Mantrialing Hund mit Hundeführer
Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Immer der Nase nach Hunde können DNA riechen

Spürnasen bei der Polizei: Hunde finden durch ihren feinen Geruchssinn Drogen und Sprengstoff. Aber auch die Spur von Menschen können die Vierbeiner verfolgen. Ein Forschungsprojekt der Uni Leipzig und der Hochschule der Sächsischen Polizei konnte nun weltweit erstmalig nachweisen: Die Hunde riechen auch unsere DNA.

von Marc Zimmer

Mantrialing Hund mit Hundeführer
Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Außergewöhnlicher Geruchssinn und leicht zu trainieren: Diese Eigenschaften von Hunden machen sie interessant für die Polizei. So werden sie schon lange zum Aufspüren von Rauschgift oder Sprengstoff eingesetzt. Außerdem kennt der Krimi-Fan sicher auch diese Variante der Spürhunde: Ein Kleidungsstück eines Verdächtigen oder einer vermissten Person wird dem Hund unter die Schnauze gehalten und der stürmt los.

Mantrailer - Personen auf der Spur

Das sogenannte Mantrailing beruht auf der Erkenntnis, dass jeder Mensch ein einmaliges Geruchsbild für den Hund darstellt. Dieses Geruchsbild kann von speziell ausgebildeten Tieren auch nach Monaten noch erkannt werden. Damit kann der Hund eine ganz bestimmte Person aufspüren oder beispielsweise einen Fluchtweg nachverfolgen. In den USA und der Schweiz ist der Einsatz von "Mantrailingteams" seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit. Auch in Deutschland wurde das Thema "Mantrailing" von einigen Bundesländern aufgegriffen - auch in Sachsen.

Mantrailing (engl.: to trail = einer Spur folgen) ist die Personensuche unter Einsatz von Spürhunden, die Mantrailer genannt werden. Dabei wird der hervorragende Geruchssinn der Hunde genutzt. Der Unterschied zwischen einem Mantrailer und anderen Suchhunden besteht darin, dass der Mantrailer bei der Suche verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden kann und sich trotz vieler Verleitungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientiert. Mantrailer können nicht nur auf Spuren von Fußgängern eingesetzt werden, selbst im Auto hinterlassen die Personen genug verfolgbare Spuren für den Hund.

Doch was bringt die Tiere auf die Spur? Sind es Hautschuppen oder Bakterien? Oder ist es gar die DNA? Mit diesen Fragen hat sich ein Forscherteam des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Leipzig in enger Zusammenarbeit mit der sächsischen Polizei befasst.

Leif Woidtke
Leif Woidtke von der Hochschule der Sächsischen Polizei hält MAntrailing für ein geeignetes Einsatzmittel. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Das ist so wichtig, weil die Ergebnisse aus den Mantrailing-Einsätzen vor Gericht noch nicht umfänglich anerkannt sind. Wir haben jetzt gezeigt: Hunde suchen tatsächlich individuell. Genau so wichtig: Hunde zeigen auch an, wenn es keine individuelle Spur gibt.

Leif Woidtke, Hochschule der sächsischen Polizei

Denn bisher sind Ermittlungsergebnisse auf Grundlage von Personenspürhunden zwar vor Gericht als Beweismittel zugelassen. Viele Anwälte und Richter verlangten jedoch eine wissenschaftliche Untermauerung dieser Methode. So befand das Landgericht Nürnberg 2012, dass es sich beim Mantrailing stets um eine Interpretation des Verhaltens eines Hundes durch einen Menschen handele. Deshalb müssten jeweils zwei Suchhunde mit verschiedenen Hundeführern dieselbe Spur suchen. Noch dazu solle der Einsatz vollständig gefilmt werden.

Die Studie

DNA Probe für Mantrailing Hunde
Eine Mitarbeiterin der Rechtsmedizin füllt eine Blutprobe um. Aus denen wird ein Geruchsreiz für die Hunde gewonnen. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Ein Forschungsprojekt der Universität Leipzig wollte deshalb einen wissenschaftlichen Hintergrund für Mantrailing liefern. Die Forscher gingen der Frage nach, wie zuverlässig sogenannte Mantrailer-Hunde die individuelle Geruchsspur eines Menschen unter realen polizeilichen Einsatzbedingungen verfolgen können.

Dazu haben sie seit 2014 Versuche mit sieben Hunden gemacht. Vier Männchen und drei Weibchen mussten in verschiedenen Tests jeweils die Spur eines Menschen verfolgen. Neben Achselschweiß und Speichel wurde auch DNA als Suchanreiz geprüft: Aus einer Blutprobe wurde die DNA extrahiert.

Carsten Babian von der Leipziger Rechtsmedizin
Dr. Carsten Barbian von der Leipziger Rechtsmedizin leitete die Mantrailing-Studie. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Das haben wir dann aufgetropft auf Schaumstoffrollen und dem Hund hingehalten. Und dann ist das Unglaubliche passiert: Die Hunde sind losgelaufen in die richtige Richtung und haben den Spurenleger gefunden. Nicht nur ein Mal, sondern wiederholt.

