Preistafel an einer Tankstelle
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hohe Spritpreise: In Whatsapp-Kettenbrief wird zum Tank-Boykott aufgerufen

22.11.2018 | 13:27 Uhr

Hohe Benzinpreise sind immer ein Ärgernis für Autofahrer. Im Netz kursiert derzeit ein Kettenbrief, in dem zum Tankboykott aufgerufen wird. Aber: Wem nützt und was bringt das?

Preistafel an einer Tankstelle
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Erst Proteste in Frankreich gegen hohe Spritpreise, jetzt auch in Deutschland? Im Netz kursiert derzeit ein Kettenbrief, in dem aufgerufen wird, am Montag (26. November) nicht zu tanken. Wer kein Sprit mehr habe, solle lieber am Sonntag tanken. In dem Post mit vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern heißt es wörtlich:

Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise Montag 26 November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter, um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren.

Fakt ist: Im europaweiten Vergleich der Benzinpreise liegt Deutschland momentan weit vorne. Im Durchschnitt kostet hier ein Liter Super 1,60 Euro. Deutlich günstiger ist der Sprit dagegen in Polen: 1,18 Euro.

Was kann so eine Boykott-Aktion bringen?

Fakt ist: Boykott-Aufrufe haben eine lange Tradition, mit kaum messbarem Erfolg. Bislang ist jedenfalls keine Mineralölfirma pleite oder der Benzinpreis im Anschluss gesunken.

Und auch im aktuellen Fall lässt sich fragen, wem es nützt, wenn anstatt am Montag, bereits am Sonntag getankt wird. Die Ausgaben werden ja trotzdem getätigt, nur eben an einem anderen Tag. Hier würde nur helfen, das Auto stehen zu lassen. Immerhin wäre das eine gute Tat für den Umweltschutz. Entsprechend groß ist auch der Spott im Netz über diese Aktion:

Warum sind die Spritpreise eigentlich so hoch?

Proteste gegen hohe Spritpreise gab es am letzten Wochenende in Frankreich. Dort sind aus Protest gegen geplante Steuererhöhungen Zehntausende auf die Straßen gegangen und haben den Verkehr blockiert. Seit Jahresbeginn sind dort die Steuern für Diesel-Kraftstoff bereits um 7,6 Cent pro Liter gestiegen, für Benzin um 3,9 Cent. Eine weitere Anhebung ist für 2019 geplant.

Ganz anders sei die Situation in Deutschland, stellt Dr. Jochen Wilhelm, Geschäftsführer des Tankstelleninteressenverbandes mit 1000 Mitgliedern, im Gespräch mit t-online.de klar:

In Frankreich sind die Bürger gegen eine staatliche Entscheidung auf die Straße gegangen, die Steuern auf Treibstoff weiter anzuheben. In Deutschland haben wir hohe Preise durch eine Ausnahmesituation, für die niemand etwas kann.

Was Wilhelm meint: Auf Grund der Trockenheit in den letzten Monaten sind die Pegelstände der Flüsse immer weiter gesunken. Doch die Schiffe können wegen der niedrigen Wasserstände auf den Flüssen nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin, Diesel und Heizöl transportieren wie gewohnt. Ersatz zu schaffen auf Schiene und Straße ist wegen knapper Kapazitäten schwierig und teuer. Die Produkte kommen daher nicht zum Kunden oder allenfalls zu deutlich höheren Preisen.

Die Mineralölbranche gibt noch keine Entwarnung. Schließlich könne niemand sagen, wann sich diese Situation wieder entspannt. Auch bei Regen steigen die Pegel der Flüsse nur langsam. So lange die Probleme in der Lieferkette anhalten, müssen die Autofahrer dafür bezahlen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 22. November 2018 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 13:27 Uhr

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