Katzen sind uns ähnlicher als gedacht

Das Erbgut von Katzen gleicht dem menschlichen deutlich mehr als bisher angenommen. Vor allem im direkten Vergleich mit Mäusen und Ratten. Doch die vierbeinigen Samtpfoten überraschen uns nicht nur mit ihrer DNA.

Frau kuschelt mit Katze
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Mit keinem Tier verbringen wir so viel Zeit, wie mit unserem Haustier. Vor allem Katzen sind in Deutschland besonders beliebt. Die Genetikerin Leslie Lyons von der University of Missouri in Columbia hat nun herausgefunden, dass wir unseren Stubentigern ähnlicher sind als gedacht: Das Erbgut von Katzen gleicht dem menschlichen deutlich mehr als das von üblichen Versuchstieren, wie Mäusen oder Ratten.

Katzen überraschen uns aber nicht nur mit ihrer ähnlichen DNA, sondern auch mit bemerkenswerten Fähigkeiten. Auch wenn sie bei Experimenten eher weniger kooperativ sind, gibt es einige interessante Studien zur Wahrnehmung unserer Vierbeiner. Oft mögen sie ihre Besitzer nämlich doch lieber, als es die kleinen Fellnasen vielleicht manchmal zu erkennen geben.

Katzen erkennen sogar Stimmen

Die Wissenschaftler Atsuko Saito und Kazutaka Shinozuka zeigten im Jahr 2013, dass Katzen tatsächlich die Stimme ihres Besitzers erkennen können. Dabei spielten sie den untersuchten Katzen Tonaufnahmen vor, auf denen sie von ihrem Besitzer oder anderen Menschen gerufen wurden. Wenn eine vertraute Stimme zu hören war, reagierten die Katzen am stärksten. Übrigens nicht, indem sie sich zur Stimme hinbewegten, wie es z.B. Hunde machen würden. Katzen bewegten vor allem ihre Ohren und den Kopf.

"Miau" zur Aufmerksamkeit

Seit rund 10.000 Jahren leben Menschen und Katzen zusammen. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Menschen hatten einen Gefährten und Katzen jemanden, der sie bediente. In dieser Zeit haben die Vierbeiner aber auch gelernt, mit uns zu kommunizieren.

Der Zoologe John Bradshaw hat sich auf das Zusammenleben von Menschen und Tieren spezialisiert. Laut ihm würden wieder ausgewilderte Katzen vielleicht einmal alle hundert Stunden miauen. Hauskatzen miauen also vor allem, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Laut der Tierärztin Daphne Ketter von der Ludwig-Maximilians-Universität München ist es durchaus möglich, dass sich bestimmte Laute durchgesetzt haben, weil sie der Katze Erfolg gebracht haben.

Eine graue Katze gähnt
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Katzen sind schlaue Tiere. Sie wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen.

Haben Katzen Trennungsangst?

Claudia Edwards und ihr Forschungsteam führten 2007 einen Test durch, um die Bindung zwischen Katzen und ihren Besitzern besser zu verstehen. Dabei stellten sie fest, dass Katzen länger Körperkontakt zu ihrem Halter suchten als zu einer fremden Person. Außerdem liefen sie ausschließlich ihrem Menschen hinterher und spielten auch nur mit diesem.

Wenn Katzen von ihren Bezugspersonen getrennt werden, zeigen sie außerdem ein höheres Stressverhalten. Das zeigte sich durch Urin- und Kotabsatz an unpassenden Stellen, übermäßige Lautäußerung oder sogar Zerstörungsdrang.

Wie innig ist die Beziehung zu unseren Vierbeinern?

Ein Team rund um Verhaltensforscherin Kristyn Vitale von der Oregon State University konnte außerdem etwas Bemerkenswertes feststellen: Die Bindung zwischen Katzen und ihren Haltern scheint ähnlich tief zu sein, wie bei Hunden und ihren Menschen. Mehr als die Hälfte der untersuchten Katzen reagierten beim Experiment freudig und offen, wenn ihr Mensch nach einer kurzen Trennung zu ihnen zurückkam. Ähnliche Ergebnisse gab es auch bei vergleichbaren Studien mit Hunden. Für einige Katzen sind ihre Menschen also scheinbar doch mehr als nur Dosenöffner.

Lieber schmusen oder spielen statt Leckerlis

Aus dem Wissen über die enge Bindung vieler Katzen an ihre Menschen lässt sich außerdem ein hilfreicher Tipp ableiten: Wer seiner Katze eine Freude machen oder sie für ein Verhalten loben will, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Leckerli das höchste Lob darstellt. Viele Katzen finden es schöner, wenn ihr Mensch mit ihnen spielt oder sogar schmust. Im Endeffekt kommt es aber immer auf die Persönlichkeit der jeweiligen Katze an.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. August 2021 | 11:27 Uhr

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