Inklusion: "Menschen mit Behinderung sind total loyal und extrem engagiert."

Wie kann Inklusion am Arbeitsplatz gelingen und zur Selbstverständlichkeit werden? Eine Unternehmerin aus Hermsdorf in Thüringen macht es vor. Sie hat in ihrer Porzellanfabrik ein halbes Dutzend Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen angestellt.

Drei Personen, eine davon im Rollstuhl, sehen auf ein Flipchart.
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Ob am Empfang, in der Buchhaltung oder dem Qualitätsmanagement – in der Porzellanfabrik Hermsdorf gehört Inklusion ganz selbstverständlich dazu. Sechs der 105 Mitarbeiter haben mehr oder weniger starke Behinderungen und arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, erzählt Geschäftsführerin Sybille Kaiser im MDR JUMP-Gespräch:

Florian unser Azubi ist im kaufmännischen Bereich. Wegen seiner Sehbehinderung arbeitet er mit Unterstützung durch besondere Technik. Dann haben wir drei Mitarbeiter, die die Gebäudereinigung und auch die Pflege der Außenanlagen verrichten. Eine Mitarbeiterin sitzt am Empfang und ein Angestellter, der unfallbedingt behindert ist, ist verantwortlich für unser gesamtes Qualitätsmanagement.

Das wichtigste sei, so Kaiser, die richtige Aufgabe für die Menschen zu finden, eine, für die sie geeignet sind. Alles andere wäre sinnlos und würde nur zu Überforderung und Frust führen.

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Hinzu kommt, dass in der Fabrik spezielle Technik angeschafft wurde, mit der die Beschäftigten ihre Arbeit gut machen könnten, zum Beispiel für den Auszubildenden Florian:

Bei unserem Azubi ist es so: Er kann wegen seiner Sehbehinderung kein normales Dokument lesen. Für ihn gibt es am Arbeitsplatz sehr große Bildschirme und eine Vergrößerungssoftware. Dann hat er eine Kamera, mit der er alles aufnehmen kann. Das ist alles schon sehr aufwendig, aber der Junge kommt hervorragend zurecht damit.

Die Ausstattung hat die Agentur für Arbeit bezahlt. Eine überraschende Hilfe, erklärt Sybille Kaiser. Das hatte sie so nicht erwartet. Am Ende habe die Agentur 25.000 Euro Kosten gehabt. Neben guter technischer Ausstattung sei aber auch die Unterstützung im eigenen Team sehr wichtig, sagt Kaiser:

Einige Mitarbeiter, behindert und nichtbehindert, der Porzellanfabrik Hermsdorf
Mitarbeitende der Porzellanfabrik Hermsdorf mit Chefin Sybille Kaiser (4. v.l.) Bildrechte: MDR JUMP

Wenn nicht alle mitziehen würden, könnte man so etwas nicht durchsetzen. Ich kann den Mitarbeitern das nicht einfach aufdrücken. Aber es ist eine tolle Zusammenarbeit bei uns. Ich habe festgestellt, dass Menschen mit Behinderung total loyal und extrem engagiert sind. Sie sind einfach nur ein Zugewinn für jedes Unternehmen.

Die Porzellanfabrik hat 2020 den Inklusionspreis bekommen und ist ein Vorbild für andere Firmen. Sybille Kaiser erzählt, dass sie schon einigen Unternehmern ihre Vorurteile nehmen konnte:

Bei der Verleihung des Inklusionspreises kamen einige Geschäftsführerkollegen auf mich zu und fragen: Wie macht ihr das, verrat das doch mal. Und ich weiß, dass auch dort Inklusion inzwischen Einzug gehalten hat. Viele haben einfach Bedenken. Die sind aber nicht begründet. Ich kann das nur jedem Unternehmer raten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 14. April 2021 | 15:15 Uhr

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