Junge Familie mit Kind vor einem Rohbau
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Gibt's bei Krediten für Hausbau bald Geld geschenkt?

14.11.2019 | 16:20 Uhr

Viele Sparer ärgern sich schon lange über die Negativzinsen: Sie bekommen kaum etwas drauf, wenn sie Geld anlegen. Wer dagegen ein Haus baut, kann sich freuen: Die Zinsen für Baukredite sind historisch niedrig. Nach den Plänen der staatlichen Förderbank KfW könnten Häuslebauer bald sogar Geld gutgeschrieben bekommen.

Junge Familie mit Kind vor einem Rohbau
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Die Ankündigung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW) sorgt für Aufsehen: Sie will Förderkredite mit negativen Zinsen vergeben. Laut Frankfurter Zeitung sollen davon ab Anfang 2020 neben Mittelständlern und Kommunen auch private Hausbauer profitieren. Sie müssen weniger Geld zurückzahlen als sie sich von der Bank geliehen haben. Über die ganz konkreten Folgen für private Hausbauer haben wir mit Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip gesprochen.

Bekommen Häuslebauer bei einem Kredit wirklich Geld geschenkt?

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Vorläufig noch nicht, aber die KfW bereitet sich drauf vor. Denn die KfW sorgt nicht nur für Kredite für Häuslebauer. Die kümmert sich auch um Kreditfragen für Kommunen. Weil der Staat jetzt schon Geld leihen kann und etwas obendrauf bekommt, will die KfW das jetzt auch für Kommunen möglich machen.

Für Kredite mit Negativzinsen müssen die Banken ihre Computersysteme umstellen. Warum ist das so aufwendig?

Die Computersysteme sind da tatsächlich nicht drauf eingerichtet. Die KfW sagt, sie brauche dafür bis zu einem Jahr Zeit. Sie richtet sich aber auf die Umstellung ein. Und auf die können wir uns auch tatsächlich einrichten. Wenn die Negativzinsen so bleiben, könnte die eine oder andere Bank auf den Gedanken kommen, einem sehr guten Schuldner Geld für lau zu leihen oder ihm sogar was nachzuwerfen. Die wirft lieber dem Kunden als der Europäischen Zentralbank das Geld nach.

Die KfW setzt jetzt andere Banken unter Druck. Ziehen die bald mit Krediten mit Negativzinsen für Privatleute nach?

Das ist vorstellbar, dass eine einzelne Bank das macht für bestimmte Kunden. Da haben einige Finanzinstitute vor einigen Wochen auch schon laut drüber nachgedacht. Aber ich glaube nicht, dass das in der Breite passiert und das bekommen wohl eher Kunden, die das gar nicht so richtig nötig haben. Die eine so gute Bonität haben, dass sie eigentlich gar keinen Kredit bräuchten.

Gibt’s das dann nur für den Hausbau oder auch, wenn man etwas anderes finanziert?

Ein Hausbauer ist vielleicht der erste Privatkunde, der das sieht. Vorher kommen aber Städte und Gemeinden. Die vielleicht neue Laster für die Müllabfuhr kaufen wollen mit Elektromotor.

Geld geschenkt von der KfW: Da ist also wirklich was dran?

Das kann passieren und das ist auch logisch: Die KfW stand ja immer für günstige Zinsen. Und dass die jetzt für günstige Zinsen für uns und für Kommunen sorgt, dafür ist sie schließlich geschaffen. Da muss sie vornedran sein.

Der Chef der staatlichen Förderbank Günther Bräunig konnte noch nicht genau sagen, ab wann Privatleute wirklich Förderkredite mit negativen Zinsen bekommen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die KfW nicht selbst Kredite vergeben darf. Das muss über die Hausbank der Kreditnehmer laufen. Die Bank darf aber noch einmal eine Bearbeitungsgebühr draufschlagen. Erst wenn die negativen Zinsen diese Gebühr ausgleichen, zahlen Hausbauer wirklich weniger Geld zurück als sie geliehen haben.

Kreditanstalt für Wiederaufbau Die KfW wurde 1948 gegründet, um den Wohnungsbau in Deutschland nach dem Krieg zu finanzieren und Existenzgründungen zu fördern. Heute ist sie die drittgrößte Bank Deutschlands und auch auf dem internationalen Finanzmarkt aktiv. Sie hat bisher fast zwei Billionen Euro an Fördergeldern vergeben. Hausbauer kennen die KfW, weil sie über diese beispielsweise das Baukindergeld beantragen oder Fördergelder für energieeffiziente Häuser.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 14. November 2019 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 16:19 Uhr

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