Woher weiß ich, ob die Corona-Impfung gewirkt hat?

Ob die Spritze gewirkt hat oder nicht, das fragen sich derzeit viele Geimpfte. Vor allem, wenn die Nebenwirkungen ausbleiben. Kann der Corona-Impferfolg irgendwie nachgewiesen werden?

Medizintechniker bereiten im Institut für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen.
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"Ich habe nach der Impfung überhaupt nichts gemerkt. Hat die überhaupt gewirkt?" Einige Menschen stehen den Corona-Impfstoffen kritisch gegenüber. Wenn dann auch noch die Nebenwirkungen ausbleiben, werden Zweifel noch größer. Der Impferfolg kann im Labor aber nur schwer gemessen werden.

Antikörpertest

Der Berufsverband der deutschen Laborärzte forderte Ende März, dass alle Geimpften einen Anspruch auf einen kostenfreien Antikörpertest im Labor erhalten sollten. Das Konzept wäre dabei relativ einfach: Man könnte sich beim Hausarzt oder im Labor sein Blut abnehmen und die Menge der Sars-CoV-2-IgG-Antikörper bestimmen lassen. Da gibt es allerdings ein Problem:

Wir wissen einfach bei Sars-CoV-2 nicht, welcher Wert, welcher Titer notwendig ist, damit man vor der Infektion geschützt ist.

Impfdosen werden vorbereitet
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Sagt Dr. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter Impfstoffe und Infektionsmodelle am Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig. Durch jahrelange Erfahrung und zahlreiche Studien kenne man diese Werte bei anderen Impfstoffen. Bei Corona ist es noch zu früh, um sichere Aussagen treffen zu können. Bei Covid-19 kommen nicht nur die Antikörper ins Spiel, sondern auch die sogenannte zelluläre Immunität, also T- und B-Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Bei denen gestaltet sich der Nachweis über den bestehenden Schutz aber noch schwieriger.

Neutralisationstest

Mit dem Neutralisationstest kann man erfahren, ob man aktuell über effektive Antikörper verfügt. Dr. Sebastian Ulbert sagt:

Das geht nur in einem S-3-Labor, einem Hochsicherheitslabor, wie wir es hier bei uns am Fraunhofer-Institut haben.

Als einfache Methode zur Prüfung des Impferfolgs für jeden Geimpften kommt der Neutralisationstest aber nicht in Frage. Schließlich könne man aus den Folgen dieser Tests auch noch keine Folgen für die geimpften Personen ableiten. Man müsste dann nämlich noch herausfinden ob es zum Beispiel sinnvoll wäre noch eine Dosis des Impfstoffs zu verabreichen oder es komplett mit einem anderen Impfstoff zu versuchen. Da die klinische Forschung auch in diesem Feld noch nicht so weit ist, machen diese Tests noch wenig Sinn. Zumindest können sie so noch keine Kassenleistung sein.

In die eigene Tasche greifen

Wenn die Schwellwerte erforscht und definiert sind, könnten Antikörpertests für alle verfügbar sein und eingesetzt werden. Momentan sind Hausärzte in ganz Deutschland aber auch zu sehr damit beschäftigt zu impfen. Da bleibt wenig Zeit dafür, bei Patienten Blutproben zu nehmen, für die es nur aus Interesse wichtig sei.

Wir müssen jetzt vor allem impfen, impfen, impfen.

Sagt Mediziner Klaus Heckemann, Vorstand der Vereinigung der Kassenärzte in Sachsen MDR WISSEN. Wer es aber nicht abwarten kann und seine Antikörperwerte sofort wissen will, kann das auf eigene Rechnung bei vielen medizinischen Labors tun. Im Handel gibt es zusätzlich Antikörper-Schnelltests. Die zeigen wenigstens an, ob man überhaupt Antikörper gegen das Virus hat oder nicht.

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