Urteil der Woche: Sind Luftgewehrschüsse auf eine Katze Tierquälerei?

Ein Mann hatte auf die Katze der Nachbarin geschossen. Im Körper des Tieres wurde das Geschoss beim Röntgen gefunden. Über das Urteil des Gerichtes zu diesem Fall dürften viele Katzenhalter den Kopf schütteln.

Eine Katze rennt auf einer Straße.
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Für Katzenbesitzer gehört die Samtpfote zur Familie. Für sie ist es kaum zu ertragen, wenn jemand ihrem Haustier weh tut.

Tierquälerei oder Sachbeschädigung?

Ein Mann aus Eppstein in Hessen hatte mit seiner Nachbarin offenbar schon häufiger Streit. Es ging um die Katzen der Frau. MDR JUMP-Rechtsexperte Thomas Kinschewski kennt den Fall:

Der Mann, ein Pilot, hatte irgendwann die Nase voll von der Katze. Er griff zum Luftgewehr, schoss und traf auch. Die Frau ging dann mit dem Tier zum Tierarzt und der fand die Kugel im Rücken der Katze. Und ein Gutachter hat auch festgestellt, dass das Geschoss auch wirklich von dem Luftgewehr des Nachbarn stammt.

Die Frau zeigte den Mann an. Das zuständige Amtsgericht verurteilte den Piloten wegen Tierquälerei zu einer hohen Geldstrafe. Der Mann sollte 16.100 Euro zahlen und ging dagegen in Berufung. Über die musste jetzt das Landgericht Frankfurt entscheiden und kam zu einem überraschenden Urteil, so Thomas Kinschewski.

Das wird Katzenfans nicht gefallen. Das Landgericht hat die Strafe von über 16.000 auf knapp 2.000 Euro herabgesetzt. Denn ein Tierarzt hat bestätigt, dass die Kugel aus dem Luftgewehr dem Tier keine 'wesentlichen erheblichen Schmerzen' zugefügt habe. Damit sei der Tatbestand der Tierquälerei nicht erfüllt.

Das Gericht begründete das Urteil so: Für eine Verurteilung wegen Tierquälerei müssten "erhebliche Schmerzen vorliegen". Die Tat des Mannes sei daher als Sachbeschädigung zu werten.

Tierquälerei kann in Deutschland mit Gefängnis bestraft werden

In Deutschland ist gesetzlich geregelt, wann sich jemand wegen Tierquälerei verantworten muss: Das steht im §17 im Tierschutzgesetz.

Ganz konkret verboten ist das Töten eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund oder dem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen und Leiden zuzufügen oder das Ganze über eine längere Zeit zu machen.

Das kann mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren geahndet werden.

Aktenzeichen zum Urteil zu den Schüssen auf eine Katze: 8910 Js 205306/18

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 19. Dezember 2020 | 12:10 Uhr

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