MDR JUMP-Themenwoche: Kulturbranche in der Krise

Nur ein paar wenige Konzerte in den letzten Monaten, Clubs, Kinos und Theater wieder komplett zu und das wohl noch länger: Was macht das mit den Menschen, die für ihr Leben und ihre Kunst Publikum brauchen?

Ein Teilnehmer der Großdemonstration trägt ein buntes Kostüm.
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Für sie ist 2020 ein hartes Jahr mit wenigen Lichtblicken: Sänger, Bands, Schauspieler, Kabarettisten und alle, die sich um ihre Auftritte kümmern. Denn Corona macht in diesem Jahr alles schwierig oder sogar unmöglich, was die Herzen der Fans höher schlagen lasst: Gemeinsam feiern, tanzen, singen, klatschen und jubeln. Konzerte in Autokinos oder online und Auftritte in kaum gefüllten Theatern helfen, den Kontakt zum Publikum wenigstens nicht ganz abreisen zu lassen. Sie sind aber längst kein Ersatz für das, was weggefallen ist. Und die Hilfsprogramme der Bundesregierung passen für viele in der Kulturbranche nicht. Oder reichen nicht aus, um sie durch die harte Zeit zu bringen.

Die Kultur-Woche bei MDR JUMP

Plakat auf der "Alarmstufe Rot"-Demonstration von Tausenden Künstlern und Kulturschaffenden Ende Oktober in Berlin
Plakat auf der "Alarmstufe Rot"-Demonstration von Tausenden Künstlern und Kulturschaffenden Ende Oktober in Berlin Bildrechte: imago images / Müller-Stauffenberg

Wir wollen mit den Menschen reden, die wir dieses Jahr nur ganz selten, nur auf dem Bildschirm oder gar nicht gesehen haben. Wie sind sie bisher durch die Corona-Pandemie gekommen, welche Probleme müssen sie lösen, wie bezahlen sie ihre Miete und was gibt ihnen Hoffnung? Dafür haben wir die Band Rockpirat aus Weimar getroffen. Die ist eigentlich jedes Wochenende unterwegs, spielt auf Kirmes-Veranstaltungen und Firmenveranstaltungen. Doch diese Auftritte gibt es in diesem Jahr nicht. Der junge Kabarettist Bernard Paschke kann jetzt im November nur üben. Sein  nächster Auftritt im bekannten Leipziger Kabarett Pfeffermühle ist für den 8. Dezember geplant – wenn die Türen dann wieder fürs Publikum geöffnet werden dürfen.

MDR JUMP Spezial: Vier Abende mit Künstlern und Kulturschaffenden

Wir haben uns von der Corona-Pandemie betroffene Künstler und Techniker als Co-Moderatoren eingeladen. Sie werden an den folgenden Terminen von 20 Uhr bis Mitternacht in der Spezialsendung "Kultur neu erleben mit MDR JUMP" zu hören sein:

  • 23. November: Mario Fischer (Keyborder)
  • 24. November: Sabine Hennig (Musicaldarstellerin)
  • 25. November: Thomas Bethke (Veranstaltungstechniker)
  • 26. November: Friede Hentze (Schlagzeuger)

Hier stellen wir die vier noch einmal genauer vor, die stellvertretend für die vielen unbekannten Menschen stehen, ohne die ein kulturelles Leben mit Konzerten, Theater, Kabarett und Kino nicht denkbar wäre.

Mario Fischer
Bildrechte: Privat/Mario Fischer

Mario Fischer (35)

Mario Fischer (35)

Ausgebildeter Pianist, Keyboarder, Multi-Instrumentalist bei der Thüringer Top40 Band „Biba & die Butzemänner“ und bei der ABBA Show. Mario hat normalerweise ca. 130 Gigs im Jahr und lebt derzeit von seinem Nebenjob als Bandenprogrammierer bei RB Leipzig. Er hat mit seiner Freundin ein drei Jahre altes Kind.

Mario wünscht sich, dass bald Konzepte entwickelt werden, mit denen selbst unter Pandemiebedingungen Veranstaltungen wieder möglich sind.

Sabine Hennig
Bildrechte: Privat/Sabine Hennig

Sabine Hennig (35)

Sabine Hennig (35)

In Halle geboren und studierte Musicaldarstellerin, Sängerin, Schauspielerin. Sie hat normalerweise ca. 50 Auftritte pro Jahr, produziert Musicals wie den "Kleinen Muck" und tourt damit. Sie lebt derzeit von der Arbeitslosengeld II (die Grundsicherung), von ihren Ersparnissen und wird von ihrem Vater unterstützt.

Sabine wünscht sich mehr Respekt vor den Hygienemaßnahmen, damit der Lockdown kurz bleibt.

Thomas Bethke
Bildrechte: Privat/Thomas Bethke

Thomas Bethke (31)

Thomas Bethke (31)

Der ausgebildete Meister für Veranstaltungstechnik aus Dresden kümmert sich seit elf Jahren um ca. 150 Shows pro Jahr. Dazu gehören etwa die "Dresdener Schlössernacht", die "Hope Gala" und das Adventssingen des Kreuzchors. Zurzeit hält sich Thomas mit einem Job als Kassierer bei "Netto" über Wasser.

Er wünscht sich, dass jeder der sich mal für diesen Job entschieden hat es nicht bereuen muss und bald wieder arbeiten kann. Thomas sagt: "Geht zu so vielen Shows, wie Ihr könnt, wenn es wieder losgeht und unterstützt Eure Künstler!"

Friede Hentze
Bildrechte: Privat/Friede Hentze

Friede Hentze (37)

Friede Hentze (37)

Schlagzeuger bei Falkenberg und in verschiedenen Coverbands und Schlagzeuglehrer. Er hat normalerweise ca. 50 Gigs im Jahr und hält sich jetzt mit Schlagzeugunterricht über Wasser.

"Wartungsfläche Fuhrpark" SPEZIAL

Am Montag, 23. November, geht um 18.00 Uhr eine neue Folge des Videointerviews auf dem MDR JUMP-YouTube-Profil online: Musikredakteur Felix Heklau hat dafür am Bildschirm Johannes Oerding, Max Giesinger, Mark Forster, Silbermond, Rea Garvey, Revolverheld, Clueso und Fritz Kalkbrenner getroffen. Sie sprechen über ihre seltenen Auftritte 2020, über Notlösungen, Konzertcrews ohne Einnahmen und das langsame der Kreativbranche. Die Auswirkungen der Corona-Einschränkungen seien schon jetzt spürbar. Die hört und sieht nur gerade niemand.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP AM ABEND | 23. November 2020 | 20:00 Uhr

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