MP3-Erfinder tüftelt an Kopfhörer der Zukunft

Kopfhörer ist nicht gleich Kopfhörer, auf die Technik kommt es an. Ein weltbekannter Tüftler, der lange bei uns in der Region gearbeitet hat, hat nun eine Revolution vor – für mehr Musikgenuss. Und weniger nervige Telefonkonferenzen.

Mp3 Mit-Erfinder KarlHeinz Brandenburg mit Kopfhörern.
Mp3 Mit-Erfinder KarlHeinz Brandenburg mit Kopfhörern. Bildrechte: Fraunhofer IDMT

Im Ohr oder darüber, mit Kabel oder ohne – beim Thema Kopfhörer hat jeder so seine Vorlieben. Seit einigen Jahren erfreuen sich ja auch Modelle mit Geräuschunterdrückung großer Beliebtheit. Der Forscher Karlheinz Brandenburg, der zuletzt an der Technischen Universität Ilmenau zu Hause war, arbeitet nun in seiner eigenen Firma an einem noch fortgeschritteneren Modell.

Es geht um den Kopfhörer der Zukunft – und zwar konkret um einen, der intelligent auf seine Umwelt reagieren soll. Und wenn man nun weiß, dass Brandenburg einst einer der Erfinder des heute weltweit eingesetzten MP3-Formats für Musikdateien ist, dann sollte man besser mal genau hinschauen, was da so läuft. Womöglich plant da jemand die nächste Revolution. Schließlich hat die International Electrotechnical Commission (IEC) Brandenburg schon vor Jahren zu einem der 120 wichtigsten Vordenker der Elektrotechnik aller Zeiten gewählt…

Brandenburgs Plan diesmal: „Es geht darum, mit Kopfhörern optimal räumlich zu hören, so wie das beim Sehen mit einer Brille selbstverständlich ist“, so erklärt es der Forscher. Das bedeutet:  Die Kopfhörer sollen intelligent darauf reagieren, was die jeweilige Person gerade hören möchte – und was in der Umgebung währenddessen so passiert. „Wir kennen die Noise-Cancelling-Technologie, die Umgebungsgeräusche unterdrückt. Das soll selektiv werden, wenn ich zum Beispiel auf einer Party bestimmte Personen klar und deutlich hören oder bestimmte Musik herausfiltern will.“

Get the „PARty“ started

Und noch einen weiteren Anwendungsfall beschreibt der Tüftler – und wer von uns seit Corona zumindest gelegentlich im Homeoffice arbeitet, muss das eigentlich eine geniale Idee finden: Es geht darum, dass der neue Kopfhörer einem bei Telefonkonferenzen das Gefühl verschaffen soll, dass die betreffe Person tatsächlich eineinhalb Meter neben mir steht und nicht scheinbar in meinen Kopf spricht.

Die Technologie hört auf den wirklich schönen Namen „PARty“ – oder lang: „Personalized Auditory Reality“. Und sie basiert auf der Erkenntnis, dass unsere Erwartungen einen großen Einfluss darauf haben, wie sich bestimmte Dinge anhören. „Das Gehirn vergleicht den Klang, den es über Kopfhörer bekommt, automatisch mit dem, was zuletzt zu hören war in dem Raum, in dem ich mich befinde“, sagt Brandenburg. Deshalb könne man auch eine Konzerthalle mit Symphonieorchester niemals wirklich nach Hause bringen, mit Kopfhörern erst recht nicht.

Verfahren muss Akustik des Raumes erfassen

Für den räumlichen Klang seien verschiedene Faktoren wichtig, so der Forscher. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, wie man seinen Kopf dreht oder wie die Akustik des Raumes ist. Das neue System muss all das erkennen und einberechnen. Für das Klangverfahren braucht es deswegen extrem detaillierte Modellierungen, die auch mithilfe von maschinellem Lernen umgesetzt werden.

In zwei Jahren, so hat Brandenburg verraten, könnte es die ersten Versionen seines intelligenten Kopfhörers geben. Bis zur Vollausstattung, das sagt er aber auch, wird es noch länger dauern – von fünf, vielleicht auch zehn Jahren ist die Rede. So lange müssen wir uns dann wohl noch gedulden.

Ach ja, vielleicht noch eine Information – nämlich welche Musik der MP3-Erfinder selbst am liebsten hört. Es ist Folkrock. Hardrock und Metal, so hat er es mal gesagt, sind dagegen nicht so sein Ding. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 15. September 2021 | 19:20 Uhr

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