Würdet ihr Fleisch aus dem 3D-Drucker essen?

Umweltschutz und Tierwohl – das sind gleich zwei Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Manchem schmeckt es auch einfach zu gut. Könnte Fleisch aus dem Labor eine Alternative sein? Eine steigende Zahl von Deutschen sieht das so.

Frau und 3D-Drucker
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Egal ob Schnitzel, Bratwurst oder Hack – in den Supermärkten unserer Region ist längst eine große Auswahl an Fleischersatzprodukten zu finden. Hergestellt werden sie zum Beispiel aus Sojabohnen, Seitan, Grünkern, Lupine, Linsen oder Haferflocken. Und weil immer mehr Menschen zu vegetarischen und veganen Lebensmitteln greifen, ist der Fleischkonsum in Deutschland zuletzt zurückgegangen. Das ist sinnvoll, zum einen aus Umweltgründen, fürs Klima vor allem, zum anderen wegen des Tierwohls.

Nun wird es allerdings immer Leute geben, die sagen, dass ihnen der Fleischersatz nicht schmeckt. Bei manchen ist das vielleicht auch einfach nur eine Ausrede – bei anderen wiederum eine Tatsache. Unter anderem für solche Leute könne eine Technologie interessant sein, an der Forscherinnen und Forscher schon seit einigen Jahren arbeiten: Es geht um Laborfleisch. Das ist tatsächlich echtes Fleisch, es wurde aber nicht durch das Schlachten von Tieren gewonnen – sondern aus tierischen Zellen gezüchtet.

Noch nicht massenmarkttauglich

Das heißt: Man entnimmt einem lebenden Tier einmal bei einem kleinen Eingriff Muskel- und Fettzellen. Diese werden dann in einem Bioreaktor unter möglichst optimalen Bedingungen mit einer pflanzlichen Nährlösung angezüchtet. Die vermehrten Zellen können dann beliebig geformt werden, zum Beispiel mit einem 3D-Drucker. Massenmarkttauglich ist das Verfahren noch nicht, vor allem weil es teuer ist, aber es bewegt sich mit großen Schritten auf genau diesen Punkt zu.

Zumindest in Singapur ist ein solcher Fleischersatz auch bereits zugelassen. Und eine brandneue Umfrage zeigt: Auch in Deutschland können sich mehr und mehr Menschen vorstellen, so erzeugtes Fleisch aus dem 3D-Drucker zu verzehren. In Auftrag gegeben hatte die Umfrage der Digitalverband Bitkom.

Kategorische Ablehnung geht zurück

Demnach hält es ein Sechstel (17 Prozent) der Bundesbürgerinnen und -bürger zumindest für denkbar, sich so zu ernähren. Vor zwei Jahren hatte die Zustimmung noch bei nur 13 Prozent gelegen. Gleichzeitig sinkt dem Verband zufolge die Skepsis: Zwar wollen 24 Prozent künstlich hergestelltes Fleisch eher nicht probieren und etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) will das sogar auf keinen Fall – aber im Jahr 2019 lag der Anteil mit kategorischer Ablehnung noch bei 62 Prozent.

„Zunehmend mehr Menschen sind sich der Auswirkungen des Fleischkonsums auf Umwelt und Klima bewusst und bereit, dafür alternative Wege zu gehen. Manchen fällt es dennoch schwer, ihre Essgewohnheiten umzustellen, und viele wollen auf Fleisch nicht verzichten. An dieser Stelle kann die digitale Fleischproduktion etwa aus dem 3D-Drucker eine Lösung sein“, so Andreas Schweikert vom Bitkom.

Die Umfrage hat übrigens auch gezeigt: Frauen (51 Prozent) sind insgesamt eher dazu bereit, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu sich zu nehmen als Männer (38 Prozent). 10 Prozent essen schon länger weniger oder gar kein Fleisch mehr.

Weltweit gesehen wächst der Fleischverbrauch übrigens bis heute rapide. Der Pro-Kopf-Wert liegt mit knapp 43 Kilogramm pro Jahr noch deutlich niedriger als bei uns. Wir kommen bundesweit auf rund 78 Kilogramm, in unseren Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen wir noch über dem Deutschlandschnitt. Selbst wenn bei uns die Mengen perspektivisch sinken dürften, gehen sie in anderen Ländern wohl weiter nach oben. Und auch hier könnte Fleisch aus dem Labor helfen – weil die Umwelt selbst bei steigenden Mengen im Idealfall weniger belastet wird. Wobei das Bild eben etwas kompliziert ist.

Bei den Emissionen des Klimagases Methan ist Laborfleisch echt im Vorteil, beim CO2 sieht die Sache nicht ganz so gut aus. Hier schlägt der hohe Stromverbrauch bei der Herstellung des Fleischersatzes zu Buche, wie eine Studie britischer Forsche belegt. Sollte allerdings statt aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas der Strom aus regenerativen Quellen erzeugt werden, würde dies die CO2-Emissionen senken - und damit auch die Folgen für das Klima erheblich verkleinern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 28. August 2021 | 06:50 Uhr

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