Müssen wir bald mehr für die Krankenkasse zahlen?

02.10.2019 | 16:58 Uhr

Die Krankenkassenbeiträge für gesetzlich Versicherte werden womöglich in Zukunft wieder ansteigen. Zeitungsartikel von heute warnen vor höheren Beiträgen für die Versicherten und sogar möglicher Insolvenzen von Krankenkassen. "Das ist extrem unwahrscheinlich", sagt Florian Lanz vom GKV Spitzenverband.

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
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"Auch in der Krankenversicherung sind die richtig guten Jahre wohl vorbei", sagte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Bei sinkenden Einnahmen und steigenden Ausgaben werden die Krankenkassen ihre heutigen Beitragssätze auf Dauer nicht halten können", warnte der Chef von Deutschlands größter gesetzlicher Krankenkasse.

Es muss nicht teurer werden

Das heißt allerdings nicht, dass für alle Versicherte die Beitragssätze sofort steigen. "Was wir noch nicht genau wissen ist, wie sich die Einnahmen nächstes Jahr entwickeln", erklärt Florian Lanz vom GKV Spitzenverband:

Die Krankenkassenbeiträge sind prozentual. Das heißt, wenn die Einnahmen der Krankenkassen genauso schnell steigen wie die Ausgaben, also wenn zum Beispiel die Arbeitslosigkeit sinkt, die Arbeitnehmer eine Lohnerhöhung bekommen, dann heißt das: Mehr Einkünfte für die Krankenkassen. Wenn dann im selben Umfang die Ausgaben steigen, können Krankenkassenbeiträge stabil bleiben.

Ein Problem gäbe es immer, wenn die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen. Derzeit ließe sich die Frage nach einer Beitragserhöhung ab nächstes Jahr noch nicht seriös beantworten und könnte auch von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich sein, erklärt Lanz:

Das liegt daran, dass es eine Menge Krankenkassen gibt, die Rücklagen haben und es kann zum Beispiel durchaus sein, dass eine Krankenkasse im nächsten Jahr weniger Geld über Beiträge einnimmt als sie ausgibt. Aber das Defizit durch ein Abschmelzen der Rücklagen ausgleicht. Das heißt, da macht die Krankenkasse sozusagen buchhalterisch ein Minus. Aber die Beiträge steigen trotzdem nicht, weil sie Geld von den Rücklagen nimmt.

Ende kommender Woche kommt dann der Schätzkreis der gesetzlichen Krankenkassen zusammen und der schaut, wie sich die Ausgaben bei den Krankenkassen entwickeln und kann eine erste Prognose abgeben.

Neue Gesetze könnten Kosten steigen lassen

Warum Kosten steigen könnten, hat verschiedene Gründe. Zum einen hat die Bundesregierung neue Gesetze erlassen, zum Beispiel, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, dass es mehr Pflegepersonal gibt, und das kostet. Auch neu: das Terminservice-Gesetz. Das soll erwirken, dass wir einen besseren Termin beim Facharzt bekommen. Auch das koste die Kassen mehr. Zum anderen seien die Kosten für Heilmittel hochgegangen oder auch für Physiotherapie oder Logopädie. Ob eine Kasse das abfedern kann, hängt mit ihren Rücklagen zusammen.

Eine Insolvenz ist unwahrscheinlich

Falls es zu Erhöhungen komme, wäre das aber erst ab Anfang 2020 der Fall, da die Krankenkassen für ein Jahr planen. Dass eine Krankenkasse derzeit tatsächlich von einer Insolvenz betroffen sein könnte, sieht Lanz nicht: "Es hat in der Vergangenheit Kassen-Schließungen gegeben, aber es ist aktuell keine in Sicht." Gesetzlich Versicherte müssen da keine Angst haben:

Ihr Versicherungsschutz bleibt durchgehend bestehen. Angenommen Ihre Krankenkasse würde tatsächlich schließen - was extrem unwahrscheinlich ist - hätten Sie das Recht lückenlos in eine andere gesetzliche Krankenkasse zu wechseln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 02. Oktober 2019 | 19:55 Uhr

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