theater. Sie können weitermachen und geben den Menschen dort eine Möglichkeit, Kultur und Musik zu erleben.

 Auf den Gesang vor Menschen zu verzichten, schmerzt die Sopranistin sehr. Allein der Gedanke, die Weihnachtszeit ohne das traditionelle Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach live aufgeführt zu erleben, ist für sie undenkbar.

 Mir fehlt das so unglaublich, diese Musik mit anderen gemeinsam in der Kirche zu erleben und eben nicht aus der Konserve. Das tut mir wirklich weh, dass man das einfach nicht machen kann. Das ist natürlich, was uns Sängerinnen und Sängern, ganz sehr fehlt. Spielen können, darstellen können und auf einer Bühne zu sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 25. November 2020 | 21:20 Uhr

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