Warum der beste Freund des Menschen die Umwelt kaputt macht

Seit Corona gibt es noch einmal mehr Hunde bei uns in der Region. Doch was eigentlich gut gedacht ist, hat auch negative Folgen.

Beagles spielen auf der Hundewiese eines Parks in Erfurt
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Spätestens mit Corona sind die Deutschen auf den Hund gekommen. Die Nachfrage nach den tierischen Begleitern ist in der Pandemie um etwa 20 Prozent gestiegen. So nimmt es jedenfalls der Verband für das Deutsche Hundewesen an. Und wenn man sich in seinem Freundes- und Bekanntenkreis mal so umsieht, ist das vielleicht sogar noch eine eher konservative Schätzung. Tierschützer sind wegen des raschen Anstiegs besorgt, manche Kommune bei uns in der Region freut sich dagegen vielleicht über steigende Steuereinnahmen. So vermeldet etwa Sachsen-Anhalt für das vergangene Jahr ein Plus von 327.000 Euro bei der Hundesteuer.

Interessant sind nun neue Forschungsergebnisse, die belegen: Der Boom der Hunde könnte auch ein ernsthaftes Problem fürs Klima darstellen. Ein Tierfutterhersteller hat ausgerechnet, dass es aktuell in Europa nicht weniger als 89,82 Millionen Hunde gibt. Deren Häufchen sehen leider nicht nur eklig aus, wenn sie in der Gegend rumliegen, sie produzieren demnach auch jedes Jahr die beeindruckende Menge von 491.764.500 Kilogramm Methan. Das ist ein Treibhausgas, das deutlich wirksamer ist als Kohlendioxid, wenngleich es nicht ganz so lange in der Erdatmosphäre bleibt.

Die Firma hat auch eine Übersicht über die europäischen Städte erstellt, in denen das Problem am größten ist. Und - Überraschung! - unsere Hauptstadt Berlin landet auf einem unrühmlichen dritten Platz europaweit. Hier sorgen 105.211 Kilogramm Hundekot für nicht weniger als 2.215.492 Kilogramm Methanemissionen.

Auch Futter ist problematisch

Aber auch jenseits ihrer Ausscheidungen haben Hunde keine gute Klimabilanz. Das hat etwa der Geoökologe Matthias Finksteiner von der TU Berlin errechnet. Er hat sich unter anderem angesehen, wie viel Klimagase bei der Fleischproduktion für das Hundefutter entstehen. Denn wenn im Fressnapf Rindfleischerzeugnisse liegen, dann haben auch die entsprechenden Kühe mit ihren Ausscheidungen zuvor das Klima belastet. Und der Anbau des Futters für die Kühe ebenso. Dass für die Herstellung des Hundefutters vielleicht nicht so „edle“ Fleischstücke verwendet werden wie für die menschliche Ernährung, ist für die Klimabilanz erst einmal egal.

Alles in allem verursacht ein durchschnittlicher Hund in seiner Lebenszeit Emissionen, die etwa 13 Flügen von Berlin nach Barcelona entsprechen. Zur Einordnung: Laut Weltklimarat sollte jeder Mensch pro Jahr eigentlich nicht mehr als zwei Tonnen CO2 produzieren – auch wenn wir hier in Deutschland mit unserem Lebensstil weit darüber liegen. Wichtig ist aber: Bei Hundebesitzern geht allein für das Tier schon mal rund ein Drittel dieses Budgets drauf.

Rein in die Tüte

Was die Sache mit dem Kot angeht, hat Finksteiner einen Tipp: Aufsammeln und in eine Plastiktüte verpacken gebietet nicht nur der gesunde Menschenverstand. Es ist auch aus Umweltsicht sinnvoll, selbst wenn das verwendete Tütchen ja aus Plastik ist. „Das Plastiksäckchen hat natürlich auch eine Umweltbelastung. Aber die Einsparung der geregelten Entsorgung des Kotes holt die auf jeden Fall wieder rein“, so der Forscher. Und noch einen Vorschlag hat der Forscher: Kleinere Hunde halten. Da sind auch die Eimissionen niedriger. Und Spaß kann man mit denen ja trotzdem haben.

In Leipzig wurde in diesem Frühjahr zumindest kurzzeitig darüber diskutiert, die Hundesteuer an den CO2-Ausstoß der Tiere zu koppeln. Beschlossen wurde das nicht, wohl aber eine Untersuchung, ob kommunale Steuern ein sinnvolles Element der Klimapolitik sind.

Oder aber, man löst das Problem wie im britischen Naturschutzgebiet Malvern Hills. Dort hat ein Tüftler eine Straßenlaterne installiert, die mit Hundekot funktioniert. Geschäft und Tütchen werden in einer kleinen Klappe deponiert, von dort gelangen sie in eine Mini-Biogasanlage. Der Erfinder schätzt nach eigenen Angaben, dass die Lampe mit zehn Kotbeuteln zwei Stunden lang brennen kann.

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