Deine Katze will dich töten

Die Stubentiger heißen nicht aus Spaß so – das haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden, die sich die Persönlichkeit von Katzen angesehen haben. Wir können froh sein, dass die Tiere nicht größer sind. Sonst erginge es uns manchmal wohl nicht so gut.

Katze faucht zum Angriff
Bildrechte: IMAGO / Gerhard Leber

Erinnert sich hier noch jemand an Alf? Ihr wisst schon, der pelzige Außerirdische aus der Fernsehserie, der auf der Erde strandet – nachdem sein Heimatplanet Melmac explodiert ist, weil alle Bewohner gleichzeitig ihren Fön eingeschaltet haben. Sein wichtigstes Ziel ist es ja, die Katze seiner Gastfamilie Tanner zu fangen. Aus dem Tier Lucky würde er am liebsten Katzensaft machen, eine Delikatesse seiner Heimat, so die Story.

Nun ist Alf natürlich Alf – und Tiere sollten in der echten Welt mit Respekt behandelt werden. Aber wenn die Erkenntnisse schottischer Forscher auch nur ansatzweise stimmen, dann sollte eher Alf vor der Katze Angst haben als umgekehrt. Und wir gleich mit.

Aber eins nach dem anderen: Es ist schon ein paar Jahre her, dass ein Team sich die Persönlichkeitsstruktur der Hauskatze einmal näher angesehen und diese in einem wissenschaftlichen Fachartikel mit anderen, wilden Katzenarten verglichen hat. Dazu gehörten unter anderem der Schneeleopard und der Afrikanische Löwe. Die Ergebnisse waren aber, man muss das so hart sagen, so verstörend, dass sie seitdem regelmäßig in Artikeln auftauchen, die über die sozialen Netzwerke geteilt werden. Die wichtigste Botschaft lautet dabei: Zwar könnte man denken, dass sich die Hauskatze nach Hunderten, nein Tausenden Jahren der Domestizierung an uns Menschen angepasst haben. Die Forscherinnen und Forscher haben aber herausgefunden, dass das nicht so ist.

Wichtigste Persönlichkeitsmerkmale analysiert

Ganz im Gegenteil: Unsere vermeintlich so liebe Miezekatze könnte demnach versuchen, uns töten zu wollen. Ja, richtig gelesen. Bevor jetzt aber Kritik laut wird: Das sagen nicht wir, das lesen manche Beobachter aus den wissenschaftlichen Ergebnissen heraus. Was die Forscher gemacht haben: Sie haben sich das Verhalten der verschiedenen Katzenarten angesehen und nach fünf Persönlichkeitsmerkmalen gesucht, die bei uns Menschen die wichtigste Rollen spielen. Sie werden auch manchmal als Big Five der Psychologie bezeichnet: Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen, Perfektionismus, Geselligkeit, Sozialverträglichkeit und Neurotizismus.

Interessant ist: Das Erbgut von Katzen gleicht dem der Menschen stärker als bis noch vor Kurzem vermutet.

Beim Vergleich der Persönlichkeitsmerkmale zeigte sich: „Bei allen fünf untersuchten Katzenarten war die Persönlichkeitsstruktur auffallend ähnlich und schien auch mit den Ergebnissen anderer Studien übereinzustimmen, z. B. bei Geparden und Tigern“, so die Forscher. Hauskatzen ähnelten am meisten den Löwen, möglicherweise weil sie in einer halbsozialen Umgebung leben und Löwen die sozialsten Katzen sind.

Eigenschaften wie bei Löwen

Konkret heißt das: Die wichtigsten Eigenschaften unserer Katzen sind Dominanz, Impulsivität und Neurotizismus. „Es ist das, was Katzen tagtäglich tun: ängstlich sein, schüchtern sein, erregbar sein, aggressiv gegenüber Menschen sein, aggressiv gegenüber anderen sein“, sagte Max Wachtel, ein Psychologe aus Denver, der nicht an der Studie beteiligt war. „All das sind Eigenschaften, die man bei diesen niedlichen, kleinen, wuscheligen Hauskatzen sieht, und man sieht sie auch bei Löwen.“ Der entscheidende Unterschied sei, dass die Hauskatze körperlich kleiner sei – wäre sie kräftiger gewachsen, würde sie womöglich versuchen, uns nach dem Leben zu trachten, so Wachtel.

Aber es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: Genau wie Löwen sind auch Hauskatzen verspielt, reizbar und impulsiv lustig. Sie sind nur nicht sehr berechenbar. In einem Moment genießen Katzen schnurrend, dass am sie am Bauch kratzt - und im nächsten beißen sie, damit man aufhört. Hand hoch, wer’s kennt… Man könnte auch sagen: Die Tierchen heißen ja schließlich nicht umsonst Stubentiger.

Ein Raubtier zu Hause

Hauskatzen seien niedlich, pelzig und kuschelig, so Wachtel. Aber man dürfe nicht vergessen, dass man ein kleines Raubtier in sein Heim einlädt, wenn man eine Katze als Haustier hält, so Wachtel. „Katzen können fantastische, süße Gefährten sein - bis sie sich gegen uns wenden.“ Nun wird natürlich niemandem eine ernsthafte körperliche Gefahr durch eine Katze drohen – und dennoch sollten wir den Tieren mit genügend Respekt begegnen.

Denn, auch das haben Forscherinnen und Forscher inzwischen herausgefunden: Katzen können unsere Gefühle verblüffend gut deuten, vergleichbar mit Hunden.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie finnischer Forscher zeigt übrigens, was der eine oder andere Katzenfan sicher längst weiß: Die Persönlichkeit bei Hauskatzen hängt auch entscheidend von der Rasse ab: „Die ängstlichste Rasse war die Russisch Blau, während die Abessinier die am wenigsten ängstlichen waren“, sagt so der Tiermediziner Hannes Lohi von der Universität Helsinki. Die Bengalen seien die aktivste Rasse gewesen, Perser und Exoten die passivste.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 18. September 2021 | 11:27 Uhr

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