LEA übers Schlussmachen und ihre Selbstzweifel

Lea kann zwei Gold- und eine Platin-Single vorweisen und wohnt trotzdem noch ganz bescheiden in einem Mehrfamilienaltbau in Berlin. Tatsächlich hat dieser Wohnort sie auch zu ihrem Album- und Single-Titel „Treppenhaus“ inspiriert. Mehr als dreißig Parteien leben in ihrem Haus und trotzdem kenne sie keinen der Nachbarn näher. Das „Treppenhaus“ ist für sie ein mysteriöser Ort zwischen den sicheren vier Wänden und der Welt da draußen. Im gleichnamigen Song nutzt Lea dieses Bild als Metapher für eine Beziehung die nicht richtig funktioniert, aber auch noch nicht vorbei ist. Neben viel Liebeskummer geht es auf Leas Album auch um Freundschaft und ihre Familie.

Das mutigste Stück ist allerdings „Okay“. In diesem Song legt Lea ihre Selbstzweifel offen und besingt depressive Phasen, in denen sie sich lieber unter der Bettdecke verkriecht, anstatt mit ihren Freunden auszugehen. Hier heißt es: „Will da raus, aber ich bleib' hier. Ich tu' mir selber weh. Kann nicht pennen, ist schon halb vier. Bin ich so okay?“ Ein Thema das Lea schon länger auf der Seele brannte.

Dieser Song hat einfach Zeit gebraucht. Es war auch wichtig, dass dieser Song nicht auf dem ersten Album war, weil ich glaube an sowas muss man sich herantasten. Man macht sich mit sowas ja auch super angreifbar und verletzlich.

Die von ihr erwarteten Hasskommentare sind ausgeblieben. Dafür regnete es Verständnis und ähnliche Geschichten von Fans in den sozialen Netzwerken.

Und dann spreche ich Lea noch auf ihr Engagement für Frauen in der Musikbranche an. „Generell die Entertainment-Branche, ob es jetzt der Film ist oder die Musik, ist doch schon sehr männerdominiert.“, sagt sie. „Ich habe eine Studie gelesen: 79% der Plattendeals gingen letztes Jahr an Männer und 21% an Frauen. Da denkt man sich nur, das kann doch nicht sein. Wie können diese Zahlen nur so ungleich sein?“ Auch Festival-Lineups bestünden vorrangig höchstens zu einem Viertel aus Künstlerinnen. An dieser Ungleichheit müsse sich etwas ändern. Lea selbst versteht sich als positives Gegenbeispiel und möchte ihre Popularität nutzen um andere Künstlerinnen zu unterstützen und auf das Problem aufmerksam zu machen.

Im langen Videointerview verrät Lea dann noch, warum sie mit Capital Bra nicht privat „abhängen“ würde und warum sie einst mit einem Eimer Wasser beworfen wurde. Obendrein gibt es noch ein spontanes Ständchen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 22. Juni 2020 | 21:50 Uhr

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