Müssen Kassenbons in den Restmüll oder in den Papiermüll?

10.01.2019 | 15:19 Uhr

Seit 1. Januar gilt die umstrittene Kassenbonpflicht. Bäcker, Friseure und Einzelhändler müssen ab Januar Kassenzettel an ihre Kunden ausgeben. Seitdem steht die Frage im Raum: Müssen Kassenbons in den Restmüll oder können sie in den Papiermüll?

Kassenbons
Bekommen wir immer öfter: Kassenbons Bildrechte: imago images/teamwork

In Deutschland gibt es eine Bonpflicht. Doch die meisten Kassenzettel landen sofort im Müll. Allein im Jahr 2018 wurden in der EU 491.000 Tonnen Thermopapier hergestellt. Laut Umweltbundesamt ist die Tendenz steigend. Der Verband Deutscher Papierfabriken weist nun darauf hin, dass die Kassenbons in den Papiermüll geworfen werden können. Verbandssprecher Gregor Andreas Geiger sagte dem MDR:

Thermopapiere können heute unbedenklich ins Altpapier gegeben werden. Das bislang darin enthaltende Bisphenol A ist seit dem 1. Januar 2020 durch eine EU-Verordnung verboten und die Hersteller haben bereits im vergangenen Jahr auf alternative Stoffe umgestellt.

Gregor Andreas Geiger, Verband Deutscher Papierfabriken

Umweltbundesamt widerspricht

Doch diese Einstellung teilen die Experten für Zellstoffe und Papiere vom Umweltbundesamt in Dessau nicht. In einem Dokument mit Fragen und Antworten zur Bonpflicht, welches MDR JUMP exklusiv vorliegt, wird weiterhin empfohlen, Kassenbons über den Restmüll zu entsorgen.

Vermutlich hormonell wirksame Stoffe enthalten

Zwar hat die EU den Einsatz vom schädlichen Bisphenol A in Thermopapier verboten, seitdem wird laut Umweltbundesamt vermehrt der Stoff Bisphenol S genutzt.

Dieser Stoff ist strukturell ähnlich zu Bisphenol A. Deshalb wird angenommen, dass die Wirkungen ähnlich sind.

Almut Reichart, Papierexpertin beim Umweltbundesamt

Zu den Nebenwirkungen gehört, dass dieser Stoff wie ein Hormon wirken kann. Dadurch könnten die Sexualfunktion und die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen beeinträchtigt werden. Allerdings gibt es zu Bisphenol S zu wenige Studien, die derzeit ein Verbot bewirken könnten.

Es gibt Alternativen

Es gibt umweltfreundliche Alternativen für Kassenbons. Diese sind laut den Experten des Umweltbundesamtes allerdings vermutlich aus Kostengründen kaum verbreitet.

Es gibt Thermopapiere, die keine Farbentwickler enthalten. Sie sehen ähnlich aus. Da sind nur Stoffe enthalten, die unkritisch sind.

Almut Reichart, Papierexpertin beim Umweltbundesamt

Für Verbraucher sei es aber kaum erkennbar, ob ein Papier unkritisch ist, oder nicht. Eine entsprechende Kennzeichnung gibt es derzeit nicht.

Vorsichtsmaßnahme: Kassenbons in den Restmüll

Aufgrund der vermuteten negativen Auswirkungen empfiehlt das Umweltbundesamt, alle Kassenbons nicht in das Altpapier zu werfen. Damit soll verhindert werden, dass die potenziell schädlichen Stoffe dem Kreislauf der Weiterverwertung von Stoffen zugeführt werden.

Kassenbon
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 10. Januar 2020 | 11:00 Uhr

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