Ist Lakritze tödlich?

Ihr liebt sie oder Ihr hasst sie – dazwischen gibt’s bei Lakritze eigentlich nichts. Doch womöglich beeinflusst diese neue Studie aus den USA Eure Meinung.

Doppelt gesalzenes Lakritz
Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

An Lakritze scheiden sich die Geister. Gut zwei Millionen Menschen in Deutschland – die Zahlen gehen übrigens jedes Jahr ein bisschen nach unten - geben an, dass sie die Süßigkeit aus dem eingedickten Saft der Süßholzwurzel mindestens einmal pro Woche essen. Dem gegenüber steht eine mehr als 40 Millionen Menschen umfassende Gruppe der Lakritz-Verächter. International stehen vor allem die Nordeuropäer, aber auch die Niederländer an der Spitze der Lakritz-Ranglisten. Dort wird pro Kopf teils zehn Mal so viel gegessen wie bei uns.

Im Normalfall dreht sich die Diskussion um Lakritze um die Süßigkeit um den – je nach Produkt - ziemlich intensiven Geschmack. Doch ein Bericht aus den USA fügt der Debatte jetzt eine neue Dimension hinzu. Es geht um nicht weniger als die Frage, ob Lakritze gesundheitsschädlich ist, im Extremfall sogar tödlich.

Im Labor effektiv gegen das Coronavirus

Fans der pechschwarzen Leckerei werden nun vermutlich von der segensreichen Wirkung des Inhaltsstoffes Glycyrrhizin sprechen. Der wirkt, das wissen Forscher bereits, im Labor tatsächlich gegen Pilze, aber auch gegen Krankheitserreger wie das Hepatitis C sogar das Coronavirus. Allerdings kann er auch den Nährstoffhaushalt des Körpers durcheinanderbringen. Und genau das ist im Fall eines 54 Jahre alten Amerikaners wohl passiert.

Im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ berichten Ärzte vom Tod des Mannes. Er war in einem Fast-Food-Restaurant bewusstlos zusammengebrochen, später wurde ein Herzstillstand festgestellt. Und daran war offenbar tatsächlich die Lakritze schuld, die der Mann zuvor in rauen Mengen zu sich genommen hatte. Über Wochen hatte er jeden Tag anderthalb Packungen gegessen.

Die stetige Versorgung mit Glycyrrhizin sorgte dabei dafür, dass der Körper des Mannes viel zu viel von dem Mineral Kalium ausschied. Dadurch stieg der Blutdruck auf Werte, die dem Patienten irgendwann zum Verhängnis wurden. „Selbst eine kleine Menge Lakritz, die man isst, kann den Blutdruck ein bisschen erhöhen“, warnt der Kardiologe Neel Butala vom Massachusetts General Hospital. Er ist einer der Autoren des Fallberichtes, in dem das Schicksal des Lakritz-Liebhabers vorgestellt wird.

Auch Schwangere sollten kein Lakritz essen

Zu viel Glycyrrhizin kann auch für Wassereinlagerungen im Gewebe sorgen, für Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen. Damit der Stoff nicht zur Gefahr für Verbraucher wird, muss ab einem Gehalt von 0,4 g/100 g Glyzyrrhizin in der Lakritze in Deutschland ein Warnhinweis auf die Packung: „Enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“. Schwangere sollten besser auch kein Lakritz essen.

Auch der Stoff Ammoniumchlorid, besser bekannt als Salmiak, kann in manchen - und zwar den salzigen - Lakritzen vorkommen. Auch er kann bei regelmäßigem und hohem Konsum Probleme machen, vor allem im Säure-Basen-Haushalts des Körpers. Auch hier müssen Produkte bei einer höheren Konzentration Warnhinweise tragen.

Der Fall des verstorbenen Amerikaners darf aber über eines nicht hinwegtäuschen: Kleinere Mengen an Lakritz sind ungefährlich. Als Grenzen gelten 50 g Erwachsenenlakritz oder 100 g Kinderlakritz pro Tag. Die sollte man bedenkenlos essen können.

Und da, aber das sagten wir ja schon, scheiden sich eben die Geister. Zur privaten Meinungsbildung haben wir allerdings noch einen wichtigen Hinweis: Männer, die viel Lakritz naschen, haben wohl weniger Lust auf Sex. Das liegt daran, dass der Testosteronspiegel sinkt. Nur so als Tipp…

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 26. September 2020 | 13:10 Uhr

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