Marsmission mit Thüringer Beteiligung

Experten aus Thüringen sind an der aktuellen Mars-Mission der NASA an wichtigen Stellen dabei. Hier erklären wir, wie das Know How aus dem Freistaat die Mission des Roboterautos „Perseverance“ möglich macht. Und wir verraten, warum die perfekte Astronautinnen-Kandidatin für einen Flug zum Mars aus Sachsen-Anhalt kommt.

Illustrationen von Mars Rover 2020
Illustrationen des Mars-Rovers Perseverance zur NASA-Mision "Mars 2020". Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Dass sie sich in Thüringen mit Technik für den Weltraum auskennen, das weiß man bei uns in der Region spätestens seit dem legendären Flug von Sigmund Jähn. Der erste Deutsche im All hatte bei seiner Reise zur sowjetischen Raumstation „Saljut 6“ im Sommer 1978 schließlich die Multispektralkamera „MFK-6“ vom VEB Carl Zeiss Jena an Bord. Genau genommen war das optische Instrument sogar der Grund, warum die Sowjets den Kosmonauten aus dem Bruderland überhaupt mit ins All nahmen. Das Ganze war sozusagen ein Tauschgeschäft.

Seitdem ist Technik aus Thüringen bei vielen weiteren Weltraummissionen im Einsatz gewesen. So ermöglichte zum Beispiel ein Sensor von Jena-Optronik dem unbemannten europäischen Frachter „ATV“ erst das Andocken an die Internationale Raumstation. Technik der Firma kommt ebenfalls bei einem System kosmischer Pannenhelfer zum Einsatz, mit dem altersschwache Satelliten wieder aufgepäppelt werden können. Auch im revolutionären Raumfahrzeug „Dream Chaser“, das im Auftrag der Nasa zu ISS fliegen soll, sind Sensoren von Jena-Optronik im Einsatz.

Jenaer Objektive auf dem Mars

Nun fliegen Bauteile aus dem Freistaat sogar hinaus in die Weiten des Sonnensystems! Die aktuelle Mars-Mission der Nasa ist gerade auf dem Weg. Und hier ist zum Beispiel die Jenoptik AG ist beteiligt. Dort hat man Objektive für die Kameras des neuen Mars-Rovers „Perseverance“ - das heißt so viel wie Beharrlichkeit – entwickelt. Wenn das Roboterauto also wie geplant im kommenden Februar auf sanft auf der Planetenoberfläche landet und dort Fotos schießt, ist das auch Verdienst der Experten von Jenoptik.

„Wir fühlen uns geehrt, Teil der Mars-Mission 2020 zu sein“, sagt Jay Kumler, Präsident der Jenoptik Optical Systems in Nordamerika. An insgesamt drei Kamerasystemen der Mission ist seine Firma beteiligt: Da sind zum einen die beiden Navigationsobjektive. Sie sind hoch oben auf dem Mast des Rovers montiert und werden das erste Live-Videomaterial von der Mission aufnehmen, während der Rover die Oberfläche erkundet. Zum anderen gibt es noch insgesamt sechs Objektive zur Gefahrvermeidung - vier vorn und zwei hinten am Rover -, mit denen Felsblöcke, Löcher und andere Hindernisse erkannt werden sollen.

Im Inneren des Fahrzeugs gibt es schließlich noch eine dritte Kamera, an der Jenoptik mitgearbeitet hat. „Perseverance“ soll nämlich besonders spannende Gesteinsproben einsammeln und in seinem Inneren aufbewahren. Es geht, wenn alles gut läuft, um mögliche Hinweise auf früheres oder womöglich sogar aktuelles Leben auf dem Mars. Das sind keine Grünen Männchen oder so, aber vielleicht lassen sich im Gestein Spuren von Mikroorganismen finden. Das müsste dann auf der Erde nochmal genau untersucht werden. Mit einer späteren Mission sollen die Proben daher zu uns zurückgebracht werden. Und die Kamera sorgt jetzt dafür, dass sie auch richtig eingelagert werden bis dahin.

Thermo-Sensoren aus Jena

Und damit nicht genug: Ein Forschungsteam des Jenaer Leibniz-Institutes für Photonische Technologie hat für die Mission außerdem noch Thermo-Sensoren beigesteuert, die berührungslos die Oberflächentemperatur auf dem Mars messen sollen. Dabei geht es darum, die Bedingungen auf dem roten Planeten besser zu verstehen. Die am Hals des Mars-Rovers verbauten Sensoren sind Teil eines Instrumentenpakets, das ein Forschungsteam der spanischen Weltraumorganisation zusammengestellt hat.

Für die Beteiligung der Jenaer Wissenschaftler sprach auch ihre Erfahrung, sie hatten nämlich unter anderem schon für die Mars-Roboter „Curiosity“ (in Betrieb seit 2012) und „Insight“ (in Betrieb seit 2018) Sensoren geliefert. Doch Routine ist das trotzdem nicht.

Ein Weltraum-Einsatz ist jedes Mal aufs Neue etwas Besonderes. Und er ist jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Denn man hat nur einen Versuch: Ist die Mission einmal gestartet, müssen die Sensoren funktionieren. Wir haben keine Möglichkeit, noch etwas nachzujustieren.

Gabriel Zieger vom Leibniz-Institut

Doch die Welt vertraut den Sensoren aus Thüringen: Anfragen für künftige Weltraum-Missionen, sagt Forscher Zieger, seien bereits eingegangen.

Mars-Kandidatin aus Sachsen-Anhalt

Und wenn eines Tages auch mal Menschen zum Mars fliegen sollten, hätten wir hie bei uns in der Region eine perfekte Kandidatin. Die Physikerin Christiane Heinicke aus Wolfen in Sachsen-Anhalt, die an der Technischen Universität Ilmenau studiert hat, war schließlich bereits Teil einer 365 Tage dauernden Mars-Simulation der NASA. Sie war dabei zwar nicht im Weltraum unterwegs, aber mit fünf anderen Freiwilligen in einem Habitat auf halber Höhe des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii isoliert.

Wir durften nur nach draußen gehen, wenn wir simulierte Raumanzüge angezogen haben. Und wenn wir mit anderen Menschen kommunizieren wollten, dann ging es nur per E-Mail und immer mit einer zwanzigminütigen Verzögerung, um die Entfernung zwischen Erde und Mars zu simulieren.

Physikerin Christiane Heinicke aus Wolfen über die Mars-Simulation

Am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation der Universität Bremen hat Heinicke dann sogar am Design eines Mars-Habitat für zukünftige Missionen mitgearbeitet. Wäre doch gelacht, wenn sie nicht die perfekte Expertin wäre, um es auch auszuprobieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 01. August 2020 | 13:40 Uhr

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