Intelligenz kann man an den Augen ablesen

Verliebte und solche, die es werden wollen schauen sich gern und ausdauernd in die Augen. Forschende haben jetzt herausgefunden, dass sie dabei interessante Entdeckungen machen können.

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Es ist einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte. Und er wird meistens falsch zitiert. Als Humphrey Bogart in der Rolle des Nachtclubbesitzers Rick Blaine im Film „Casablanca“ der hübschen Ilsa Lund alias Ingrid Bergman zuprostet, sagt er nämlich gar nicht „Schau mir in die Augen, Kleines“. Stattdessen äußert er sich wie folgt: „Ich schau dir in die Augen, Kleines“. Ist ja doch ein wichtiger Unterschied.

Unabhängig davon schauen sich ja Verliebte und solche, die es werden wollen, gern und vor allem ausdauernd in die Augen. Wie ist die oder der andere so drauf? Hat sie Lust auf mehr? Wie möchte ich mir die Zukunft mit dieser Person vorstellen? Welche Eigenschaften hat sie? Auf viele dieser Fragen verspricht ein tiefer Blick in die Augen ja vielleicht ein paar Hinweise. Ob unsere Pupillen weit oder eng sind, hat nicht nur mit den Lichtverhältnissen oder dem Konsum womöglich anregender Substanzen zu tun. Dort lassen sich auch Gefühle ablesen. Die unbewusste Reaktion lässt sich nicht ohne weiteres steuern und ist deswegen für das Gegenüber als Informationsquelle besonders interessant.

Größe ist eben doch wichtig

Neue Forschungsergebnisse legen nun noch einen anderen, bisher weitgehend unbekannten Zusammenhang nahe. An den Pupillen lässt sich offenbar auch ablesen, wie intelligent eine Person ist. Das berichten Forschende vom Georgia Institute of Technology in den USA im Fachmagazin „Cognition“. Konkret wollen sie folgenden Effekt entdeckt haben: Je größer die Pupillen, desto besser schnitten Probanden bei Tests ab, in denen logisches Denken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis geprüft wurden.

Und dabei geht es tatsächlich um Veränderungen der Pupillengröße, die auch ohne spezielle Messgeräte mit bloßem Auge zu erkennen sind – so groß ist der Unterschied zwischen den besten und den schlechtesten Teilnehmern der Tests.

Abgedunkeltes Labor

Der Psychologe Daniel Kahnemann hatte bereits vor einem halben Jahrhundert herausgefunden, dass die Erweiterung der Pupillen Hinweise auf die Anstrengung bei Probanden liefern kann. Auf diese Erkenntnis baute das Team um den Forscher Jason Tsukahara nun auf. Für ihre Studien mit mehr als 500 Testpersonen im Alter von 18 bis 35 Jahren vermaßen sie zunächst mit einer Hochleistungskamera und einem Computer die Pupillen, während die vier Minuten auf einen leeren Computerbildschirm schauten. Das Labor war während des Tests übrigens abgedunkelt.

Dann mussten die Teilnehmenden Denksportaufgaben am Computer lösen, bei denen es vor allem um die Fähigkeit ging, bisher unbekannte Probleme zu meistern. Dabei wurde auch das Arbeitsgedächtnis getestet und die Fähigkeit, sich Informationen über einen bestimmten Zeitraum zu merken. Außerdem wurde geschaut, wie gut sich die Männer und Frauen bei Ablenkungen auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren konnten.

Bei der Auswertung fanden die Forschenden dann heraus, eine größere durchschnittliche Pupille tatsächlich mit einer höheren Fähigkeit zur Problemlösung und einer besseren Aufmerksamkeitskontrolle zusammenhängt. Interessant war, dass es außerdem wohl auch einen Zusammenhang bei Alter gab: Je älter, desto kleiner – im Schnitt – die Pupillen. Doch selbst wenn man diesen Effekt herausrechnete, blieb der Zusammenhang zwischen Pupillengröße und Intelligenz bestehen.

Kontakt halten mit verschiedenen Hirnregionen

Das Team vermutet, dass ein bestimmtes Areal im oberen Hirnstamm für den beobachteten Effekt verantwortlich ist: der Locus coeruleus. Hier wird nämlich unter anderem der Botenstoff Noradrenalin freigesetzt, der unter anderem Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis beeinflusst. Außerdem hält das Areal den Kontakt mit vielen weiter entfernten Regionen des Gehirns. Die Forschenden vermuten nun, dass der Locus coeruleus von Menschen, die bei Inaktivität größere Pupillen haben, die Leistung effizienter regulieren könnte. Das käme dann der Gehirnfunktion im Ruhezustand zugute.

Ob das tatsächlich so ist, werden vermutlich weitere Tests zeigen. Aber unabhängig davon: Schaut doch eurem Herzensmenschen mal wieder ein bisschen länger in die Augen, so wie früher, da gibt es doch immer was zu entdecken! Dafür muss man weiß Gott nicht Humphrey Bogart oder Ingrid Bergman sein.

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