In-App-Käufe: Muss ich die hohe Rechnung bezahlen?

Das Kind hat ein Spiel auf dem Smartphone gespielt und plötzlich flattert eine vierstellige Rechnung ins Haus. Was tun, wenn das passiert? Wir haben eine Expertin gefragt.

Ein Junge spielt ein Spiel auf seinem Smartphone.
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In Halle staunten die Eltern vor wenigen Wochen nicht schlecht, als eine Rechnung von 2400 Euro ins Haus flatterte. Ihr acht Jahre altes Kind hatte ein eigentlich kostenloses Spiel gespielt, ohne viele zusätzliche Upgrades, sogenannte „In-App-Käufe“ ging es aber wohl doch nicht - und die kosten ordentlich Geld. Geschichten wie diese häufen sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

In der Vergangenheit kamen immer mal wieder Verbraucher zu uns in die Beratungsstellen und hatten genau dieses Problem: Das minderjährige Kind spielt auf dem Handy oder dem Tablet und verursacht Summen in vierstelliger Höhe.

sagt Anne Neumann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt im Interview mit MDR JUMP. Der Schock sitzt tief, aber keine Bange: Oft kann man die Situation noch retten.

Widerspruch einlegen

Spiele fürs Handy oder fürs Tablet gibt es wie Sand am Meer und viele von ihnen bereiten gerade den Kleinen großen Spaß. Dass ein Spiel kostenlos ist, bedeutet jedoch nicht, dass Kinder dort kein Geld ausgeben können. In-App-Käufe oder auch In-Game-Käufe gehören bei den meisten Apps dazu. So kann man sich spezielle Gegenstände oder Energie kaufen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Um spielen zu können, muss jedoch erst mal ein Account angelegt werden - egal, ob es ein Apple-Tablet oder Android-Smartphone oder Ähnliches ist. Dort muss entweder die Telefonnummer oder die Kreditkartennummer hinterlegt werden. Bekommt ihr eine hohe Rechnung per Mail oder Post, könnt ihr Widerspruch einlegen, so Anne Neumann:

Wenn eine Abrechnung über die Kreditkarte erfolgt, müsste der Verbraucher sich an den Anbieter wenden, also an das Kreditkarteninstitut bzw. an den Anbieter der Spiele-App. Dort kann man Widerspruch einlegen, dass diese Forderung nicht berechtigt ist, weil ein minderjähriges Kind die Einkäufe getätigt hat.

Ein Kleinkind mit Smartphone
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Kinder zwischen 7 und 18 Jahren benötigen die Einwilligung ihrer Eltern, dass sie Verträge abschließen dürfen. Unter 7 Jahren ist das nicht mal mit der Einwilligung möglich. Wenn die Abrechnung über den Handyvertrag erfolgt, könnt ihr euch stattdessen an den Telefonanbieter wenden und die Rechnung beanstanden.

Eltern müssen die Forderung bestreiten. Der Spiel-App-Betreiber muss beweisen, dass das minderjährige Kind hier tatsächlich einen Vertrag abschließen durfte. Das wird er in der Regel aber nicht können.

Die Expertin rät jedoch davon ab, den Betrag einfach wieder zurückbuchen zu lassen. Stattdessen sollten Eltern dem jeweiligen Anbieter eine Frist setzen, in der er das Geld zurückbuchen kann. Klappt das nicht, dann kann man es selbst probieren.

Was tun, damit das gar nicht erst passiert?

Damit man sich gar nicht erst mit diesem Problem rumschlagen muss, können In-App-Käufe komplett unterbunden werden. Das geht mit wenigen Klicks auf dem Handy.

Ein Junge spielt ein Videospiel auf seinem Smartphone und überträgt es mit einem zweiten Handy per Facetime zu seinem Freund.
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Bei dem iOS Betriebssystem von Apple besteht die Möglichkeit unter den Einstellungen die In-App-Käufe zu deaktivieren.

Diese Einstellung lässt sich jedoch nicht bei dem Android-Betriebssystem finden.

Man kann aber festlegen, dass die Käufe die getätigt werden, mit einem Passwort abgefragt werden müssen.

Das kann eine Nummernreihenfolge sein. Aber auch Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sind möglich. So müssten die Kids jedes Mal einen Code eingeben, den sie im besten Fall nicht kennen, oder um Erlaubnis fragen. Eltern können auch regelmäßig ihr E-Mail Postfach checken. Für jeden Kauf in einer App wird eine Mail an die im Account hinterlegte Adresse verschickt. Die Europäische Verbraucherzentrale hat weitere Tipps zusammengestellt. Generell sollten Eltern mit ihren Kinder natürlich über Medienkonsum sprechen und sie auch über die In-App-Käufe aufklären und sensibilisieren. Dann gibt es hoffentlich auch keine bösen Überraschungen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Dezember 2021 | 12:45 Uhr

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