Eine Spielfigur stellt eine Mama mit Kind dar. Sie steht mit einer Kinderwagenfigur auf einem Geldschein.
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Kita beitragsfrei: Berlin machts vor – zieht Mitteldeutschland nach?

30.07.2018 | 16:30 Uhr

Premiere: In Berlin ist ab August die komplette Kita-Zeit beitragsfrei. Positiv: Schließlich belasten die Gebühren besonders einkommensschwache Familien. Wir klären, wie weit das Vorhaben in Mitteldeutschland ist.

Eine Spielfigur stellt eine Mama mit Kind dar. Sie steht mit einer Kinderwagenfigur auf einem Geldschein.
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Klar, die Gebühren für einen Kita-Platz belasten das Haushaltsbudget. Das Problem ist bekannt. Deshalb versprechen Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag:

Entlastung von Eltern bei den Gebühren bis hin zur Gebührenfreiheit.

Doch der Weg dahin ist lang. Als erstes Bundesland führt Berlin die Beitragsfreiheit für Kitas ein. Ab August müssen Eltern dort für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas oder bei Tagesmüttern hier künftig generell keine Beiträge mehr zahlen. Ab 1. August kostet die Kinderbetreuung auch für Kinder unter einem Jahr nichts mehr; die anderen fünf Jahre vor Schulbeginn waren schon seit 2007 schrittweise beitragsfrei gestellt worden. Auch in Zukunft müssen Eltern aber das Essen in den Kitas finanzieren - in der Regel 23 Euro monatlich.

Thüringen holt auf

Sicher: Die Kosten für die Kita entscheiden auch darüber, ob ein Kind überhaupt eine solche Einrichtung besucht. Schließlich zahlen einkommensschwache Familien rund zehn Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Kinderbetreuung, hat kürzlich die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie nachgewiesen. Deshalb fordert Bundesfamilienministerin Franziska Giffey:

Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen.

In Thüringen ist deshalb bereits das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung beitragsfrei. Außerdem war geplant, die Betreuungsquote der Drei- bis Vierjährigen schrittweise von 1 zu 16 auf 1 zu 12 ab August 2019 zu senken. Doch damit nicht genug: In der rot-rot-grünen Regierungskoalition gibt es offenbar Überlegungen, ein zweites Kita-Jahr in Thüringen beitragsfrei für die Eltern zu stellen. Das sei Teil der Gespräche, die derzeit zum Haushalt 2020 geführt werden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Eine Entscheidung sei dazu aber bisher nicht gefallen.

Sachsen-Anhalt sorgt für Geschwisterkinder

Sachsen-Anhalts Kenia-Koalition hat sich kürzlich, nach langer Debatte, auf Neuregelungen in der Kinderbetreuung geeinigt. Damit sollen Eltern, Erzieher und Kommunen entlastet werden. Das wichtige Detail: Eltern mehrerer Kinder sollen künftig nur noch für eines von ihnen Kita-Beiträge zahlen, alle weiteren Geschwisterkinder sind bis zum Schuleintritt kostenfrei.

Zur Einigung gehört auch, dass allen Kindern künftig täglich acht statt bislang bis zu zehn Stunden Betreuung außerhalb des Elternhauses zustehen. Berufstätige oder studierende Eltern sowie solche, die Angehörige pflegen, sollen für ihren Nachwuchs aber unkompliziert bis zu zehn Kita-Stunden erhalten können. Für die zwei Zusatzstunden müssen sie je nach Krippe, Kita oder Hort Beiträge zahlen. 

Sachsen zählt zu den Verweigerern

Nicht überall gibt es Pläne, die Eltern-Gebühr abzuschaffen oder zu reduzieren. Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg ist das ähnlich wie in Sachsen und Bayern. Qualitätsverbesserungen hätten Priorität vor einer Kostenfreiheit, teilte das Familienministerium in München mit. Laut einer Umfrage des Instituts für Familienforschung an der Universität Bamberg favorisierten zwei Drittel der Eltern eine Verbesserung von Qualität und Zuverlässigkeit. Der Rest habe die Beitragsfreiheit wichtiger gefunden.

Fazit

Soll die Kita in Mitteldeutschland komplett beitragsfrei sein, muss dafür in den Landeshaushalten ordentlich Geld locker gemacht werden. Allein in Sachsen-Anhalt wird die Neuregelung das Land zusätzlich rund 50 Millionen Euro kosten, in diesem Jahr steckt Sachsen-Anhalt 346 Millionen Euro in die Kinderbetreuung. Das bedeutet: Soll an einer Stelle mehr Geld ausgegeben werden, muss woanders gespart werden. Und sich darüber zu einigen, dauert offenbar.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 31. Juli 2018 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 08:03 Uhr

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