So lässt sich Komet „Neowise“ mit bloßem Auge beobachten

Hoch über unseren Köpfen zieht gerade ein Komet seine Bahn, der auch ohne große Hilfsmittel zu beobachten ist. Wir haben uns von einem Experten erklären lassen, wie sich das Himmelsspektakel am besten beobachten und fotografieren lässt.

Wirtanen soll ähnlich hell wie hier der Komet Panstarrs zu sehen sein
Bildrechte: Imago/Luis Argerich

Die wundersamen Himmelserscheinungen haben Menschen seit jeher fasziniert. Schon in einem chinesischen Grab aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert ist eine auf Seide gemalte Übersicht über rund 30 verschiedene Arten von Kometen bekannt. Auch die Denker der Antike befassten sich mit der Frage, was die leuchtenden Objekte am Himmel erscheinen und wieder verschwinden lässt.

Den Griechen verdanken die Kometen übrigens auch ihren Namen: Sie nannten sie in ihrer Sprache „Haarsterne“, wegen des an eine Haarmähne erinnernden Schweifs. Doch neben Faszination brachten Kometen lange Zeit vor allem eines: Angst. Sie wurden als schlechte Zeichen des Himmels gedeutet, Luther bezeichnete die Himmelskörper als Störung der göttlichen Ordnung.

Komet hat biblisches Alter

Das ist natürlich Unsinn, längst wissen Forscher, dass Kometen eigentlich Überbleibsel aus der Frühzeit des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahre sind. Als frostige Kugeln aus Eis, Staub und Gestein rasen sie seither durchs All. Immer mal wieder kommt ein Komet uns dabei so nahe, dass wir ihn von der Erde gut sehen können. Aktuell ist das bei einem beeindruckenden Exemplar namens „Neowise“ - der offizielle wissenschaftliche Name lautet C/2020 F3 (Neowise) – der Fall. Er ist derzeit 147 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, wie auf seinem Twitter-Account – ja, im Ernst! – nachzulesen ist.

„Um den Kometen zu sehen, muss man in der Dämmerung an den Himmel schauen. Man kann ihn aktuell am Morgenhimmel sehen“, sagt Dirk Schlesier, Chef des gerade im Bau befindlichen Planetariums in Halle . „Da muss man aber sehr früh aufstehen, zwischen 3:00 und 4:30 Uhr.“ Wer dann an einem möglichst dunstfreien Ort, am besten mit etwas Weitblick, nach Nordosten schaut, sollte den Kometen erspähen können. Vielleicht sogar seinen Schweif.

Wie kann man den Kometen sehen?

Aber Moment – früh um drei? Das ist für viele von uns bei aller Begeisterung wohl ein bisschen schwierig. In den kurzen Sommernächten schläft man eh so wenig. Aber Schlesier hat für dieses Problem eine Lösung: „Ab Mitte Juli kann man den Kometen ab 22:30 am Abendhimmel sehen, und das auch noch in einer Region, die nicht schwer zu finden ist.“ „Neowise“ bewegt sich zu dieser Zeit unterhalb des Großen Wagens, rund 15 Grad über dem Nordwestlichen Horizont.

Allerdings gibt es dann womöglich ein anderes ein kleines Problem. „Der Komet hat seine größte Helligkeit schon überschritten, er wird jetzt jeden Tag ein bisschen dunkler“, sagt Planetariums-Direktor Schlesier. „Wenn die Beobachtung mit bloßem Auge nicht mehr klappt, nimmt man dann einfach ein Fernglas. Man braucht nicht zwangsläufig ein großes Teleskop.“

Manch ein Himmelsgucker will den Kometen vielleicht nicht nur angucken, sondern auch fotografieren. Im Netz gibt es bereits zahlreiche Bilder von „Neowise“. „Das kann man schon mit dem Smartphone probieren“, sagt Dirk Schlesier. Besser gehe es natürlich mit einer richtigen Kamera. Bei der nötigen Belichtungszeit – ein paar Sekunden sollten ausreichen – könne man ein bisschen herumprobieren. „Das hängt davon ab, wie das Hintergrundlicht in der Dämmerung ist.“

Optische Beobachtung des Kometen 21P/Giacobini-Zinner im August 2018
Bildrechte: Michael Jaeger

„Neowise“ war Ende März von einem US-Weltraumteleskop entdeckt worden, das regelmäßig den Himmel nach bisher unbekannten Objekten wie Asteroiden oder Kometen absucht. „Das war ein Überraschungskomet“, sagt Dirk Schlesier. „Es war nicht klar, ob er auf seiner Bahn die Annäherung an den sonnennächsten Punkt übersteht.“

Wenn die Brocken aus Eis und Staub unserem Stern zu nahe kommen, können sie sich nämlich auch komplett auflösen. „Dieser Komet hat seinen Lauf um die Sonne aber überstanden“, sagt Schlesier. Die Strahlung sorgt allerdings dafür, dass er jeden Tag an Masse verliert. So entsteht der charakteristische Schweif, der sich – mit etwas Glück – derzeit beobachten lässt. Was für den Kometen also ein bisschen unpraktisch ist, er wird dünner und dünner, ist genau das, was die Sternenfreunde gerade so begeistert. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 04. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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