Jugendliche verbringen mehr Zeit beim Zocken

Eine neue Studie hat das Gamingverhalten von Jugendlichen untersucht. Erste Ergebnisse gäben Anlass zur Sorge.

Ein Junge sitzt auf einem Bett und zockt
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Während des Lockdowns hätten Jugendliche etwa 75 Prozent mehr Zeit mit Computerspielen verbracht, heißt in einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAK, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Durchschnittlich 139 Minuten hätten Jugendliche laut der Studie mit Zocken verbracht. Vor dem Lockdown lag die Durchschnittszeit bei 79 Minuten.

Keine Regeln

Ähnliches ist laut der Studie auch bei der Nutzung von WhatsApp, Youtube, TikTok und Co. zu beobachten gewesen: Hier stieg die Nutzungsdauer um 66 Prozent. Durchschnittlich hingen Jugendliche während des Lockdowns 193 Minuten am Tag in sozialen Netzwerken.

Ein junger Mann sitzt mit einem Headset vor einem Laptop und spielt ein Computerspiel
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Für die Macher der Studie sind die Zahlen "alarmierend". Schon vor dem Lockdown hätten fast 700.000 Kinder und Jugendlichen riskantes oder krankhaftes Nutzungsverhalten bei Games gezeigt. Andreas Storm, der Vorstandschef der DAK, befürchtet nun, dass die Corona-Krise die Situation zusätzlich verschärft: "Es gibt erste Warnsignale, dass sich die Computerspielsucht durch die Pandemie ausweiten könnte".

Studienleiter Rainer Thomasius die Tatsache besonders Sorge, dass es in den Familien wenig Regeln zur Mediennutzung gebe. Gerade mal die Hälfte der befragten Familien habe solche Regeln, einem Drittel sei es egal. Die Zahl hat sich während des Lockdowns kaum verändert. Auch im Vergleich zu älteren Studien habe sich da nichts geändert.

Pilotprojekt zur Prävention

Zusammen mit dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte hat die Krankenkasse deshalb ein Pilotprojekt gestartet: das sogenannte Mediensuchtscreening. Das soll ab Oktober im Rahmen der Jugendvorsorgeuntersuchungen angeboten werden.

Bei Anzeichen einer Computerspielsucht soll es dann weitere Beratungsangebote geben oder an einen Kinder- und Jugendpsychiater weiterverwiesen werden. Das Pilotprojekt wird erstmal nur in fünf Bundesländern angeboten, unter anderem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Daniela Ludwig, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat heute außerdem zusammen mit Digital-Staatsministerin Dorothee Bär eine Initiative vorgestellt, die für mehr gemeinsamen Medienkonsum von Eltern und Kinder wirbt. Unter dem Titel "Familie.Freunde.Follower" sollen Eltern dazu angehalten werden, ihren Medienkonsum und den ihrer Kinder besser im Blick zu behalten, zeitlich zu begrenzen und mit ihnen gemeinsam Zeit zu verbringen.

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