Gesetz für Hundehalter geplant: 2-mal täglich Gassi-Pflicht

Gassigehen, Welpen-Aufzucht und Qualen für den Hund vermeiden: In einem Verordnungsentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums gibt es strengere Regeln für Hundhalter und Hundezüchter.

Gassi gehen
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Ein Hund ist nicht nur für viele Menschen der beste Freund und ein Familienmitglied, sondern macht auch viel Arbeit. Zum Wohl der Tiere, will die Regierung nun neue Regeln erlassen, die auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedürfnisse von Hunden beruhen sollen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner erklärt zu den neuen Regelungen:

Julia Klöckner
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Haustiere sind keine Kuscheltiere - ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden.

Vorgeschriebene Gassi-Runde

Der Entwurf sieht vor, dass Hundebesitzer mindestens zweimal täglich mit ihrem Hund eine Gassirunde von insgesamt einer Stunde drehen sollen. Wie das kontrolliert werden soll, kann sich Carmen Rennhack vom thüringischen Landesverband des Internationalen Hunde Verbandes nicht vorstellen. Dennoch findet sie die Regelung gut - und würde sogar noch weitergehen:

Ich selber habe Chihuahuas. Und wenn ich nach drei Stunden reinkomme, gucken die mich an wie: War das jetzt alles? Und die haben noch freien Auslauf bei uns. Also mindestens drei Stunden müssen Hunde raus.

Hunde dürfen nicht den ganzen Tag alleine bleiben

Außerdem steht in dem Entwurf auch, dass Hundehalter ihre Tiere nicht den ganzen Tag alleine lassen dürfen. Carmen Rennhack ist bei dieser Regelung zwiegespalten:

Hund
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Es gibt viele Halter, die geben die Hunde in Betreuung. Aber es gibt auch viele Leute, die haben niemanden. Und ich sage immer: Wer nicht arbeitet, der kann kein Geld verdienen, um ein Tier zu versorgen. Ein Tier kostet prinzipiell Geld. [...] Natürlich sollte kein Hund 12 Stunden alleine sein. Maximal sechs Stunden sind okay. Aber dann die Nachbarn fragen, ob sie mal mit dem Hund rausgehen.

Carmen Rennhack, die nicht nur selbst Hundehalterin, sondern auch Züchterin ist, hat ein gewisses Maß an Verständnis dafür, dass der Hund auch mal alleine ist. Denn die Kosten für Tierarztbesuche, Futter und die Haftpflichtversicherung müssen die Halter auch verdienen.

Neue Regeln für Hundezüchter

Zwei Hundewelpen
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Zudem sollen auch Regeln für Hundezüchter mit dem Gesetz durchgesetzt werden. Beispielsweise dürften Züchter dann maximal drei Hündinnen mit Welpen gleichzeitig betreuen. Auch diesem Entwurf stimmt Carmen Rennhack zu. Sie selbst hat maximal zwei Würfe zusammen. So geht sie auch auf Nummer sicher: Denn sollte die eine Hundemutter aus verschiedenen Gründen nicht für die Welpen sorgen können, so könne die andere als Amme herhalten, erklärt sie.

Außerdem sollen mit den neuen Regeln auch die Größen und die Temperatur von Wurfboxen beim Züchten genauer geregelt werden. Dies sei nicht nur für die Hündin angenehm, sondern auch für die Welpen, die so nicht aus Versehen gequetscht werden können, findet Carmen Rennhack.

Regeln im Sinne des Tierwohls

Generell findet Carmen Rennhack die vorgeschlagenen neuen Regelungen gut und wichtig. Denn die derzeitigen Regeln finde sie noch zu lasch, sagt sie. Auch das Hunde, deren Rute oder Ohren tierschutzwidrig entfernt wurden, nicht auf Hundeausstellungen gezeigt werden dürfen, findet Caren Rennhack gut.

In den USA gelten strenge Regeln

Aber auch die Einhaltung und Kontrolle des Paragraphen 11 des Tierschutzgesetzes hält sie für essentiell. Dieser Paragraph besagt, dass Züchter zum Wohle des Hundes eine Züchter- und Genetik-Schulung machen, bevor sie selbst züchten dürfen. Diese soll unter anderem Gendefekte bei den Tieren verhindern, damit sie zum Beispiel nicht erblinden oder taub werden. Außerdem kontrolliert das Veterinäramt, wie die Hunde gehalten werden und ob die Züchter alle notwendigen Schulungen absolviert haben. Carmen Rennhack würde sich die Durchsetzung der Regeln aber wie in den USA wünschen:

In den USA werden die Züchter bei Vergehen hart bestraft. Bei uns kriegen sie Zuchtverbot und dann züchtet der Partner weiter. Und das finde ich nicht in Ordnung. Man müsste dann wirklich hart durchgreifen.

Regeln für Tiertransporte

Der Verordnungsentwurf enthält nicht nur Regelungen rund um den Hund, sondern auch zum Nutztiertransport. Transporte innerhalb von Deutschland dürften nicht länger als vier Stunden dauern. Es sei denn, es sei sichergestellt, dass die Temperatur bei den Tieren nicht mehr als 30 Grad betrage. Diese Auflage sei strenger als das geltende EU-Recht erklärt Bundesagrarministerin Julia Klöckner:

Kühe verlassen den Anhänger.
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Gerade bei hohen Temperaturen müssen wir vermeiden, dass den Tieren durch Hitze vermeidbare Leiden zugefügt werden - deshalb setze ich hier strengere Regeln für Transporte durch.

Wann genau die vorgeschlagenen Regelungen als Gesetz umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Der Entwurf muss nun mit Fachverbänden und den Ländern abgestimmt werden.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 17. August 2020 | 14:00 Uhr

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