Dr. Carsten Babian, Institut für Rechtsmedizin der Uni Leipzig

In vier von fünf Fällen erfolgreich

Die Erfolgsquoten waren unabhängig vom Geruchsartikel (Schweiß, Speichel oder DNA) vergleichbar hoch. Diensthunde konnten die Spur eines Verdächtigen in 82 Prozent der Fälle verfolgen, private Rettungshunde in 65 Prozent. Erstmals konnten die Leipziger Forscher damit nachweisen, dass DNA ausreichend Merkmale für die individuelle Verfolgung der Geruchsspur einer Person enthält.

Selbst wenn die Spuren bereits ein bis sechs Monate alt waren, konnten die Hunde in 80 Prozent aller Fälle eine individuelle Geruchsspur aufzunehmen und eine Spur verfolgen. Dabei konnte in 44 Prozent der Fälle die Spur auf mindestens den ersten 100 Metern spurtreu verfolgt werden, im Mittelwert auf 330 Metern.

Die Forscher und die Hundeführer schließen aus diesen Ergebnissen, dass Mantrailing als Beweis vor Gericht gut verwertbar ist. Das sehen auch die Hundeführer der Polizeidirektion Zwickau so.

Hundeführer Polizeihauptmeister Kempe
Polizeihauptmeister Kempe ist Hundeführer bei der Polizeidirektion Zwickau. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer

Der Hund kriegt die Tüte vorgehalten. Der hält die Nase in die Tüte rein und läuft los. Mein Job ist eigentlich ganz einfach: wenn der Hund losgelaufen ist, lauf ich hinterher.

Polizeihauptmeister Jörg Kempe, Hundeführer

So zeigt Bloodhound-Dame Hermine im Testlauf im Leipziger Friedenspark ihre Mantrailing-Qualitäten:

Forschungsprojekt Hundedame Hermine auf der Spur

Sie finden Drogen, Sprengstoff oder Menschen: Spürhunde sind wichtige Helfer der Polizei. Forscher aus Leipzig fanden nun heraus, dass die Vierbeiner unsere DNA erschnüffeln können.

Mantrailing Hund Hermine und Polizeihauptmeister Blechschmidt
Hermine ist sieben Jahre alt und ein Mantrailing-Profi, sagt Hundeführer Ralf Blechschmidt von der Polizei Zwickau. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
Mantrailing Hund Hermine und Polizeihauptmeister Blechschmidt
Hermine ist sieben Jahre alt und ein Mantrailing-Profi, sagt Hundeführer Ralf Blechschmidt von der Polizei Zwickau. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
Mantrailing Hund Hermine mit Hundeführer Blechschmidt
Ein Test-Verdächtiger hat sich ein Stück Stoff am Hals gerieben, Hermine nimmt die Spur auf. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
Mantrailing Hunde beginnt die Suche
Währenddessen entfernt sich die Testperson einige Hundert Meter vom und biegt dabei mehrmals ab. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
Mantrailing Hund auf der Suche
"Such!" - Für Hermine beginnt die Spurensuche, sie zieht ihren Hundeführer energisch hinter sich her. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
Mantrailing Hund bekommt eine Belohnung
Und gefasst! Zur Belohnung gibt es Schmelzkäse: "Den mag sie fast lieber als Wurst", sagt Hundeführer Blechschmidt. Bildrechte: MDR/Marc Zimmer
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Ob die Ergebnisse aus Mantrailing-Suchen mit Spürhunden künftig in Strafprozessen als Beweismittel anerkannt werden, das entscheiden aber weiterhin die Gerichte. Die Forscher und Polizisten hoffen, mit ihrer Studie ein wissenschaftliches Fundament dafür gelegt zu haben.

Intelligente Vierbeiner

Hunde sind übrigens nicht nur auf die Verbrecherjagd spezialisiert. "Der beste Freund des Menschen" begleitet uns bereits seit 15.000 Jahren. Vom Fährtenleser und Jagdhelfer bis hin zum Blindenhund oder Haustier erfüllen Hunde wichtige Aufgaben für den Menschen. Die Intelligenz der Tiere ist dabei in vielen Studien bestätigt worden. So zeigten Wissenschaftler aus Ungarn, dass die Vierbeiner den Tonfall ihrer Herrchen und Frauchen unterscheiden können.

Auch Forscher aus Mitteldeutschland sind bei der Mensch-Hunde-Forschung dabei. Bis vor einigen Jahren war dafür Leipzig das Zentrum. Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie untersuchte eine Forschergruppe unter anderem das Verhalten der Tiere mit dem Schwerpunkt Kommunikation Hund-Mensch. Sie zeigten etwa, dass Hunde verbotenes Futter öfter fraßen, wenn sie wussten, dass der Mensch sie dabei nicht sehen konnte. Inzwischen ist diese Forschung in Jena am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte angesiedelt. Juliane Bräuer, ehemals MPI Leipzig, gründete dort einen neuen Bereich für Hundestudien. Weiterhin offen bleibt allerdings die Frage, ob Hunde lieben können.

Hunde - Intelligente Vierbeiner

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL | Radio | 11. Januar 2018 | 17:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 09:46 Uhr

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