Hotelier Jens Weißflog: Kein Osterurlaub "für mich nicht nachvollziehbar"!

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer sieht keine Chance für Urlaubsreisen zu Ostern. Mit seinen Äußerungen sorgt er für Kopfschütteln. Hotelier Jens Weißflog fordert stattdessen einen konkreten Fahrplan für Öffnungen.

Jens Weissflog
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Sachsens Ministerpräsident Kretschmer sorgt deutschlandweit für Aufregung in diesen Tagen. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" hat er Tourismus und Reiseverkehr in den nächsten Wochen ausgeschlossen:

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, spricht in der Staatskanzlei auf einer Pressekonferenz.
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Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen: Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben. Zu große Mobilität bereits im April ist Gift. Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben.

Eine Rückkehr zur Normalität wie im Herbst führe dann auch zu einer Explosion der Infektionszahlen wie im November und Dezember. "Die Folge wäre ein harter Lockdown wie im Frühjahr. Das müssen wir unbedingt vermeiden." Heißt: In Sachsen werden Gaststätten und Hotels über Ostern geschlossen sein müssen.

Hotelier Jens Weißflog: Wünsche konkreten Fahrplan

MDR JUMP hat bei Skiweltmeister und Olympiasieger Jens Weißflog nachgefragt, was er von den Äußerungen seines Ministerpräsidenten hält. Da ist es erst mal lange still am Telefon. Dann: "Das will ich nicht wirklich sagen".

Seit dem Ende seiner Sport-Karriere betreibt Weißflog in Oberwiesenthal ein Hotel mit angeschlossenem Restaurant. Ihn betrifft Kretschmers düstere Prognose also ganz konkret. Weißflog kritisiert, dass die Politik keinen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus dem Lockdown präsentiert. Ihm fehle eine nachvollziehbare Strategie.

Jens Weißflog
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Wenn dann die Geschäfte wieder öffnen dürfen, wird es einen Shoppingtourismus geben. Wie da Kontakteinschränkungen durchgehalten werden sollen, kann ich nicht verstehen. Wir brauchen einen konkreten Fahrplan, wie wir aus dem Lockdown kommen. Wenn erst die Geschäfte öffnen dürfen, Hotels erst danach, ist das für mich nicht nachvollziehbar.

Seine Situation als Hotelier nennt Weißflog "perspektivlos". Für die meisten Hoteliers und Gaststättenbetreiber ist die Äußerung von Kretschmer ein Schlag ins Kontor. Thomas Lengfelder, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, sagt: "Klar hatte man die Hoffnung auf April. Das fällt jetzt weg". Lengfelder forderte Öffnungsschritte mit klar festgelegten Bedingungen.

Es geht von einer Hängepartie in die andere, es gibt einen riesengroßen Frust. Viele sind kurz vor der Pleite.

Von den staatlichen Hilfsgeldern seien meist erst Abschläge geflossen, Pacht und Gehälter liefen jedoch weiter. Bankkredite seien schwer zu bekommen, weil nicht klar sei, wann die Betriebe wieder Einnahmen haben.

Parteifreunde kritisieren Kretschmer

Kritik an den Äußerungen von Kretschmer kommt auch von seinen Parteikollegen. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther sieht den Osterurlaub bislang nicht in Gefahr: Der Zeitung "Die Welt" sagte er:

Wir haben in der letzten MPK einen klaren Fahrplan verabredet, eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später in Frage zu stellen. Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.

In die selbe Kerbe haut auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Jan Korte. Beim Kurznachrichtendienst Twitter schreibt er: "Den meisten wäre geholfen, wenn alle Ministerpräsidenten mal eine Woche keine Interviews geben würden".

Zustimmung von Gesundheitsexperten und aus Brandenburg

Lauterbach sagte am Sonntag der "Welt": "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können." Die Osterwochen müssten genutzt werden, mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle in der Corona-Pandemie mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden.

Karl Lauterbach, SPD
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Ich wäre schon froh, wenn wir es ohne dritte Welle bis Ostern überhaupt schaffen. Sollte dies gelingen, darf der Erfolg nicht im Urlaub zerstört werden.

Brandenburgs Ministerpräsident, Woidke vertritt eine ähnliche Linie. "Auf touristische Reisen, auf Tagesausflüge, auf jegliche nicht notwendige Fahrt sollte jetzt dringend verzichtet werden", sagte der SPD-Politiker der "Welt". Es sei jetzt nicht die Zeit für Reisen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. Februar 2021 | 06:00 Uhr

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