Ärztin untersucht einen männlichen Patienten
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Krebs: Jede zweite Erkrankung könnte mit Vorsorge-Checks gestoppt werden.

07.02.2019 | 11:37 Uhr

Bei vielen Krebserkrankungen sind die Überlebenschancen inzwischen ziemlich gut. Der Krebs muss dafür aber möglichst früh erkannt werden. Doch zu den Vorsorge-Untersuchungen gehen viel zu wenige: Nur jede zweite Frau und jeder zehnte Mann geht zu den empfohlenen Checks.

Ärztin untersucht einen männlichen Patienten
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"In zehn bis 20 Jahren ist der Krebs besiegt!": Mit dieser Prognose sorgte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt für Aufsehen. Früherkennung, Vorsorge und Therapie hätten große Fortschritte gemacht. Aus Sicht von Krebsexperten ist diese Vorhersage zu optimistisch. In einem Punkt stimmen sie dem Gesundheitsminister aber zu: Die Vorsorge-Checks erhöhen inzwischen die Chance ungemein, eine Krebserkrankung zu überleben.   

Lebensretter noch viel zu selten genutzt

Zum Weltkrebstag (4. Februar) hat Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner dazu aufgerufen, die Vorsorge-Checks besser zu nutzen. Inzwischen überlebten im Freistaat 59 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen eine Krebserkrankung. Zum Vergleich: Ende der 80er waren das bei den Männern nur 27 Prozent und bei den Frauen nur 41 Prozent. Damals gab es deutlich weniger Vorsorgeuntersuchungen und die auch für weniger Krebserkrankungen. Laut der Barmer-Krankenkasse sind die Frauen in Sachsen Spitze bei der Krebs-Früherkennung: 2017 gingen rund 44 Prozent zu den Vorsorge-Checks. Der Arzt und Medizinkorrespondent Dr. med. Christian Specht sagte MDR JUMP:

Dr. med. Christoph Specht
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Aber wenn es dann um die weiteren Untersuchungen geht, also Check-Up mit 35, dann sind es mit Männern und Frauen zusammengenommen 17 Prozent und das ist wirklich eine sehr niedrige Zahl.

Viele hätten schlicht Angst, dass ihr Arzt beim Vorsorge-Check etwas entdeckt.

Der Hauptgrund dürfte aber sein, man hat Angst, dass der Arzt was entdeckt. Das ist zwar menschlich verständlich aber eine völlig irrationale Angst. Denn durch die Früherkennung können Krankheiten schnell erkannt werden und wenn eben es um Krebs geht, dann können die auch sehr gut behandelt werden.

So überleben heute 87 Prozent der Frauen mit Brustkrebs mindestens fünf Jahre. Etwa 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs, rund 220.000 sterben. Krebs ist damit nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache.

Krankenkassen zahlen die Vorsorge-Checks

In Deutschland gibt es ein gesetzliches Recht auf Vorsorgeuntersuchungen ab einem bestimmten Alter. Die Checks werden dann auch von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Frauen haben ab einem Alter von 20 Jahren Anspruch auf Vorsorge vor Gebärmutterhalskrebs. Ab 30 Jahren kommen die Checks auf Brustkrebs dazu. Wer über 35 ist, hat alle zwei Jahre das Recht auf ein Hautscreening. Das sollten vor allem Menschen wahrnehmen, die mehr als einhundert Muttermale haben, sagt unser Experte:

Das können sie beim Hausarzt machen oder beim Hautarzt. Ich persönlich würde empfehlen, das beim Hautarzt zu machen. Wenn man einen Befund bei einem Hausarzt bekommt, dann wird er einen dann doch zum Hautarzt schicken. Der hat dann einfach mehr Erfahrung und ist bei der Untersuchung versiert und schnell.

Männer ab 45 sollten zudem jährlich zum Prostata-Check gehen. Dr. Christoph Specht warnt aber vor einem falschen Erwartungen an die Checks:

Vorsorgeuntersuchungen im empfohlenen Rahmen sind gut. Die Gesundheit kommt aber in allererster Linie vom Lebensstil und an dem sollte man arbeiten und das kann man nur selbst.

Rund die Hälfte aller Krebsfälle können laut Experten durch regelmäßige Checks und einen gesunden Lebensstil ohne Rauchen, mit viel Bewegung und wenig Alkohol verhindert werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 07. Februar 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 11:37 Uhr

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