Wenn Corona auch vor einer Zweifach-Impfung nicht zurückschreckt

Obwohl ein Mann in Kamenz zweifach geimpft ist, wurde er positiv auf das Corona-Virus getestet. Und trotzdem bittet er seine Mitmenschen darum, sich so bald wie möglich impfen zu lassen.

Impflinge warten im Corona Impfzentrum Messe Berlin auf ihre Impfung.
Bildrechte: dpa

Man hört es immer mal wieder: Menschen infizieren sich mit Corona, obwohl sie bereits vollständig geimpft sind. Das kann vor allem daran liegen, dass die verschiedenen Impfstoffe keinen 100-prozentigen Schutz bieten. Selbst bei beiden Impfungen besteht also noch ein Rest-Risiko, wenn auch ein sehr geringes. Laut Robert Koch-Institut kann es auch sein, dass die Infektion kurz vor oder ein paar Tage nach der Impfung stattfindet. Der Schutz sei dann noch nicht vollständig ausgebildet. Prof. Dr. med. Carlos A. Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung weiß:

Das Mittel Astrazeneca hat in unterschiedlichen klinischen Studien eine Wirksamkeit von ungefähr 70 Prozent gegen eine symptomatische Erkrankung gezeigt.

Auch Experten vom Paul-Ehrlich-Institut weisen auf das Restrisiko hin:

Es muss davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit dem Virus trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei das Virus Sars-CoV-2 ausscheiden.

Auch einem Mann aus Kamenz ist das passiert. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, wurde er ziemlich genau drei Wochen nach seiner zweiten Impfung mit Astrazeneca positiv auf das Corona-Virus getestet. Das hatte wohl zwei Gründe. Zum einen war der Kamenzer vor nicht allzu langer Zeit an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt, was sein Immunsystem geschwächt hat. Zu einem Impftermin soll man nur erscheinen, wenn man sich vollkommen gesund fühlt. Je schwächer das Immunsystem ist, desto schlechter kann sich die Wirkung des jeweiligen Impfstoffs entfalten. Zum anderen seien an der Grundschule seines Sohnes fünf Kinder positiv getestet wurden:

Ein Streifen: Test ist negativ. Selbsttest auf einem Impfpass.
Bildrechte: IMAGO / MiS

Bis dahin waren unsere Tests in der Familie immer negativ und wir haben wirklich peinlich genau auf Hygienestandards geachtet. Die Kinder so lange wie möglich zu Hause behalten, um auf Nummer sicher zu gehen.

Sein Sohn infizierte sich mit der britischen Variante und anschließend auch er selbst. Hilflosigkeit machte sich breit:

Ich war echt verzweifelt und habe mich gefragt, wie kann das nach der zweifachen Impfung passieren. Was haben wir falsch gemacht.

Durch die Impfung war der Verlauf nicht ganz so schwer. Symptome wie Fieber, Atemnot, Kopfschmerzen und Husten ließen sich trotzdem blicken.

Ich ziehe den Hut vor denen, die das ohne Impfung durchlebt haben. Ich empfehle allen dringend die Impfung, so bald wie möglich.

Auch wenn die Lockerungen wieder viele Freiheiten und Freude in unser Leben bringen, sollten wir nicht unvorsichtig werden. Vorsitzende des Thüringer Hausärzteverbandes, Ulf Zitterbart stellt klar:

Wir müssen natürlich auch nach der zweiten Impfung die Patienten noch aufklären, dass die sogenannten AHA-Regeln weiter eingehalten werden.

Mit Material von Sächsische Zeitung

Aktuelle Themen von MDR JUMP