Ein Schulkind liegt niedergeschlagen auf seiner Schulbank.
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Psychologie Hirnforscher: So lernen Kinder richtig

Wenn Kinder noch klein sind, wollen sie alles wissen, können sich stundenlang mit einer Sache beschäftigen und wollen die Besten sein. Schon beim Turm bauen mit den Bauklötzen. Spätestens, wenn es dann aber um Hausaufgaben und Schulnoten geht, kommt bei vielen Kindern der Motivationsknick. Woran liegt das und was können Eltern tun?

Ein Schulkind liegt niedergeschlagen auf seiner Schulbank.
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Kinder sind wissbegierig

Prinzipiell lernen Kinder gerne. Kinder wollen die Besten sein und geben sich nicht mit weniger zufrieden. Und diesen Anspruch haben sie auch in der Schule – ganz von allein, sagt Hirnforscher Professor Gerald Hüther:

Der Anspruch, der kommt nicht weil irgendein Papa daneben sitzt und applaudiert, sondern den hat es selbst. Es hat den Anspruch, dass es das, was es tut, optimal und maximal macht und so, dass es ihm gefällt.

Und so müsste Lernen das ganze Leben lang sein: Kinder sollten aus ihrem eigenen Antrieb heraus Wissen anhäufen und Neues lernen wollen, denn dann sind sie auch erfolgreich.

Falsche Motivation

Die Eltern wollen aber auch nur das Beste für ihr Kind. Deshalb spornen sie es mit Belohnungen an, wenn etwas gut geklappt hat. Für Hüther kommt es aber auf die richtige Motivation an.

Kinderpsychologe Gerald Hüther im Gespräch mit MDR JUMP. Das Thema: Kinder motivieren, wie wichtig Noten und Hausaufgaben sind, welche Zusatzförderung gut ist und über Demenz -Thema seines neuen Buches. Im Bild zu sehen ist der Professor im Studio vor dem Mikro.
Prof. Gerald Hüther im Gespräch mit MDR JUMP. Bildrechte: MDR JUMP/Jens Borghardt

Natürlich können Sie sich mit dem Kind freuen über diesen Turm, den es da hingekriegt hat und das ist Ansporn. Aber dass man das Kind dafür lobt, dass es so einen großen Turm gemacht hat, dann macht man das Kind zum Objekt seiner Bewertung.

Auch wenn der Unterschied sehr gering ist, spürt das Kind ihn. Es kann also passieren, dass Kinder "hohe Türme“ bauen wollen, damit die Eltern sich darüber freuen. Und dann würde der Leistungswille umgelenkt. Die Kinder wollen dann nicht mehr für sich selbst erfolgreich sein, sondern um die Erwartung an sie zu erfüllen.

Problemzone Schule

Das ist der Fehler, den viele Eltern und auch die Schulen machen: Sie erklären wissbegierigen Kindern, was sie zu gestalten haben oder lernen sollen. Und wie sie das tun sollen.

Das passiert auch bei den Hausaufgaben und der Notenvergabe. Beide verbinden den Lernerfolg mit Belohnungen oder Bestrafungen.

Das ist das Dümmste, was man machen kann, weil da kriegt man abgerichtete Lerner. Die haben möglicherweise sogar Abitur mit 1,0 gemacht, aber die haben vor allem eines gelernt: nämlich was sie tun müssen, um Belohnungen zu kriegen.

Hirnforscher Prof. Gerald Hüther

Wie Kinder richtig lernen

Sobald Kinder etwas wollen, werden sie auch alles dafür tun, um ihr Ziel zu erreichen. Es ist also wichtig, dass Kinder wissen, wofür sie lernen – zum Beispiel weil sie mit Physik verstehen können, warum ein Turm irgendwann umkippt.

Das heißt, der Lernstoff muss emotional aufgeladen sein. Das ist er zum Beispiel, wenn das Wissen von jemandem vermittelt wird, den das Kind wertschätzt. Das kann ein toller Mathelehrer oder der Großvater sein.

Um die Begeisterung in Kindern zu wecken, ist spielen ganz wichtig. Dabei erkunden die Kinder ihr eigenes Können. Und das gelingt am besten, wenn sie frei und von Erwachsenen unbewacht miteinander spielen können.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 26. November 2017 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2017, 12:07 Uhr